War lange Zeit einer der umtriebigsten Manager in der Solarbranche: Solarworld-Chef Frank Asbeck, hier bei der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens im März. Inzwischen hat der Preisverfall auch das einstige Vorzeigeunternehmen der Branche erwischt. Antworten auf die Frage nach der Zukunft der Branche bleibt auch Asbeck bisher schuldig. dapd

Nach dem existenzbedrohenden Preisverfall für Solarmodule stehen deutsche Unternehmen aus der Photovoltaik-Branche vor einer weiteren Herausforderung. Spätestens im nächsten Jahr wird die massive Kürzung bei Förderung von Solarstrom Wirkung zeigen und der heimische Markt stark schrumpfen. Die Märkte der Zukunft liegen in Übersee. Für viele heimische Hersteller werden sie aber unerreichbar sein.

Der Abschwung der deutschen Solarbranche beschleunigt sich. Vor allem trifft es Massenhersteller wie Solarworld. Die Modulpreise sind derart massiv gesunken, dass das einstige Vorzeigeunternehmen der Branche im zweiten Vierteljahr in Folge die Kosten für Personal und Material nicht mehr einspielen konnte und in zweistelliger Millionenhöhe Geld verbrannte. Der Konzernumsatz sank im dritten Quartal um mehr als 40 Prozent.

Schon in Deutschland laufen die Geschäfte schlecht. Können in dieser Situation die wahrscheinlichen Boommärkte von morgen - USA, China und Japan - für die deutschen Sonnenstrompioniere zum Rettungsanker werden?

Spezialisten haben durchaus Chancen

Für Zulieferer und Spezialisten wie Wacker Chemie WCH.XE -1,29% Wacker Chemie AG Germany: Xetra 89,22 -1,17 -1,29% 01 Sept. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 96.451 KGV 53,11 Marktkapitalisierung 4,71 Milliarden € Dividendenrendite 0,56% Umsatz/Mitarbeiter 290.587 € oder SMA Solar S92.XE -0,33% SMA Solar Technology AG Germany: Xetra 24,32 -0,08 -0,33% 01 Sept. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 38.858 KGV N/A Marktkapitalisierung 846,68 Millionen € Dividendenrendite 2,47% Umsatz/Mitarbeiter 129.497 € lautet die Antwort ja. Ihre Auslandsgeschäfte dürften die wegbrechenden Umsätze auf dem Heimatmarkt langfristig ausgleichen, wenigstens teilweise. Für Zell- und Modulhersteller wie Solarworld wird es in Übersee kaum besser laufen als auf dem deutschen Markt, wo ihnen zunehmend die Felle wegschwimmen. Die günstige asiatische Konkurrenz hat im Ausland erst recht die Nase vorn.

Noch steht Deutschland beim Bau neuer Solaranlagen und damit auch bei der Nachfrage nach Solarzellen und -modulen an der Spitze, nächstes Jahr wird der Vorreiter bei der Sonnenenergie seine Spitzenposition aber wohl an China abgeben, wo eine starke Solarbranche bereitsteht, die Nachfrage zu decken. Damit rechnen zum Beispiel die Analysten der Schweizer Bank UBS. UBSN.VX -0,67% UBS AG Switzerland: SWX Europe CHF16,35 -0,11 -0,67% 01 Sept. 2014 17:30 Volumen (​15 Min. verzögert) : 6,98 Mio. KGV 18,58 Marktkapitalisierung 63,27 Milliarden CHF Dividendenrendite 1,53% Umsatz/Mitarbeiter 582.244 CHF

Deutscher Marktanteil

Der Weltmarktanteil Deutschlands an der globalen Solarzellenproduktion ist nach einer Studie des Zentrums für Solarmarktforschung von 2007 bis 2011 von 20 auf unter 7 Prozent gesunken. Chinas Marktanteil wuchs im gleichen Zeitraum von 15 auf mehr als 57 Prozent, schreiben die Experten einer im Frühjahr veröffentlichten Studie.

Unter den 25 größten Modulherstellern der Welt befanden sich im vergangenen Jahr 13 chinesische Unternehmen, aber nur noch vier aus Deutschland befunden: Bosch Solar, Q-Cells, Schott und Solarworld.

2014 dürfte es noch weiter bergab gehen mit dem deutschen Markt. Weil die Zuschüsse in Form der garantierten Einspeisevergütung für Solarstrom weiter sinken, dürften die deutschen Solarpioniere im übernächsten Jahr zusammen mit Japan lediglich den dritten Rang einnehmen. Liegen die Prognosen für die Neuinstallationen 2012 noch bei 8.000 Megawatt Peak (MWp), prognostizieren die UBS-Analysten für den deutschen Solarmarkt in zwei Jahren beim Zubau nur noch weniger als die Hälfte.

Für deutsche Solarunternehmen bedeutet das vor allem eins: sie müssen ihren Erfolg künftig im Ausland suchen. Gelingt ihnen das nicht, droht ihnen wie dem deutschen Heimatmarkt insgesamt der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Die drei Solarmärkte der Zukunft

Künftig spielt vor allem in den USA, China und Japan die Musik – dort laufen Förderprogramme erst so richtig an. Starkes Wachstum ist vorprogrammiert. In den USA sagen Analysten in den kommenden zwei Jahren ein Marktwachstum von zwei Dritteln voraus, und für China wird sogar eine knappe Verdoppelung der Neuinstallationen erwartet.

Solarförderung in den USA: Komplexer Mix

Anders als Deutschland setzen die USA bei der Förderung von Solarstrom kaum auf eine feste Einspeisevergütung, sondern auf eine Mischung von Förderinstrumenten, die aus Bürgschaften, Investitionszuschüssen und Steuererleichterungen besteht. Regionale US-Versorger werden mit Quotenregelungen verpflichtet, bei der Stromerzeugung gewisse Anteile mit erneuerbaren Energien abzudecken. Entscheidender Träger der Förderung sind die Bundesstaaten. Vorreiter bei der Sonnenenergie ist neben Arizona und New Jersey vor allem Kalifornien.

Besonderes Gewicht hat die steuerliche Förderung der Sonnenenergie. Nach dem sogenannten Solar Investment Tax Credit (ITC) können Investoren 30 Prozent ihrer Kosten beim Bau von Solaranlagen von der Steuer absetzen. Die steuerliche Ausrichtung führt dazu, dass vor allem zum Jahresende Solaranlagen installiert werden, damit die Kosten noch in der Steuererklärung geltend gemacht werden können.

Der einstige Sonnenpionier Solarworld wird davon kaum profitieren. Für den Zell- und Modulhersteller sieht es im Ausland düster aus. Sogar in den USA, wo bis 2014 nach UBS-Schätzungen der weltweit zweitgrößte Solarmarkt entsteht, dürften die Bonner kein großes Geschäft machen, obwohl sie jenseits des Atlantiks seit rund sieben Jahren am Markt präsent sind. Der Grund: Anders als in Deutschland werden in Sonnenstaaten wie Kalifornien vor allem Großanlagen errichtet, und da zählt besonders der Preis. „Da kann Solarworld nicht mithalten", sagt Alexander Drews vom Analysehaus Montega.

Solarworld konzentriert sich weitgehend auf das Privatkundengeschäft, Großanlagen, wie sie auch aus Gründen der amerikanischen Solarförderung vornehmlich entstehen, gehören nicht dazu. Zwar ist das Unternehmen mit einer eigenen Produktion in den USA vertreten, bislang aber mit wenig Erfolg. „Solarworld ist seit Jahren in den USA verlustreich", sagt Analyst Drews. In den ersten neun Monaten verbuchten die Deutschen im Segment US-Produktion bei 149 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust von 54 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr.

Solarworld bleibt Zukunftsantworten schuldig

Wie Solarworld auf dem künftig wichtigen US-Markt erfolgreich werden will, dazu schweigt Gründer und Chef Franz Asbeck. Trotz mehrfacher Anfrage wollte sich der sonst so mitteilungsfreudige Manager, der in Deutschland wie kein zweiter Bekanntheit auch über Fachkreise hinaus erlangt hat, nicht dazu äußern, wie das Unternehmen mit der massiven Verlagerung des Branchenwachstums in andere Märkte künftig Erfolg haben will.

Die chinesische Solarindustrie produziert weit günstiger als die deutsche Konkurrenz. Antidumpingzölle, wie sie manche Hersteller fordern, werden daran nichts ändern. Associated Press

Sonnenkönige sind bislang die Deutschen. Nirgendwo auf der Welt sind ähnlich hohe Erzeugungskapazitäten entstanden. Die Einspeisevergütung hat viele Bundesbürger dazu gebracht, sich ein kleines Kraftwerk aufs Dach zu legen. Doch der deutsche Markt wird ab 2013 stark schrumpfen, sagen Experten. dapd

Die starke chinesische Konkurrenz und sinkende staatliche Zuschüsse scheinen dem einstigen Sonnenkönig Asbeck die Lust am Solargeschäft verdorben zu haben. Statt in die ausländische Expansion seines Unternehmens investiert der Westfale jetzt lieber in die Finanzbranche. 2010 ist er bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser eingestiegen, 2011 folgte eine Beteiligung bei einer Vermögensverwaltung.

Den Wettstreit mit chinesischen Anbietern scheint Asbeck weitgehend aufgegeben zu haben, trotz gewonnenen Streits um das Preisdumping der Chinesen in den USA. Und das wahrscheinlich zu Recht. In China, dem wichtigsten Auslandsmarkt der nächsten Jahre, dürften Asbeck und andere deutsche Massenhersteller keinen Fuß auf die Erde bekommen. Schon 2013 wird die Volksrepublik weltweit der größte Abnehmermarkt für Solaranlagen werden, und trotzdem glauben Experten nicht, dass deutsche Hersteller dort zum Zuge kommen werden.

Zell- und Modulhersteller bräuchten in China gar nicht erst antreten, sagt Analyst Leonard Herbig vom Zentrum für Solarmarktforschung. „Die Preise sind in China teilweise noch niedriger als in Deutschland." Da können die deutschen Hersteller, die bereits auf dem Heimatmarkt von der günstigen Konkurrenz aus China in die Enge gedrängt werden, nicht mithalten.

Solarförderung in Japan: Deutsches Modell

Japan setzt bei der Solarförderung genau wie Deutschland vor allem auf die Einspeisevergütung. Gut ein Jahr nach der Atomkatastrophe in Fukushima hat die Regierung im Juli ein lukratives Vergütungssystem ins Leben gerufen und damit die Konsequenzen aus dem verheerenden Tsunami gezogen. Über 20 Jahre sichert der Inselstaat Investoren eine Vergütung von umgerechnet 42 Cent pro Kilowattstunde zu. Das ist in etwa das Doppelte dessen, was in Deutschland gezahlt wird.

Bis zur Kernschmelze der Reaktoren in Fukushima hatte Japan bei der Energieversorgung vornehmlich auf Atomkraft gesetzt. Ursprünglich sollte ihr Anteil am japanischen Energiemix bis 2030 um 20 Prozentpunkte auf mehr als die Hälfte erhöht werden. Mittlerweile lehnt jedoch die Mehrheit der Japaner Atomkraftwerke ab und befürwortet eine stärkere Nutzung regenerativer Energien, wie der Solarkraft.

Nicht viel besser sieht es in Japan aus, sagt Herbig. Der mit staatlicher Förderung stetig wachsende Markt werde weitgehend von den vier großen japanischen Herstellern Panasonic, 6752.TO +0,47% Panasonic Corp. Japan: Tokyo ¥1.277 +6 +0,47% 01 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 7,25 Mio. KGV 58,42 Marktkapitalisierung 3.117,83 Milliarden ¥ Dividendenrendite 1,25% Umsatz/Mitarbeiter 28.567.400 ¥ Kyocera, 6971.TO +0,66% Kyocera Corp. Japan: Tokyo ¥4.897 +32 +0,66% 01 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 658.800 KGV 20,99 Marktkapitalisierung 1.836,93 Milliarden ¥ Dividendenrendite 1,63% Umsatz/Mitarbeiter 20.783.700 ¥ Sharp und Mitsubishi 6503.TO +1,04% Mitsubishi Electric Corp. Japan: Tokyo ¥1.316 +14 +1,04% 01 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 2,51 Mio. KGV 16,51 Marktkapitalisierung 2.795,66 Milliarden ¥ Dividendenrendite 0,91% Umsatz/Mitarbeiter 33.226.200 ¥ dominiert. Im Gegensatz zu ihren deutschen Wettbewerbern könnten die Japaner jedoch Komplettlösungen anbieten, die in Deutschland nicht angeboten werden, beispielsweise Anlagen inklusive Batterie, die die Energieversorgung eines Hauses sichern. „Solarworld kann das nicht. Die müssten zukaufen, um vergleichbare Produkte anzubieten", sagt der Analyst.

Insgesamt seien die Markteintrittskosten in Japan, wo die Solarnachfrage nach Schätzungen der UBS schon in zwei Jahren mit der in Deutschland gleichziehen sollte, sehr hoch. Neben langwierigen Zulassungsprozessen sei vor allem die Kooperation mit lokalen Handwerkern eine hohe Hürde. Letztlich dürften die deutschen Zell- und Modulhersteller in Japan vor allem aber an einem scheitern: ihren hohen Verkaufspreisen. Die hohen Logistikkosten brächten die Deutschen in eine schlechtere Ausgangsposition, sagt Analyst Stefan Freudenreich von der Investmentbank equinet.

Für die verbliebenen deutschen Zell- und Modulhersteller scheint die Sonne also eher unterzugehen. Einige sind bereits in die Insolvenz gegangen, darunter auch der ehemalige Weltmarktführer Q-Cells, der mittlerweile vom koreanischen Mischkonzern Hanwha 000880.SE +0,33% Hanwha Corp. S. Korea: KRX KRW30.350 +100 +0,33% 01 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 153.163 KGV N/A Marktkapitalisierung 2.275,17 Milliarden KRW Dividendenrendite 1,32% Umsatz/Mitarbeiter 9.828.190.000 KRW übernommen worden ist. Mit Solon, Solar Millennium, Solarhybrid und Centrotherm Photovoltaics traf es zwischen Dezember und Juli einige einstige Börsenlieblinge.

Selbst der Technologiekonzern Bosch, der mit Zukäufen stark ins Solargeschäft eingestiegen ist, hat sein Engagement in Frage gestellt. Bis Ende des Jahres soll über die Zukunft der Sparte entschieden werden. Siemens SIE.XE +0,25% Siemens AG Germany: Xetra 95,58 +0,24 +0,25% 01 Sept. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,01 Mio. KGV 16,37 Marktkapitalisierung 86,12 Milliarden € Dividendenrendite 3,14% Umsatz/Mitarbeiter 202.135 € hat sich dazu schon entschieden.

Für Zulieferer sieht es nicht so schlecht aus

Anders ist die Ausgangslage für deutsche Solarzulieferer und Installateure auf den künftigen Wachstumsmärkten für die energetische Nutzung der Sonne. Der Rohstofflieferant Wacker Chemie, Projektierer wie Juwi und Phoenix Solar PS4.XE +1,76% Phoenix Solar AG Germany: Xetra 1,73 +0,03 +1,76% 01 Sept. 2014 17:36 Volumen (​15 Min. verzögert) : 19.692 KGV N/A Marktkapitalisierung 12,53 Millionen € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 533.830 € oder der Wechselrichterhersteller SMA Solar haben durchaus Erfolgschancen.

Einer der solaren Zukunftsmärkte neben China ist Japan. Dort gibt es nach deutschem Vorbild jetzt auch eine Einspeisevergütung. Die Japaner wollen nach der Atomkatastrophe von Fukushima keine neuen Atomkraftwerke mehr. Auf dem Foto beobachten Japaner in Yokohama eine Sonnenfinsternis. dapd

In den Sonnenstaaten der USA werden vor allem große Solarparks errichtet, wie hier auf dem Campus des Arizona Western College in Yuma. Die Anlage dort hat eine Erzeugungsleistung von 5 Megawatt. Associated Press

SMA aus Kassel musste zwar jüngst wegen des schwachen Europageschäfts seine Jahresprognose zusammenstreichen, sieht auf dem boomenden US-Markt aber gute Chancen. „In den USA haben wir bei Großanlagen einen Anteil von über 50 Prozent und sind gut aufgestellt, um an dem künftigen Wachstum voll zu partizipieren", sagte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon.

Und auch Wacker Chemie will den Boom in den USA nutzen. Das Chemieunternehmen aus München macht nur einen Teil seines Geschäfts mit der Solarbranche, wenn auch einen sehr wichtigen. Es beliefert Solarunternehmen weltweit mit Polysilizium. Der Rohstoff ist unverzichtbar für die Produktion von Solarwafern, -zellen und -module. Wacker Chemie ist die Nummer zwei unter den Anbietern.

Unter dem Preisdruck der Solarbranche hat auch der Preis von Polysilizium massiv gelitten, doch um die zu erwartende steigende Nachfrage auch künftig befriedigen zu können, baut Wacker Chemie im US-Bundesstaat Tennessee eine zusätzliche Produktion auf.

Als einer der wenigen deutschen Anbieter aus der Solarbranche kommt das Unternehmen sogar auf dem restriktiven chinesischen Wachstumsmarkt voran. „Wacker beliefert alle führenden Hersteller in China mit Polysilizium. Der Markt ist für Wacker sehr wichtig", hieß es jüngst in einer Mitteilung. In der Volksrepublik ist der Rohstoff inzwischen Mangelware.

Wacker Chemie profitiert von starker Marktposition

Chinesische Hersteller können die hohe Nachfrage der einheimischen Zellhersteller nicht befriedigen, da ihnen dafür die notwendigen Produktionskapazitäten fehlen. „Die Chinesen kommen an dem günstigen Polysilizium von Wacker nicht vorbei", erläutert Analyst Drews von Montega. Basis seien die großen deutschen Anlagen in Burghausen und Nünchritz. „Wacker profitiert von Skaleneffekten und kann sein Polysilizium deshalb besonders günstig anbieten", sagt Drews.

Eine solche Position hat die SMA Solar Technology AG nicht. Das im TecDax gelistete Unternehmen produziert Wechselrichter, die in jeder Solaranlage dafür sorgen, dass der mit den Photovoltaikmodulen erzeugte Gleichstrom zu Wechselstrom umgewandelt wird, damit er sich in das Stromnetz einspeisen lässt. Die Geräte sind für geringe Stromverluste bei der Wandlung bekannt und damit besonders effizient.

„Zwar hat SMA einen Effizienzvorsprung, angewiesen sind die Chinesen auf das Unternehmen aber nicht", urteilt Drews. Auch das Unternehmen selbst rechnet sich in der Volksrepublik kaum Chancen aus. „Der einzige Markt, in dem wir nur einen geringen Marktanteil haben, ist China", sagt SMA-Chef Urbon. Dort würden lokale Anbieter bevorzugt. SMA ist bislang neben Europa vor allem in den USA aktiv.

Besser sieht es dagegen in Japan aus. Unterstützt von einer frisch aufgelegten, hoch lukrativen Solarförderung dürfte der japanische Solarmarkt bis 2014 zur Nummer drei in der Welt aufsteigen. SMA habe die Chancen früh erkannt und sich rechtzeitig in Japan positioniert, sagt equinet-Analyst Freudenreich. Deshalb dürfte das Unternehmen aus Kassel dort gute Geschäfte machen. „SMA profitiert von seinem starken Markennamen und von seiner hohen Qualität", glaubt Freudenreich.

Japans Solarmarkt wird nicht einfach zu erobern sein

Davon ist auch SMA überzeugt: „Es gibt keinen Grund, warum wir in Japan nicht einen ähnlichen Marktanteil wie in Deutschland oder den USA erreichen können", sagt der Vorstandschef. Weltweit kontrolliere SMA den Markt für Wechselrichter zu rund einem Drittel. Um eine ähnliche Größenordnung in Japan zu erreichen, brauche man aber einen langen Atem. Der Aufbau von Geschäftskontakten sei in Japan schwierig. Trotzdem will Urbon es zunächst allein und ohne Partner versuchen.

Selbst in Japan ist SMA nicht der einzige deutsche Anbieter der wichtigen Anlagenkomponente. „Die Konkurrenz wird für SMA zunehmen", sagt Analyst Drews und verweist auf den Wettbewerber Kaco aus Neckarsulm, der ähnlich wie SMA einen Großauftrag an Land gezogen zogen hat.

Um sich auf den neuen internationalen Solarmärkten durchzusetzen, brauchen die deutschen Pioniere der Technik vor allem eins: Alleinstellungsmerkmale. Ohne sie wird es für die ehemaligen Champions wohl nahezu unmöglich, sich durchzusetzen. Wacker Chemie hat einen solchen Vorteil. Mit ihrer effizienten Produktion können sie den Photovoltaik-Rohstoff Polysilizium besonders günstig anbieten und auf allen wichtigen Auslandsmärkten gute Geschäfte machen.

Auch der Wechselrichterspezialist SMA kann mit seinen Produkten im Ausland punkten. Dem Anlagenbauer Solarworld fehlt dagegen ein Alleinstellungsmerkmal. Zwar hat sich der Pionier aus Bonn einen starken Markennamen aufgebaut, der vor allem auf den privaten Kunden zielt, den Preis dafür wollen weltweit aber immer weniger Kunden zahlen. Lieber greifen sie zu den unschlagbar günstigen Solarzellen asiatischer Hersteller.

Kontakt zum Autor: hans.bielefeld@dowjones.com