Löschboote versuchen im April 2010, das Feuer auf der Ölplattform Deepwater Horizon vor der US-Küste zu löschen. BP wird dieser Unfall zig Milliarden Dollar kosten. Reuters

Der britische Ölkonzern BP muss als Mitverursacher der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine Rekordstrafe zahlen. Mit den US-Behörden hat sich das Unternehmen auf die Summe von insgesamt 4,5 Milliarden US-Dollar geeinigt - die mit Abstand höchste Strafe, die je in den USA verhängt wurde. Damit ist der strafrechtliche Teil der Aufarbeitung der Ölpest für den Konzern weitestgehend abgeschlossen. Ausgestanden sind die Folgen der Katastrophe für BP aber noch nicht.

Größte Ölpest in der Geschichte der USA

Bei der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon im April 2010 waren elf Arbeiter getötet worden, das ausfließende Öl - insgesamt 4,9 Milliarden Barrel Rohöl - verursachte die größte Ölpest in der Geschichte der USA. Sie bescherte der Fischerei und dem Tourismus in der Region Milliardenausfälle. Drei Monate dauerte es, bis das Leck in der explodierten Ölplattform gestopft war.

Eine in New Orleans angesiedelte Arbeitsgruppe der US-Regierung hat den Unfall in den vergangenen 29 Monaten untersucht. Die Ermittlungsbehörden haben Tausende von Dokumenten überprüft und Dutzende Befragungen durchgeführt.

BP hat sich in mehreren Punkten für schuldig bekannt. So gestand BP Fehlverhalten und Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit den Todesfällen ein. Außerdem bekannte sich das Unternehmen dazu, den US-Kongress über die Menge des austretenden Öls falsch informiert zu haben. Ferner gestand BP die Verletzung von Umwelt- und Tierschutzgesetzen ein.

Zusätzlich wurden drei frühere Angestellte von BP am Donnerstag vor Gericht angeklagt, das Unglück mitverantwortet zu haben. Zwei von ihnen wird vorgeworfen, kritische Sicherheitstest nicht anständig ausgeführt zu haben. Ihnen drohen Gefängnisstrafen von bis zu 10 Jahren.

„Wir entschuldigen uns für unsere Rolle bei dem Unfall", sagte BP-Chef Bob Dudley. „Aber wie unsere Einigung mit der US-Regierung zeigt, haben wir die Verantwortung für unsere Handlungen übernommen."

Noch laufen zahlreiche Zivilklagen gegen den Ölriesen

Abgeschlossen ist die Ölkatastrophe damit für BP aber noch längst nicht, da noch zahlreiche Zivilklagen anhängig sind. Nach Angaben des vorsitzenden Generalstaatsanwalts Tony West werde die Regierung diese nun weiterverfolgen und insbsondere Vorwürfe prüfen, nach denen das Unternehmen „grob fahrlässig" gehandelt habe, als es zuließ, dass fast fünf Millionen Barrel Erdöl aus dem Unterwasserleck ins Meer flossen.

Sollte sich dieser Vorwurf erhärten, könnte BP weitere 20 Milliarden Dollar Strafe zahlen müssen - vier Mal mehr, als wenn es statt wegen grober Fahrlässigkeit nur wegen Fahrlässigkeit verurteilt würde. Die Endsumme dürfte sich nach Verhandlungen aber auf um 10 Milliarden Dollar reduzieren, vermutet Tom Claps, Analyst bei der Susquehanna Financial Group. Eine außergerichtliche Einigung im Zivilverfahren blieb bislang erfolglos. Im Februar geht der zivilrechtliche Fall in New Orleans vor Gericht.

Grobe Fahrlässigkeit beinhaltet eine „bewusste und willentliche Missachtung", aber BP - nach wie vor der größte Ölproduzent im Golf von Mexiko - sieht diesen Tatbestand für nicht gegeben. Der Konzern kündigte an, sich gegen solche Vorwürfe im Zivilverfahren „energisch" zu wehren.

Ein großer Teil der bereits verhängten Geldstrafe fließt nun an die staatliche amerikanische Naturschutzorganisation National Fish and Wildlife Foundation. Sie erhält über die kommenden fünf Jahre allein knapp 2,4 Milliarden Dollar von BP. Weitere 525 Millionen Dollar zahlt BP, um die Anklage der Börsenaufsicht SEC beizulegen. Sie hatte dem Konzern vorgeworfen, mit seinen Falschaussagen über die ausgetretene Ölmenge die Investoren in die Irre geführt zu haben.

Nach der Ölkatastrophe waren Arbeiter lange damit beschäftigt, die amerikanische Küste von Ölklumpen zu säubern. Hier ein Bild vom Strand in Waveland, im US-Bundesstaat Mississippi vom Juli 2010. Reuters

Für die nächsten vier Jahre werden die Bohraktivitäten von BP vor der US-Golfküste zudem von zwei unabhängigen Aufsehern beaufsichtigt. Ein Richter muss der Gesamtvereinbarung noch zustimmen, damit sie in Kraft treten kann.

„Es ist gut, dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird", sagte Stephen Stone, der an jenem verhängnisvollen Tag auf der explodierten Bohrplattform gearbeitet hatte und in der Folge einen Teil seines Gehörs verloren hat. Er hoffe, BP werde „nicht nur die Leute aus dem mittleren Management zu Fall bringen und dann an der Sicherheitskultur im Konzern doch nichts ändern", sagte er.

Millionen-Rückstellungen gebildet

Die Strafzahlungen werden sich in der Bilanz zum vierten Quartal bei BP deutlich bemerkbar machen. Der Konzern erhöht die Rückstellungen für die Deepwater-Horizon-Katastrophe um 3,85 Milliarden Dollar. Bis Ende September 2012 hatte BP schon 38,1 Milliarden Dollar zurückgestellt.

Bislang haben die Briten rund 14 Milliarden Dollar für die Aufräumarbeiten gezahlt und mehr als 9 Milliarden Dollar an Unternehmen und Einzelpersonen, die von der Ölpest betroffen waren. Mindestens weitere 7,8 Milliarden werden für eine kürzlich erzielte Einigung mit tausenden weiteren Unternehmen und Personen fällig.

Nach dem Unglück hatten die zuständigen Behörden ihre Vorschriften zur Vergabe von Bohrlizenzen verschärft. Die Behörde selbst wurde umstrukturiert. Umweltexperten untersuchen immer noch, welche langfristigen Schäden die Ölpest hinterlassen hat.

Die Ölindustrie selbst aber hat sich seit dem Unglück wieder rasch erholt. Nach jüngstem Stand gibt es heute wieder 47 Ölbohrplattformen im Golf von Mexiko - 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr und fast so viele wie vor der Katastrophe.

—Mitarbeit: Angel Gonzalez, Keith Johnson, Russell Gold und Daniel Gilbert

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