Microsoft MSFT -0,16% Microsoft Corp. U.S.: Nasdaq $44,94 -0,07 -0,16% 27 Aug. 2014 11:03 Volumen (​15 Min. verzögert) : 4,04 Mio. KGV 16,89 Marktkapitalisierung 370,83 Milliarden $ Dividendenrendite 2,49% Umsatz/Mitarbeiter 677.570 $ pokert hoch. Der US-Softwareriese beteiligt sich mit einem zwei Milliarden Dollar schweren Kredit an der Übernahme von Dell durch ein Konsortium um den Firmengründer Michael Dell. Der Software-Anbieter setzt mit seinem Engagement beim weltweit drittgrößten Computerbauer darauf, einen seiner größten Kunden unterstützen zu können, ohne gleichzeitig alle anderen zu verärgern.

Microsoft beteiligt sich an der Übernahme von Dell - und riskiert damit einen Streit mit anderen Computerbauern. dapd

Mit dem Schritt wolle Microsoft das Netz an Unternehmen aufrechterhalten, die der Firma beim Verkauf ihrer Software und Dienste helfen, heißt es in einer Stellungnahme. Eine Pioniertat ist das nicht, denn Microsoft hat zuvor schon Milliarden in Nokia NOK1V.HE -1,51% Nokia Corp. Finland: Helsinki 6,19 -0,10 -1,51% 27 Aug. 2014 17:46 Volumen (​15 Min. verzögert) : 11,44 Mio. KGV 10,48 Marktkapitalisierung 23,52 Milliarden € Dividendenrendite 4,20% Umsatz/Mitarbeiter 266.889 € gesteckt, um die eigene Software auf den Smartphones des finnischen Anbieters zu platzieren. Außerdem greift das Unternehmen der Internetfirma Yahoo beim Ausbau ihrer Suchmaschine Bing unter die Arme.

Finanziell gesehen geht der Softwaregigant mit dem Milliardenkredit an Dell lediglich eine kleine Wette ein. Schließlich verfügte Microsoft zum Ende des vergangenen Jahres über liquide Mittel und kurzfristige Wertpapiere über 68,3 Milliarden Dollar. Außerdem erwirtschaftet Microsoft jeden Monat Cash über rund zwei Milliarden Dollar.

Das eigentliche Wagnis ist anders gelagert: Als Gläubiger von Dell könnte Microsoft in Gefahr geraten, dass sich die Geschäftsbeziehungen zu seinen anderen Hardware-Alliierten verschlechtern. Doch auch in diese Richtung wagt sich der Windows-Macher immer weiter vor. Nachdem Microsoft den Anschluss an die schnell wachsenden Märkte rund um Tablets und Smartphones verpasst hatte, nimmt das Unternehmen immer bereitwilliger das Risiko in Kauf, Verbündete zu verprellen, um die eigenen Geschäftsziele zu erreichen.

Als Microsoft im vergangenen Jahr damit begann, seinen ersten unternehmenseigenen Computer namens Surface zu verkaufen, reagierten einige PC-Hersteller verschnupft. Und jetzt wird Microsoft sich wieder anschicken müssen, die Bedenken anderer Computerbauer wie Hewlett-Packard HPQ -0,24% Hewlett-Packard Co. U.S.: NYSE $37,74 -0,09 -0,24% 27 Aug. 2014 11:03 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,66 Mio. KGV 14,01 Marktkapitalisierung 70,79 Milliarden $ Dividendenrendite 1,70% Umsatz/Mitarbeiter 353.808 $ (HP), Lenovo und Acer zu zerstreuen, dass das Unternehmen Dell den Vorzug vor ihnen geben könnte.

Seitdem der Surface auf den Markt gekommen ist, sind HP und Lenovo dazu übergegangen, Laptops zu bauen, auf denen die Software von Google GOOG -0,35% Google Inc. Cl C U.S.: Nasdaq $575,82 -2,04 -0,35% 27 Aug. 2014 11:03 Volumen (​15 Min. verzögert) : 345.989 KGV N/A Marktkapitalisierung 394,33 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 1.321.030 $ läuft. Nach Ansicht einiger Analysten könnte der Dell-Deal den PC-Herstellern dahingehend in die Hände spielen, dass sie nun hinsichtlich der Lizenzierung bessere Konditionen mit Microsoft aushandeln können. "Microsoft hat den Rubikon überschritten, als der Surface ausgeliefert wurde. Die Beziehungen zu den PC-Produzenten werden nie mehr so sein wie vorher", meint Brad Silverberg, ein Wagniskapitalgeber und ehemaliger Microsoft-Manager.

Aufstieg und Fall von Dell:

Das Unternehmen sei "dem langfristigen Erfolg des gesamten PC-Ökosystems verpflichtet", beteuerte Microsoft am Dienstag. Außerdem werde man "weiterhin nach Chancen Ausschau halten, um Partner zu unterstützen, die sich dafür einsetzen, das Geschäft auf der Microsoft-Plattform innovativ zu gestalten und voranzubringen". Ein Konzernsprecher lehnte eine weitere Stellungnahme ab.

Microsoft fühle sich der gesamten PC-Branche verpflichtet und habe sich der Hilfe für Dell verschrieben, sagte Brian Gladden, der Finanzvorstand von Dell, in einem Interview. Der Computerbauer hatte in einer offiziellen Erklärung bestätigt, dem PC-Geschäft verbunden zu bleiben. Es sei "für unsere Finanz- und Cash-Flow-Modelle von Ausschlag gebender Bedeutung", hieß es.

In das Management oder die Aufsicht von Dell wird Microsoft nicht direkt eingreifen. Die Investition von Microsoft, die laut Insidern mit hochverzinslichen Schuldtiteln vergleichbar ist, geht weder mit einem Sitz im Verwaltungsrat noch mit einer Kapitalbeteiligung oder einer formellen strategischen Mitwirkung einher.

Konkurrenten hielten sich mit Kommentaren zurück

Die Konkurrenten im PC-Geschäft hielten sich zunächst mit Kommentaren zu der Rolle von Microsoft in der Dell-Übernahme zurück. Allerdings lautete der Tenor, dass die Transaktion ihrem Geschäft wohl helfen werde. "Vor Dell liegt eine sehr harte Strecke", verlautete es vom Rivalen HP. "Die Kunden von Dell werden jetzt bereitwillig Alternativen auskundschaften." Bei Lenovo hieß es: "Wir konzentrieren uns lieber auf unsere Produkte und Kunden und die Gesamtumsetzung, als uns in Finanzmanöver und einen großen Strategiewandel zu stürzen, der nur ablenkt."

Dell-CEO Michael Dell war im vergangenen August mit der Idee einer Übernahme an den Board des Unternehmens herangetreten. Bei Microsoft beschäftigte man sich im Dezember oder etwas früher mit dem Gedanken, bei dem Geschäft mitzumischen. In die Verhandlungen ist die Firma aber erst im vergangenen Monat auf Wunsch des Konsorten Silver Lake Partners eingetreten.

Weder die auf Hochtechnologie-Firmen spezialisierte Investmentgesellschaft Silver Lake noch Dell waren auf das Geld von Microsoft angewiesen, um das Geschäft über 24,4 Milliarden Dollar über die Bühne zu bringen, berichtet eine mit der Transaktion vertraute Person. Doch nach den Verstimmungen um Surface habe Silver Lake sicherstellen wollen, dass zwischen Microsoft und Dell eine starke Verbindung besteht.

Man habe vor der Wahl gestanden, entweder mittels hochverzinslicher Schuldtitel noch einmal zwei Milliarden Dollar aufzunehmen. Oder Microsoft als "passiven Anleihe-Investor" zu gewinnen, der sich der Zukunft von Dell "emotional und finanziell verpflichtet fühle", sagt ein Insider.

Die Dell-Investition sei ein kluger Schachzug, um einen wichtigen Partner bei der Stange zu halten, der ein ganz eigenes Interesse am Windows-Betriebssystem von Microsoft habe, sagen einige Microsoft-Analysten. Auf Dell entfällt rund einer von zehn neuen Computern, die mit Windows ausgestattet sind. Und Dell mischt zudem kräftig bei Computerausrüstungen für Unternehmen wie etwa Servern mit, für die Microsoft ebenfalls Software verkauft. "Das Windows-PC-Geschäftsmodell ist immer nur so stark wie seine Hardware-Partner", meint Patrick Moorhead, Präsident der Forschungsgruppe Moor Insights & Strategy.

Unternehmensgründer Michael Dell und Microsoft-CEO Steve Ballmer unterhalten nicht nur geschäftlich langjährige Verbindungen, sie kommen auch privat gut miteinander aus. Wenn andere PC-Hersteller Microsoft öffentlich kritisierten, hielt sich das im texanischen Round Rock ansässige Unternehmen vornehm zurück. Als Microsoft wegen seiner Strategie oder dem Verkaufstempo der neuen Betriebssoftware Windows 8, mit der Microsoft sich und seinen PC-Verbündeten den Tablet-Markt erschließen will, unter den Beschuss der Computerbauer geriet, war von Dell kein Wort der Klage zu vernehmen.

Es muss kein Bund fürs Leben zwischen Microsoft und Dell werden

Um einen Bund fürs Leben muss es sich dabei trotzdem nicht handeln. Wenn die Aktionäre der Übernahme von Dell zustimmen, muss das Unternehmen der Software von Microsoft deshalb nicht notwendigerweise untrennbar verbunden bleiben, sagt ein mit dem Dell-Deal Vertrauter. Einige Analysten rechnen damit, dass Dell sich neben Windows auf den Bau von Computern, Tablets, Smartphones oder zusätzlichen Back-End-Servern verlegen könnte, die mit der Software der Konkurrenz, also etwa Chrome oder Android von Google, betrieben werden. Eine Google-Sprecherin wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Tröstlich für Microsoft ist allerdings, dass sich eine frühere Investition der Softwarefirma in einen Computerhersteller bezahlt gemacht hat, und zwar für beide Beteiligte. Als es 1997 schlecht bestellt war um Apple, entschloss sich Microsoft, für 150 Millionen Dollar Aktien des Computerbauers zu kaufen. Letztendlich mündete die Transaktion in einen erbitterten Rechtsstreit darüber, ob Microsoft die Apple-Computer kopiert habe. Ab 2000 stieß Microsoft seine Apple-Papiere wieder ab und fuhr damit einen üppigen Gewinn ein.

"Seit den Investitionen in Apple und andere Firmen hat Microsoft die Fähigkeit an den Tag gelegt, als kluger Investor aufzutreten und strategische Ziele zu erreichen", meint Greg Maffei, der Chef von Liberty Media, der als Finanzvorstand von Microsoft das Apple-Geschäft damals eingefädelt hatte.

—Mitarbeit: Ben Worthen

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