Das Konterfei von VW-Chef Martin Winterkorn spiegelt sich im Logo eines VW-LKWs. Volkswagen ist der große Gewinner auf Europas Automarkt. dapd

Der italienische Tabakverkäufer Giuseppe Surce tat in diesem Frühjahr etwas, was sich die meisten krisengeängstigten Europäer nicht trauen: Er kaufte ein neues Auto.

Weil er beim Sprit sparen wollte, suchte Surce in der Klasse der Kleinstwagen. Er schaute sich unter anderem einen Fiat F.MI -0,20% Fiat S.p.A. Italy: Milan 7,48 -0,02 -0,20% 27 Aug. 2014 10:42 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,50 Mio. KGV 13,23 Marktkapitalisierung 9,26 Milliarden € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 399.788 € 500 an. Letztlich gekauft hat er aber einen Volkswagen. VOW3.XE -0,46% Volkswagen AG Non-Vtg Pfd. Germany: Xetra 174,40 -0,80 -0,46% 27 Aug. 2014 10:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 122.428 KGV 8,60 Marktkapitalisierung 82,69 Milliarden € Dividendenrendite 2,33% Umsatz/Mitarbeiter 344.186 €

Was den Ausschlag gab? Bei einem Zinssatz von sechs Prozent, den Fiat für die Finanzierung des Autokaufs verlangte, konnte sich Surce den 500 schlicht nicht leisten. Volkswagen dagegen bot sein Modell "Up" mit besserer Ausstattung wie einem GPS-Navigationsgerät zu einem ähnlichem Preis an und lockte obendrein mit Null-Prozent-Finanzierung.

"Ich habe die Finanzierung gesehen und habe dann den Up genommen", sagt Surce, der nahe Florenz lebt. "Der Fiat 500 kostet mehr und ist weniger wert."

Während die Autoverkäufe bei europäischen Massenherstellern wie Fiat, Opel oder PSA Peugeot Citroën einbrechen, nutzt der VW-Konzern die Schuldenkrise auf dem Kontinent, um seinen Marktanteil deutlich auszubauen. Seine überraschende Waffe: billige Autokredite, die in bedeutenden Teilen eine Folge der wirtschaftlichen Teilung zwischen dem finanziell robusten Deutschland und seinen taumelnden Nachbarn in Südeuropa sind.

Aggressive Finanzierungsangebote aus Wolfsburg

Mit aggressiven Finanzierungsangeboten hat es VW geschafft, seinen Anteil am Automarkt in Westeuropa seit Ausbruch der Schuldenkrise vor drei Jahren von 20 Prozent auf ein Viertel zu steigern – ein deutliches Zeichen dafür, wie die Krise die Unternehmenslandschaft auf dem Kontinent verändert. Volkswagens Refinanzierungskosten am Anleihemarkt liegen gerade einmal bei einem Drittel dessen, was Wettbewerber wie Fiat oder Renault zuletzt bei Anleihemissionen zahlen mussten.

Der gewaltige Unterschied ist ein Beweis dafür, dass sich das europäische Finanzsystem immer noch an den nationalen Grenzen orientiert – das Gegenteil sollte mit dem Euro eigentlich erreicht werden. Den südeuropäischen Staaten macht es das noch schwerer, wieder Halt zu finden und ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Norden zu stärken.

Volkswagen verdankt seine gute Position zum Teil seinem hohen Barbeständen von 9,2 Milliarden Euro und den starken Absätzen in Auslandsmärkten wie China. Der wichtigste Vorteil der Wolfsburger ist aber ihr Heimatstandort Deutschland. Der wirtschaftliche Erfolg des Landes strahlt auf seine Firmen ab. Die Kreditkosten für die größten deutschen Unternehmen orientieren sich daran, was die Bundesrepublik für Staatsanleihen zahlt. Und deren Zinsen sind am Boden, weil sicherheitsorientierte Anleger hier in Scharen Zuflucht suchen.

VW als "sicherer Hafen" in der Krise

"Volkswagen ist ein sicherer Hafen geworden", sagt deshalb VW-Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch."

Und es ist nicht nur VW. Die Münchener Siemens AG SIE.XE -0,77% Siemens AG Germany: Xetra 96,09 -0,75 -0,77% 27 Aug. 2014 10:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 261.720 KGV 16,45 Marktkapitalisierung 86,83 Milliarden € Dividendenrendite 3,12% Umsatz/Mitarbeiter 202.077 € refinanzierte sich im August am Anleihemarkt so günstig wie nie zuvor. Die Rendite, die Siemens bieten musste, lag sogar unter dem, was gleichzeitig für französische Staatsanleihen mit „AAA"-Rating am Markt bezahlt wurde.

Im Durchschnitt mussten deutsche Unternehmen wie BASF, BAS.XE -0,19% BASF SE Germany: Xetra 79,35 -0,15 -0,19% 27 Aug. 2014 10:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 311.978 KGV 14,56 Marktkapitalisierung 72,27 Milliarden € Dividendenrendite 3,40% Umsatz/Mitarbeiter 658.156 € Linde LIN.XE -0,20% Linde AG Germany: Xetra 151,40 -0,30 -0,20% 27 Aug. 2014 10:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 42.955 KGV 21,94 Marktkapitalisierung 28,05 Milliarden € Dividendenrendite 1,98% Umsatz/Mitarbeiter 262.416 € oder die VW-Nutzfahrzeugtochter MAN MAN.XE -0,21% MAN SE Germany: Xetra 89,96 -0,19 -0,21% 27 Aug. 2014 10:43 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5.310 KGV N/A Marktkapitalisierung 13,25 Milliarden € Dividendenrendite 3,26% Umsatz/Mitarbeiter 277.037 € zuletzt am Anleihemarkt einen Aufschlag von 1,9 Prozentpunkten auf einen Referenzzinssatz zahlen, der sich an den EZB-Leitzinsen orientiert, zeigen Daten von Dealogic. Bei italienischen Firmen betrug die Prämie 4,2 Prozentpunkte, bei spanischen 4,65.

Das VW-Imperium

Eine Studie der EZB kam vor zwei Wochen zu dem Schluss, dass die wiederkehrende Bereitschaft der Banken, Anleihen von Krisenstaaten zu kaufen, bisher nichts an der Fragmentierung des europäischen Finanzsystems geändert hat. Demnach müssen spanische und italienische Unternehmen nach wie vor viel höhere Zinsen für Kredite zahlen als ihre Wettbewerber aus Deutschland.

In kaum einen Sektor jedoch ist der Unterschied so gravierend wie unter den Autoherstellern, die sich einerseits Geld leihen, um ihre Investitionen zu finanzieren (und um alte Schulden zu ersetzen), andererseits aber auch Geld brauchen, um es an die Kunden in Form von Autokrediten oder Leasingverträgen weiterzuverleihen.

Peugeot am Ende seiner Leistungskraft

Europas zweigrößter Autobauer Peugeot ist bei den Refinanzierungskosten an der Belastungsgrenze angekommen. Weil die Verkäufe auf seinen Hauptabsatzmärkten in Frankreich, Spanien und Italien einbrechen, musste das Unternehmen eine Reihe von Rating-Senkungen hinnehmen. Die Ratingagentur Moody's beurteilt Peugeot nach der jüngsten Herabstufung im Oktober mittlerweile sechs Noten schlechter als VW und drohte bereits damit, die Franzosen auf "Ramsch"-Niveau zu senken.

Frankreichs Regierung ist darauf der Finanzsparte von Peugeot – Banque PSA Finance – mit Garantien für die zukünftige Finanzierung über sieben Milliarden Euro beigesprungen, damit die Refinanzierungskosten des Autobauers selbst nicht noch weiter steigen und der Konzern seinen Kunden weiter Autofinanzierungen anbieten kann. Ohne Bedingungen gab es die Garantie allerdings nicht. „Die Regierung hat nicht die Absicht, irgendwelche Geschenke zu verteilen, die an keine Verpflichtungen geknüpft sind", sagte Premierminister Jean-Marc Ayrault. Konkret erwartet er, dass Peugeot seine Pläne für Stellenstreichungen beschneidet.

Auch Volkswagen, dessen Marken von Audi über Skoda bis Porsche PAH3.XE -0,60% Porsche Automobil Holding SE Germany: Xetra 70,90 -0,43 -0,60% 27 Aug. 2014 10:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 34.807 KGV 9,02 Marktkapitalisierung 21,70 Milliarden € Dividendenrendite 2,83% Umsatz/Mitarbeiter N/A reichen, ist nicht immun gegen den Abschwung in Europa. Zwar hielten sich die Verkäufe von VW-Modellen in Deutschland bis Ende Oktober auf Vorjahresniveau, im restlichen Europa sank der Absatz allerdings um sechs Prozent, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dennoch: Mit Hilfe billiger Autokredite lockt VW Legionen von Käufern von den Konkurrenten weg, die in diesem Jahr in Europa fast durch die Bank Absatzverluste im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen mussten.

Eine Stichprobe bei Kleinwagen-Händlern in Paris zeigte die Unterschiede kürzlich sehr deutlich: Volkswagen bot seinen Up und den etwas größeren Polo mit einer Finanzierung von 1,9 Prozent Zinsen an. Renault, Ford F -0,23% Ford Motor Co. U.S.: NYSE $17,19 -0,04 -0,23% 26 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 11,67 Mio. NACHBÖRSLICH $17,19 0,00 % 26 Aug. 2014 19:51 Volumen (​15 Min. verzögert) : 492.402 KGV 10,29 Marktkapitalisierung 66,83 Milliarden $ Dividendenrendite 2,91% Umsatz/Mitarbeiter 808.282 $ und Fiat bewegten sich bei ihren Autokrediten für Autos der gleichen Klasse zwischen 5,9 und 6,7 Prozent und Peugeot verlangte gar 11,6 Prozent Zinsen.

"Ob unsere Finanzdienstleistungen ein Vorteil für uns sind? Ja. Und es ist ein Vorteil, den wir nutzen", sagt VW-Vertriebschef Christian Klingler unumwunden. Autohersteller, die mit hohen Refinanzierungskosten kämpften, hätten es „sehr schwer, attraktive Finanzierungen anzubieten".

Rückblende: VW am Boden

Vor einem Jahrzehnt gehörte VW noch zu angeschlagensten Autokonzernen in Europa. Das Unternehmen war damals bekannt für seine ineffizienten Produktionslinien, die VW-Modelle teuer machten und es italienischen und französischen Wettbewerbern erlaubten, die Wolfsburger auf ihren Heimatmärkten auf Abstand zu halten.

2004 hatte das Unternehmen überdies mit argen Problemen in den USA zu kämpfen. Die Verkaufszahlen waren schlecht und der starke Kurs des Euro im Vergleich zum Dollar fraß die Gewinne in Nordamerika auf. Für VW sei der Marktanteil in Europa dadurch umso wichtiger geworden, sagt ein ehemaliger Top-Manager des Konzerns. Das Unternehmen habe gewusst, dass man seine Autos nicht länger teurer verkaufen könne als die der Konkurrenz, fügt er hinzu.

Also machte sich Volkswagen daran, die Kosten zu senken. Zum Teil gelang das, indem man der Gewerkschaft eine Vereinbarung abrang, die Löhnen einzufrieren. Außerdem wurde die Arbeitszeit von 28 Stunden – dem damals branchenweit niedrigsten Wert – auf 35 Stunden die Woche angehoben.

2008 setzten sich Volkswagens mächtiger Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn ein kühnes Ziel: Sie wollten Toyota 7203.TO -0,18% Toyota Motor Corp. Japan: Tokyo ¥5.979 -11 -0,18% 27 Aug. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 4,79 Mio. KGV 10,25 Marktkapitalisierung 20.456,72 Milliarden ¥ Dividendenrendite 2,17% Umsatz/Mitarbeiter 76.225.700 ¥ vom Thron als weltgrößter Autohersteller stoßen und binnen eines Jahrzehnts auf einen Jahresabsatz von 10 Millionen Autos kommen. Ein größerer Marktanteil in Europa, wo VW 42 Prozent seiner Autos verkauft, wurde vor diesem Hintergrund zu einem der zentralen Gebote.

Volkswagen weltweit

Hinter den Kulissen – und ganz selten auch öffentlich – werfen europäische Autohersteller Volkswagen vor, einen Preiskrieg zu befeuern, der die meisten von ihnen in rote Zahlen gestürzt habe. Fiat-Chef Sergio Marchionne klagte im Juli, Volkswagen richte mit seinen Preisen bei den Margen ein „Blutbad" an. VW forderte daraufhin, dass Marchionne als Chef des europäischen Autoverbandes Volkswagen Acea zurücktreten solle.

"Wir geben Rabatte, keine Frage", sagte VW-Chef Winterkorn. „Aber wir sind nicht die Schlimmsten. Sonst würden Sie das in unseren Margen sehen."

Im Durchschnitt haben Volkswagen-Händler in den vergangenen Monaten Rabatte von zehn Prozent auf den Listenpreis in Großbritannien, 12 Prozent in Frankreich und 18 Prozent in Deutschland gewährt, zeigen Daten, die Barclays BARC.LN +0,43% Barclays PLC U.K.: London GBp226,22 +0,97 +0,43% 27 Aug. 2014 09:43 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5,71 Mio. KGV 32,79 Marktkapitalisierung 36,59 Milliarden GBp Dividendenrendite 1,77% Umsatz/Mitarbeiter 212.636 GBp bei größeren Online-Autohändlern gesammelt hat. Bei Opel sind Rabatte von 25 Prozent und mehr nicht unüblich, Peugeot bietet im Durchschnitt einen Nachlass von 19 Prozent.

Hohe Rabatte führen zu Teufelskreis

Allerdings haben die Hersteller zwei Hebel, um den tatsächlichen Preis ihrer Autos zu manipulieren. Immense Rabatte verteilen die Unternehmen nur ungern, da dies in einen Teufelskreis führen kann: Niedrigere Preise bedeuten niedrigere Wiederverkaufswerte, was das Image einer Automarke beflecken kann. Das wiederum macht es schwer, in der Zukunft wieder höhere Preise von den Kunden zu verlangen.

An dieser Stelle kommen Volkswagens niedrige Refinanzierungskosten ins Spiel. Indem der Konzern Autokäufern eine günstige Finanzierung ermöglicht, hat er weniger Druck, Rabatte auf den Verkaufspreis zu geben. Damit bleiben die Margen ebenso intakt wie die Wiederverkaufswerte.

Niedrige Zinssätze können zudem als Anreiz genutzt werden, um Käufern eine bessere Ausstattung schmackhaft zu machen. So wie beim italienischen Tabakverkäufer Surce. Die Nullzins-Finanzierung galt hier nicht für die Basisversion des VW Up.

Die Verkaufsschlager von VW in Brasilien:

Volswagen do Brasil

Je günstiger VW selbst an Geld kommt, desto größer ist der Vorteil. Im Mai lieh sich das Unternehmen am Anleihemarkt für fünf Jahre Geld, mit einem Zinskupon von gerade einmal 1,875 Prozent. Für einen ähnlichen Bond hatte Peugeot im April 5,626 Prozent bieten müssen, Fiat verkaufte zwei Monate später eine vierjährige Anleihe gar mit einem Zinsschein von 7,75 Prozent.

Kontengeschäft der VW Bank als Wettbewerbsvorteil

Und Volkswagen hat noch eine weitere Quelle günstiges Geld: das boomende Privatkunden-Geschäft seiner firmeneigenen Finanzsparte. Inmitten der Finanzkrise im Jahr 2008 verstärkte die Volkswagen Bank ihr Werben um die nervösen deutschen Sparer. Seither haben sich die Einlagen auf 24,3 Milliarden Euro nahezu verdoppelt – das entspricht fast einem Drittel der gesamten Mittel der VW-Finanzsparte.

Zu Gute kommt dem Konzern auch hier die starke Position Deutschlands in Europa. Da das deutsche Finanzsystem vergleichsweise stabil ist, müssen hiesige Banken Sparern deutlich geringere Zinsen zahlen, um sie bei der Stange zu halten, als die Institute im Süden Europas. Die VW-Bank zahlt in der Spitze 1,6 Prozent Zinsen auf Sparkonten – im Durchschnitt aber weniger.

Die französischen Autohersteller hinken VW auch auf diesem Feld hinterher: Renaults hauseigene Bank ist erst in diesem Jahr in das Geschäft mit Sparkonten eingestiegen, Peugeot plant dies für Anfang 2013.

Europas größte Unternehmen

Auch die amerikanischen Autobauer wollen ihre Finanzierungsmöglichkeiten in Europa verbessern. General Motors GM +0,52% General Motors Co. U.S.: NYSE $34,85 +0,18 +0,52% 26 Aug. 2014 16:02 Volumen (​15 Min. verzögert) : 7,31 Mio. NACHBÖRSLICH $34,79 -0,06 -0,17% 26 Aug. 2014 19:53 Volumen (​15 Min. verzögert) : 222.256 KGV 13,42 Marktkapitalisierung 55,63 Milliarden $ Dividendenrendite 3,44% Umsatz/Mitarbeiter 714.726 $ könnte noch diese Woche verkünden, dass es die Kontrolle über das Europa- und Südamerikageschäft seiner einstigen Finanzsparte Ally Financial zurück in den Konzern holt. GM hatte die Mehrheit an Ally – das damals noch unter GMAC firmierte – im Jahr 2006 abgegeben. Die meisten Autokredite, die der Konzern in Europa vergibt, laufen aber nach wie vor über Ally Financial.

Ford setzt bei Autokrediten in Europa auf die firmeneigene FCE Bank. Deren Kreditrating ist an das der Konzernmutter gekoppelt. Seit 2008, als Ford in ernsthafte Schwierigkeiten geriet, hat sich das Rating wieder verbessert.

Volkswagen macht keine Angaben dazu, welcher Anteil seiner eigenen günstigen Finanzierung in billige Kredite für Autokäufer reinvestiert wird. Ein Blick auf die Finanzen legt aber nahe, dass es diese komplett ausschöpft und sogar noch etwas drauflegt.

Niedrige Rendite der Finanzsparte spricht Bände

Dank der niedrigen Finanzierungskosten müsste der Finanzarm von VW theoretisch eine der besten Eigenkapitalrenditen der gesamten Branche aufweisen. Stattdessen war diese mit 8,5 Prozent des Nettogewinns im vergangenen Jahr und neun Prozent im Jahr 2010 eine der schwächsten.

Anders ausgedrückt: Volkswagen verzichtet bewusst auf ein höheres Finanzergebnis, um günstige Autokredite anbieten zu können. Stuart Pearson, Analyst bei Morgan Stanley, MS +0,58% Morgan Stanley U.S.: NYSE $34,40 +0,20 +0,58% 26 Aug. 2014 16:01 Volumen (​15 Min. verzögert) : 8,33 Mio. NACHBÖRSLICH $34,40 0,00 % 26 Aug. 2014 19:02 Volumen (​15 Min. verzögert) : 130.758 KGV 15,85 Marktkapitalisierung 67,15 Milliarden $ Dividendenrendite 1,16% Umsatz/Mitarbeiter 781.374 $ schätzt, dass VW dank dieser Strategie den Durchschnittspreis seiner Autos, die über Finanzierung gekauft werden, um 1.500 Euro mehr senkt als die Rivalen aus Frankreich und Italien.

Für Autokäufer, die gewohnt sind, auf VW-Modelle einen Aufschlag für das Prädikat „Made in Germany" und den guten Namen zu zahlen, ändert das die Kalkulation grundlegend.

Philippe Montel, ein 56-jähriger Franzose aus Paris, begann im Mai, nach einem Kleinwagen zu schauen. Ein Peugeot 107, der 11.300 Euro kosten sollte, war auf dem Papier fast 1.000 Euro günstiger als ein VW Up. Zu seiner Überraschung stellte Montel jedoch fest, dass er mit einem Kredit über 8.000 Euro, den sein Volkswagen-Händler anbot, unter dem Strich einige hundert Euro günstiger wegkommen würde, als wenn er das Finanzierungsangebot von Peugeot annehmen würde.

"Vor allem für Leute, die nicht viel Geld haben und auf Kredit kaufen, ist das ein wichtiger Unterschied", sagt Montel. Er entschied sich schließlich gegen den Kredit. Ein Freund, dem er von seinen Erfahrungen berichtete, stornierte allerdings seine Bestellung bei Peugeot und kaufte stattdessen einen VW.

In Großbritannien bot Volkswagen den Polo jüngst in einer Werbeaktion inklusive einer kostenlosen Autoversicherung und einem Rabatt von 1.000 Pfund (knapp 1.247 Euro) auf die Anzahlung an, wenn die Kunden den Wagen auf Kredit kaufen. Käufer eines VW Golf erhielten 1.500 Pfund Rabatt.

Um mithalten zu können, mussten andere Autobauer, die sich derart günstige Kredite, Leasingraten oder andere Finanzierungs-Dienstleistungen nicht leisten können, ihre Preise senken, was sie noch tiefer in die roten Zahlen stürzte. Der Peugeot-Konzern, der im ersten Halbjahr 819 Millionen Euro Verlust machte und jeden Monat 200 Millionen Euro verbrennt, musste neben seiner Logistiksparte auch die 48 Jahre alte Firmenzentrale nahe dem Arc de Triomphe in Paris verkaufen, um den Aderlass zu bremsen. Der italienische Fiat-Konzern hat die Investitionen in neue Modelle in diesem Jahr gestoppt, ehe er vor zwei Wochen den Plan präsentierte, in seinen nicht ausgelasteten Werken in Italien höherwertige Autos zu bauen.

Versicherungen sollen Finanzangebot erweitern

VW verkauft in Europa inzwischen mehr als ein Drittel seiner Autos mit irgendeiner Form von Finanzierung. Vor drei Jahren lag dieser Wert lediglich bei 20 Prozent. Bei Händlern außerhalb von London betrage der Anteil sogar zwei Drittel, berichtet Colin Birchall, ein Verkaufsleiter in Großbritannien. Etwa die Hälfte seiner Kunden hätten zuletzt von anderen Marken auf einen VW umgesattelt, fügt er hinzu.

Volkswagen arbeitet derweil weiter an seinem Finanzdienstleistungsgeschäft. Kürzlich kündigte der Konzern den Start eines gemeinsamen Autoversicherungsprojekts mit Deutschlands größtem Versicherer Allianz an.

Das könnte den Erfolg im Verkauf weiter anheizen. Dieser zeigt sich übrigens nicht nur bei Privatkunden. Auch im Flottengeschäft, das in einigen europäischen Ländern für 50 bis 60 Prozent der gesamten Absätze steht, kommt VW seine privilegierte Position bei Finanzierung zu Gute: "Vor zwei oder drei Jahren hatten sie keine Chance, uns auch nur ein einziges Auto zu verkaufen", sagt Pedro Barros, Flottenmanager eines Straßenausbesserers im portugiesischen Porto.

„Ich weiß nicht, ob es an der Krise liegt, aber jetzt bieten sie größere Rabatte." Sein Unternehmen habe einige Polos für rund zehn Prozent weniger leasen können als Renault Clios, berichtet Barros, der dankend annahm: „Wir hatten zahlreiche Clios, aber die ersetzen wir jetzt durch Polos."

--Mitarbeit: Stacy Meichtry und Dmitry Petrounin