Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs muss sich für eine härtere Gangart in der Bankenregulierung wappnen. Die sogenannte Volcker-Regel dürfte eine der lukrativsten Einnahmequellen teilweise versiegen lassen: das Private-Equity-Geschäft. Über 20 Jahre steckte der Finanzkonzern in großem Stil eigene Mittel in die Beteiligungsfonds und lockte damit eine Vielzahl von Kunden in das gleiche Investment. Die neue Regel dürfte den Zufluss eigener Mittel in die Beteiligungsfonds drastisch reduzieren.

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird offenbar ihr Private-Equity-Geschäft in "Broad Street" umtaufen. Reuters

Deswegen muss Goldman in dem 50 Milliarden US-Dollar schweren Geschäft entscheidende Änderungen vornehmen. Das dürfte die Geldmanager schmerzen: Mit Private Equity erwirtschafteten sie bisher kräftige Gewinne für die Bank, ihre Angestellten und Kunden. Goldman wird die Investments in eigene Fonds wohl von 37 Prozent auf gerade einmal drei Prozent der hauseigenen Gelder eindampfen müssen, sobald die Regel im Laufe dieses Sommers in Kraft tritt.

Die Regel ist Teil der Dodd-Frank-Gesetzgebung für die Finanzbranche. Sie ist benannt nach dem ehemaligen Chef der US-Notenbank, Paul Volcker, und soll Banken davon abhalten, hochriskante Finanzwetten mit ihrem eigenen Geld einzugehen. Volcker hatte die Regel mitentwickelt.

Goldman rechnet jetzt mit deutlich geringeren Zuflüssen in ihre Fonds. Die Bank aus New York wird auch ihr Private-Equity-Geschäft offenbar in "Broad Street" umtaufen, damit der eigene Name nicht mehr auftaucht. Der Name weist auf die alte Zentrale der Wertpapierbank und den ersten Buyout-Fonds aus dem Jahr 1986 hin, sagten informierte Personen.

Auch andere Geldhäuser verkleinern ihr Beteiligungsgeschäft

Die New Yorker stehen nicht alleine da mit ihrer Herangehensweise. Auch andere Geldhäuser müssen ihr Beteiligungsgeschäft verkleinern. Die Bank of America BAC +0,50% Bank of America Corp. U.S.: NYSE $16,09 +0,08 +0,50% 29 Aug. 2014 16:04 Volumen (​15 Min. verzögert) : 48,61 Mio. NACHBÖRSLICH $16,05 -0,05 -0,25% 29 Aug. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,50 Mio. KGV 24,75 Marktkapitalisierung 169,20 Milliarden $ Dividendenrendite 1,24% Umsatz/Mitarbeiter 395.876 $ streicht den Geschäftszweig gleich ganz. Die Citigroup C +0,51% Citigroup Inc. U.S.: NYSE $51,65 +0,26 +0,51% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 8,77 Mio. NACHBÖRSLICH $51,59 -0,06 -0,12% 29 Aug. 2014 19:39 Volumen (​15 Min. verzögert) : 216.872 KGV 16,93 Marktkapitalisierung 156,59 Milliarden $ Dividendenrendite 0,08% Umsatz/Mitarbeiter 349.582 $ prüft nach Angaben einer Sprecherin mehrere Optionen für ihre Beteiligungsgesellschaften, nachdem sie Anteile an Hedgefonds bereits zurückgefahren hat.

Die Beteiligungsbranche ist seit der Finanzkrise ziemlich angeschlagen. Anleger halten sich mit Investitionen in deren Fonds zurück. Die Zahl der Buyouts ist zurückgegangen. In die Fonds investierte Gelder erwirtschaften kaum noch die zweistelligen Renditen, die die Anleger erwarten. Zwar gibt es inzwischen wieder mehr Unternehmensübernahmen, was die Fonds tendenziell attraktiver macht. Aber die Vielzahl lukrativer Deals von vor einer Dekade ist erst einmal Geschichte.

Goldman hält nach außen energisch am Private-Equity-Geschäft fest - trotz aller Unruhe und Spekulation über einen möglichen Ausstieg. Die Vorstände betonen: Die Volcker-Regel beeinflusst die Renditen in den Investitions- und Kreditsparten nicht "substanziell". Goldman schlüsselt nicht auf, wie viel Geld das Beteiligungsgeschäft in die Kasse spült.

Das Unternehmen verspricht seinen Kunden, es bewege sich immer noch im gleichen ertragreichen Geschäft wie früher. Der Chef der Handelsbanksparte, Richard Friedman, will dafür persönlich einstehen. Sollte er sich von der Spitze zurückziehen, könnten die Investoren aus ihren Deals wieder aussteigen. In der Branche ist ein solcher Vertragsinhalt als Schlüsselklausel Standard. Er und andere Banker veröffentlichen zudem, wie viel Geld sie in die Fonds stecken.

"Es wird nicht einfach sein. Man kann nicht schlicht eine Reihe von Kunden anrufen und ihnen sagen: 'Dorthin wollen wir Euch mitnehmen'", erklärt der Berater für Pensionen und Stiftungen Robert Fuller. Das beeinflusse Goldmans Fähigkeit, Mittel für neue Fonds einzuwerben. Einige Kunden taten sich leicht mit Investitionen, als der Konzern selbst in großem Stil Gelder in den Fonds unterbrachte. Vor allem Goldmans historischer Erfolg bei Anlagen galt als Garant für die Sicherheit der Investments.

"Als Anleger sieht man gerne, dass der Partner selbst ausreichend Eisen im Feuer hat", sagt Hershel Harper von der South Carolina Retirement System Investment Commission. Sie investierte rund eine Milliarde Dollar in die Beteiligungs- und andere Fonds von Goldman. Mitarbeiter der Bank hätten persönlich und telefonisch mit ihm über die Regulierungsänderungen gesprochen. Die von Goldman selbst in die eigenen Fonds gesteckten Gelder seien einer der ausschlaggebenden Gründe gewesen, sich für diese Bank zu entscheiden. Insgesamt sei er sehr zufrieden mit Goldman.

Kein Wunder: Selbst in kleineren Goldman-Fonds verdoppeln Anleger laut informierten Personen typischerweise ihr angelegtes Geld und häufig erzielen sie sogar eine noch höhere Rendite. Eine Erfolgsgeschichte ist Yankees Entertainment and Sports Network (YES), ein Geschäft, das Goldman im Jahr 2001 startete. Im vergangenen November machte Goldman mit dem Verkauf ihrer 30-prozentigen Beteiligung an die News Corp NWSA -0,25% News Corp Cl A U.S.: Nasdaq $17,63 -0,05 -0,25% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,12 Mio. NACHBÖRSLICH $17,63 +0,00 +0,01% 29 Aug. 2014 16:45 Volumen (​15 Min. verzögert) : 260.056 KGV 42,99 Marktkapitalisierung 10,13 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 357.250 $ Kasse, und verfünffachte dabei den Einsatz, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Zum Medienkonzern News Corp gehört neben Dow Jones Newswires auch das Wall Street Journal.

Goldman kassierte noch auf anderen Wegen Gelder durch das YES-Engagement. Sie finanzierte den Bau des neuen Yankee-Stadions mit. Außerdem berieten die Branchenexperten die New York Yankees und die Dallas Cowboys beim Start ihrer Firma für Sportunterhaltung, Legends Hospitality Management.

Mit der Finanzkrise kam die Wende

Einen Wendepunkt erreichte das Beteiligungsgeschäft ab der Finanzkrise. Ende 2009, als von der Volcker-Regel noch keine Rede war, startete Goldman einen Beteiligungsfonds, der in Energieunternehmen investiert. Goldman und seine Partner wollten mindestens 20 Prozent der Barmittel beisteuern. Einen Monat später schlug Präsident Barrack Obama die kontrovers diskutierte Regel vor. Sie soll Banken weitgehend davon abhalten, Hedge- und Beteiligungsfonds zu besitzen oder in sie zu investieren. Sie sollen ihr eigenes Geld nicht durch Spekulationen auf den Märkten aufs Spiel setzen.

Zu der Zeit kursierten bereits Gerüchte, die neue Regel könnte Finanzfirmen untersagen, mehr als drei Prozent ihrer Mittel in Beteiligungsfonds anzulegen. Der Energiefonds und die gesamte Zukunft des Beteiligungsgeschäfts gerieten für Goldman und seine ungefähr 300 Personen starke Handelsbanksparte plötzlich in Gefahr. Goldman und ihre Partner hatten 37 Prozent - oder 7,51 Milliarden Dollar - von insgesamt 20,3 Milliarden Dollar - in den 2007 gestarteten Fonds GS Capital Partners VI investiert. In die fünf früheren Beteiligungsfonds brachten Goldman und die Belegschaft laut informierten Personen zwischen elf und 30 Prozent eigene Gelder ein. Andere Beteiligungsgesellschaften stecken üblicherweise zwei bis fünf Prozent eigenes Geld in ihre Fonds.

Der rund eine Milliarde Dollar schwere Energiefonds ist noch nicht geschlossen. Er ist ungewöhnlich klein für Goldman. Laut Friedman von der Goldman-Handelsbanksparte werden künftige Fonds eher ein Volumen von sieben bis zehn Milliarden Dollar aufweisen. Nach Informationen von Dow Jones LP Source hatte der durchschnittliche Beteiligungsfonds im vergangenen Jahr eine Größe von 310 Millionen Dollar.

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