INCHEON, Südkorea—In Fabriken, wo teure Produkte wie Autos und Elektrogeräte hergestellt werden, leisten schon seit Jahrzehnten hochmoderne Roboter Präzisionsarbeit. Die Textilindustrie wurde währenddessen kaum modernisiert. Doch das soll sich jetzt ändern.

In einer Fabrik in einem Vorort von Seoul produziert Sunstar Machinery, nach Umsatz der größte Hersteller industrieller Nähmaschinen weltweit, seit vergangenem Jahr Näh- und Stickmaschinen, in denen Computerdisplays eingebaut sind.

Damit können zum Beispiel die Stichmuster, der Druck der Nadel und die Geschwindigkeit der Maschine voreingestellt werden. Die Geschwindigkeit regulierten die Arbeiter früher mit einem Pedal. Die Computer liefern außerdem in Echtzeit Informationen über die Produktion, die dann an die Abnehmer weitergegeben werden können. Diese können daran ablesen, wie schnell ihre Bestellung produziert und wann die Ware geliefert wird.

Eien Arbeiterin der Sunstar Machinery Co. in einem Vorort von Seoul nutzt eine der neuen High-Tech-Nähmaschinen. Evan Ramstad/The Wall Street Journal

Diese neuen Nähmaschinen, die Sunstar „NNS" oder „New Network System" nennt, sind etwa 50 Prozent teurer als herkömmliche Modelle. In einer Branche, die sehr genau auf die Kosten achten muss und größtenteils in asiatischen Billiglohnländern angesiedelt ist, wird sich ein so teures Modell nur schwer verkaufen.

Um die Textilhersteller von der neuen Nähmaschine zu überzeugen, wendet sich Sunstar an deren Kunden, vor allem an sogenannte „Fast Retailers": Einzelhändler, die ihre Waren manchmal sogar wöchentlich auswechseln. „Unser System liefert mehr Informationen, als die Händler je von ihren Zulieferern bekommen haben", sagt Park In-chul, Vorsitzender von Sunstar.

Die Textilbranche nutzt neuerdings immer häufiger Software zur Überwachung der Lieferkette. Bisher waren es vor allem Branchen, die teure Produkte herstellen, die solche Technologien einsetzten. Doch bis die Textilindustrie auf diese Weise komplett vernetzt ist, muss sie erst noch gemeinsame Datenstandards finden, damit Informationen einheitlich verbreitet werden können.

High-Tech-Nähmaschinen steigern die Produktion

„Es gibt noch Probleme in der Lieferkette, da es verschiedene Systeme gibt. Dadurch kommt es zu Unterbrechungen im Datenprozess", sagt Reinhold Wawrzynek, Chef der Softwarefirma Mobiwerk in München, die Lösungen für die Textilbranche anbietet. „Die Branche arbeitet aber daran."

Park sagt, er suche schon seit 30 Jahren einen Weg, wie er Nähmaschinen in das High-Tech-Zeitalter einführen kann. Doch erst seit etwa zwei Jahren seien Computer- und Netzwerktechnologien billig genug, um sie in der Textilbranche ökonomisch sinnvoll einzusetzen.

„Vor zwei oder drei Jahren gab es nur eine Art von Software, die wir zu einem erschwinglichen Preis in Nähmaschinen einsetzen konnten", sagt er. „Um die Maschinen mit einem Netzwerk zu verbinden, bedarf es aber mehreren Arten von Software." Es sei auch hilfreich gewesen, dass LCD-Bildschirme billiger geworden sind, sagt er. Die neuen Nähmaschinen haben kürzere Stillstandzeiten, da die Bildschirme Videoanleitungen für einfache Reparaturen anzeigen.

Chris Kim, General Manager bei Bethel Industries, einem Hersteller von Militärkleidung in New Jersey, kaufte vor etwa neun Monaten seine erste Sunstar-NNS-Nähmaschine. Seitdem sei die Produktion um 25 Prozent gestiegen, sagt er. Sobald er weitere dieser Nähmaschinen erhält, hofft er, das Geschäft weiter auszubauen.

Vorher überwachten die Manager der Fabrik die Produktion noch in Handarbeit. „Das Computersystem erlaubt uns, die Produktion in Echtzeit auszuwerten, und das ist ein riesiger Unterschied", sagt Kim.

Das Unternehmen produziert zwar Kleidung für einen sehr speziellen Markt, doch der Kostendruck sei der gleiche wie in Fabriken, die Alltagsmode produzieren. „Die Branche scheut traditionell Risiken, doch es wird hier eine Veränderung der Denkweise geben", sagt Kim. „Wir leben alle in einem Umfeld, wo Daten immer wichtiger werden."

Mitarbeit: Min Sun Lee

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