Montag, 26. November 2012, 14:29 Uhr

Diese Männer führten die USA an den finanziellen Abgrund

Den USA droht ein finanzielles Fiasko – und die Fiskalklippe könnte die ganze Weltwirtschaft in den Strudel reißen. Wie kam es soweit? Zehn Männer trugen maßgeblich dazu bei: Weil sie Steuern kürzten, Schulden machten oder der Politik in Washington die intellektuelle Rückendeckung für ihre Geisterfahrt gaben.

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ARTHUR LAFFER
US-Ökonom und ehemaliger Berater von Präsident Ronald Reagan. Die nach ihm benannte Laffer-Kurve zeigt theoretisch, dass unter bestimmten Bedingungen bei Steuersenkungen das Steueraufkommen steigt. Damit gab er konservativen Politikern die wissenschaftliche Grundlage für Steuererleichterungen.
Leider funktionierten Laffers Theorien nicht in der Praxis. Die Steuererleichterungen sind ein wesentlicher Grund für die 16 Billionen Dollar Staatsverschuldung der USA. The Laffer Center

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PETE PETERSON
Hedgefonds-Milliardär und Kabinettssekretär unter Ronald Reagan. Er gründete und finanzierte zahlreiche Organisationen, die öffentlich auf die Problematik einer hohen Staatsverschuldung aufmerksam machten. Durch den Druck, den Peterson mit seiner Lobbyarbeit machte, kam es zu den automatischen Ausgabenkürzungen – und ohne die wäre die Fiskalklippe nur halb so schlimm. Getty Images

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BILL CLINTON
Der Präsident von 1993 bis 2001 gab Amerika die Illusion, dass Haushaltsüberschüsse ein Kinderspiel sind. Doch die schwarzen Zahlen in den letzten vier Jahren seiner Regierungszeit waren auf eine boomende Wirtschaft und hohen Kapitalertragssteuern gebaut.
Am Ende seiner Amtszeit galten Haushaltsüberschüsse in Washington als so selbstverständlich wie an der Wall Street ständig steigende Kurse. Damit weckte er Erwartungen. Die bildeten den Boden für das strenge Haushaltsregime, das den Amerikanern jetzt solche Kopfschmerzen macht. Reuters/Larry Downing

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ALAN GREENSPAN
US-Notenbankchef von 1987 bis 2006. Er galt zwar als Mahner gegen Staatsschulden. Trotzdem warnte er 2001 den US-Kongress davor, zu viele Schulden abzubauen. Das zerstöre den Markt für Staatsanleihen und somit auch den Einfluss der Federal Reserve auf die Wirtschaft. Diese Aussagen wurden als intellektuelle Unterstützung der Steuererleichterungen von George W. Bush gewertet.
Zudem war Greenspan Mitverursacher der Immobilienblase – denn er hielt die Zinsen niedrig und tat nur wenig gegen Schattenbanken. Reuters/Lucas Jackson

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GEORGE W. BUSH
Präsident von 2001 bis 2009. Er ist der Schuldenkönig der USA. Dass niedrigere Steuern die Staatseinnahmen erhöhen würden, war eines seiner zentralen Wahlkampfthemen. Auch in der Rezession hielt er daran fest, die Wirtschaft mit niedrigen Steuern anzukurbeln. Und als das nicht half, senkte er die Abgaben weiter. Unter ihm wurden Steuererleichterungen zur politischen Allzweckwaffe. Associated Press

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DICK CHENEY
Vizepräsident unter George W. Bush. Während Bush die Steuern senkte, plante Cheney den Krieg gegen den Terror. Erstmals in der US-Geschichte zog die Armee in den Krieg, ohne dass gleichzeitig die Steuern stiegen. Billionen Dollar an neuen Schulden waren die Konsequenz. Associated Press

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DAVID LEREAH
Ehemaliger Chefökonom des US-Maklerverbandes. Er verursachte zwar die Immobilienblase nicht selbst, lieferte aber der Gier in der Immobilienbranche und an der Wall Street die Argumente. Auch Abertausende Hauskäufer glaubten seinen Versprechungen und überschuldeten sich maßlos. Die Immobilien- und Kreditkrise führten zu den Erschütterungen des weltweiten Finanzsystems im Jahr 2008, und schließlich zur Rezession der US-Wirtschaft. Neue Schulden in Billionenhöhe waren die Folge. Reecon Advisors

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GROVER NORQUIST
Präsident der Steuerlobby „Americans for Tax Reform". Norquist zwang mit seiner mächtigen Organisation fast jeden republikanischen Politiker dazu, öffentlich einen Eid abzuleisten, dass er keine Steuern erhöhen werde. Durch diesen Druck war in den vergangenen zwei Jahren keine Einigung im US-Haushaltsstreit zu erzielen, weil sich die Republikaner gegen Steuererhöhungen jeder Art sperrten.
Nach der Wahlniederlage von Mitt Romney schwindet jedoch auch der Einfluss von Norquist. Einige prominente Republikaner haben bereits erklärt, dass sie sich nicht mehr an ihr Versprechen gebunden fühlen. Associated Press

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BARACK OBAMA
Präsident seit 2009. Unter ihm haben die USA das höchste Defizit ihrer Geschichte verzeichnet. Gründe dafür waren unter anderem sein Konjunkturpaket, die Rettung der Autoindustrie und steigende Sozialausgaben. Er zeichnete 2011 auch verantwortlich für die Schuldenbremse, die zum Jahreswechsel greift und die Hälfte der Fiskalklippe ausmacht. Associated Press

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JOHN BOEHNER
Seit 2011 Sprecher des Repräsentantenhauses. Der pragmatische Republikaner weiß, dass die USA mehr Einnahmen brauchen – aber er hat in diesem Punkt seine Fraktion nicht hinter sich. Dadurch kam es im Sommer 2011 fast zum Staatsbankrott. Boehner musste das Problem vertagen. Die Fiskalklippe droht nun, weil Boehner seine Partei nicht rechtzeitig zu einem Kompromiss bewegen konnte. Associated Press

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