Parkende Boeing-Jets vom Typ 787 Dreamliner in Washington. Weltweit sind alle 50 der Prestigeflugzeuge aus Sicherheitsgründen vom Flugverkehr gesperrt. Associated Press

Nach der jüngsten Pannenserie hat der US-Flugzeugbauer Boeing BA +0,48% Boeing Co. U.S.: NYSE $125,58 +0,60 +0,48% 19 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,97 Mio. NACHBÖRSLICH $125,40 -0,18 -0,14% 19 Aug. 2014 19:57 Volumen (​15 Min. verzögert) : 17.266 KGV 18,69 Marktkapitalisierung 90,06 Milliarden $ Dividendenrendite 2,33% Umsatz/Mitarbeiter 525.220 $ die Batterien seines Vorzeigeflugzeugs 787-Dreamliner technisch überarbeitet. Das Unternehmen hofft jetzt auf eine Behördenerlaubnis, um seine aus Sicherheitsgründen gesperrten Maschinen wieder fliegen zu dürfen.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, testen Boeing-Ingenieure gerade verschiedene Änderungen am Batterieaufbau, die das Brandrisiko mindern sollen. Unter anderem wollen sie den Abstand zwischen den einzelnen Zellen der Lithium-Ionen-Batterien vergrößern, damit sich ein Feuer weniger schnell ausbreiten kann. Außerdem wollen sie Hitzesensoren einbauen und die Zellen stabilisieren, damit sie unter bestimmten Umständen nicht mehr verrutschen und die Elektronik stören können. Daneben ist eine verbesserte Schutzhülle im Gespräch, um im Fall einer Überhitzung zu verhindern, dass Flammen oder Chemikalien austreten. Geprüft werde auch, die Netzteile besser vor Feuchtigkeit zu schützen, erfuhren Branchenvertreter von Boeing-Kunden.

Mit den neuen, aufgerüsteten Batterien will Boeing dann alle 50 der weltweit vom Flugverkehr ausgeschlossenen Dreamliner ausstatten, sagen die Quellen. Die geplanten technischen Neuerungen müssten aber noch von den amerikanischen und japanischen Ermittlern zugelassen werden. Diese sind immer noch auf der Suche nach der Ursache für zwei Zwischenfälle im Januar, bei denen Dreamliner-Batterien Feuer fingen. Unklar ist, ob die Behörden überhaupt langfristige technische Änderungen billigen würden, die das Grundproblem möglicherweise gar nicht beheben.

Ausgeträumt – Die Pannengeschichte des Dreamliner

Die Luftfahrtexperten der US-Aufsichtsbehörde FAA haben in ihren Gesprächen mit Boeing deutlich gemacht, dass eine Interimslösung auf jeden Fall dafür sorgen müsste, dass das Alarmsystem bei einer Batterie-Fehlfunktion schneller reagiert. Zudem müssten die Boeing-Techniker das Risiko noch stärker verringern, dass irgendein Teil des Systems ausfällt. Das sagen Personen, die über die Verhandlungen im Bilde sind.

Die FAA stand nicht unmittelbar für einen Kommentar zur Verfügung. Sie wägt auch noch ab, ob Boeing mit seinen Dreamlinern wieder Testflüge aufnehmen darf. Das hatte die Fluggesellschaft beantragt. Eine Antwort werde nach Auskunft von Regierungsvertretern bald vorliegen.

"Ingenieure arbeiten rund um die Uhr"

Weder Boeing noch der japanische Batteriehersteller GS Yuasa 6674.TO +0,47% GS Yuasa Corp. Japan: Tokyo ¥639 +3 +0,47% 20 Aug. 2014 13:22 Volumen (​20 Min. verzögert) : 1,48 Mio. KGV 21,63 Marktkapitalisierung 260,97 Milliarden ¥ Dividendenrendite 0,94% Umsatz/Mitarbeiter 26.797.300 ¥ wollten sich zu den möglichen Änderungen am Batterieaufbau äußern. Ein Boeing-Sprecher teilte mit, dass „Hunderte von Ingenieuren und technischen Experten rund um die Uhr daran arbeiten", das Rätsel um die Batteriepannen zu lösen und die Dreamliner-Flotte wieder in die Luft zu bekommen. „Alle arbeiten daran, die Antwort so schnell wie möglich zu finden, und es werden gute Fortschritte gemacht", sagte der Sprecher.

Sollte Boeing mit den vorläufigen Änderungen an seinen Dreamliner-Batterien durchkommen, würde das einen Teil der Zweifel an seinem Vorzeigeprodukt ausräumen. Der Konzern ist finanziell enorm in Vorleistung gegangen, um den Dreamliner 2011 nach dreieinhalb Jahren voll kostspieliger Verzögerungen und Komplikationen auf den Markt zu bringen.

Obwohl die Behörden das Flugzeug am 16. Januar komplett vom Flugverkehr verbannten, baut Boeing weiter an neuen Maschinen dieses Typs. Das Unternehmen darf sie aber wegen der Sicherheitssperre nicht an seine Kunden ausliefern, die bei Erhalt fast die gesamten Kosten des Baus zahlen würden – laut Listenpreis sind das pro Maschine etwa 200 Millionen US-Dollar. Und jetzt muss Boeing auch noch fürchten, dass die aktuellen und künftigen Eigentümer der Dreamliner Schadensersatz fordern, weil ihre Flugzeuge nicht fliegen dürfen.

Boeing will an der Lithium-Ionen-Technik festhalten

Die möglichen Änderungen an den Lithium-Ionen-Batterien stünden im Detail noch nicht fest und müssten auch noch Flug- und Labortests bestehen, sagen Behördenvertreter, die über die Pläne in Kenntnis gesetzt wurden. Laut einem Insider, der mit den Überlegungen vertraut ist, sei noch alles in der Schwebe und Designideen würden laufend geändert.

Acht Fluggesellschaften rund um den Globus, deren 787 Dreamliner wegen des Flugverbots am Boden stehen, erhalten zurzeit regelmäßige Nachrichten von Boeing zum Stand der Dinge. Aber die kursierenden Informationen decken sich nicht ganz. Einige Vertreter berichten, dass Boeing die überarbeiteten Batterien schon Ende des Monats an die Fluggesellschaften auszuliefern hofft. Ein Vertreter einer Fluglinie sagt, im besten Fall könnten Passagierflüge im März wiederaufgenommen werden.

Frisch verkabelt

Nach Auskunft verschiedener Branchenvertreter würde Boeing trotz der geplanten Änderungen grundsätzlich an der Lithium-Ionen-Technologie festhalten. Der Dreamliner ist das erste Passagierflugzeug, in dem Lithium-Ionen-Batterien im großen Stil zum Einsatz kommen. Die Akkus sind innovativ, gelten aber unter bestimmten Umständen als unberechenbar. Boeings Vorgängerjets nutzten Nickel-Cadmium-Akkus, die vergleichsweise groß und schwer sind. Laut Branchenvertretern, die sich mit den Gesprächen zwischen Boeing und seinen Kunden auskennen, will Boeing auch weiterhin an den Lithium-Ionen-Batterien festhalten. Das schreibt das Unternehmen auch in seinen eigenen Mitteilungen.

Aber unabhängig davon, welche technischen Neuerungen am Ende tatsächlich beschlossen werden, bleibt die wichtigste Frage nach wie vor unbeantwortet: Weshalb fingen die Batterien an Bord von zwei japanischen 787 Dreamlinern im Januar Feuer? Trotz ihres wochenlangen, fieberhaften Einsatzes sind die Expertenteams auf beiden Seiten des Pazifiks noch immer nicht zum Kern des Problems vorgedrungen.

Anfang der Woche erklärte der Chef der japanischen Behörde für Transportsicherheit, Norihiro Goto, auf die Frage, ob die Ermittler in Wahrheit kaum weitergekommen seien: „Das mag leider stimmen." Und nach Ansicht der Vorsitzenden der amerikanischen Nationalen Behörde für Transportsicherheit, Deborah Hersman, sind die Experten „wahrscheinlich noch Wochen davon entfernt" sagen zu können, was genau passiert ist und was genau geändert werden müsse.

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