In diesem Jahr dürfte das Wirtschaftswachstum in den USA zwar keine großen Sprünge machen, aber stabil zulegen. Davon gehen vom Wall Street Journal befragte Ökonomen aus. Damit prognostizieren sie eine ähnliche Entwicklung wie im vergangenen Jahr. Im Vorjahr waren sie mit ihren Prognosen noch zu optimistisch gewesen. In diesem Jahr glauben die Wirtschaftswissenschaftler aber richtig zu liegen, weil das Umfeld gefestigter sei.

Anfang 2012 prognostizierten die Wissenschaftler, dass die Wirtschaftsleistung der USA im Jahresverlauf um 2,4 Prozent wachsen würde. Tatsächlich waren es nur dann nur 1,5 Prozent. Zum zweiten Mal in Folge lag das tatsächliche BIP damit unter den Schätzungen der Volkswirte.

Gut gefüllte Restaurants wie hier in Chinatown in New York sind ein Anzeichen für die sich erholende Wirtschaft. Associated Press

Für 2013 erwarten die Ökonomen wieder ein Wachstum von 2,3 Prozent, diesmal allerdings bei einem insgesamt stärkeren Wirtschaftsumfeld. „Wir stehen heute definitiv besser da als vor einem Jahr", sagt Arun Raha von Eaton. Der Ökonom lag bei seinen Schätzungen für 2012 am besten. Der Anstieg der Autoverkäufe und der anziehende Immobilienmarkt seien Zeichen, dass die Nachfrage wieder steige. Und während der Außenhandel im vergangenen Jahr stagnierte, dürfte es auch hier wieder aufwärts gehen, nachdem sich China erhole und Europa ein Stückchen weiter aus der Rezession robbe. „Das Beste, was es über Europa zu sagen gibt, ist, dass es nicht schlimmer wird", sagte er.

Die meisten der 52 befragten Ökonomen sagten, dass die Entwicklung in diesem Jahr eher positiv als negativ überraschen könnte. Fürs vergangene Jahr gingen sie eher von Risiken aus. Im Schnitt sehen die Volkswirte eine Wahrscheinlichkeit von 24 Prozent, dass die Wirtschaft mit drei Prozent schneller als erwartet wachsen könnte. Das Risiko einer Rezession liege bei 17 Prozent.

Ausgabenkürzungen des Staates werden wohl kommen

Dennoch geben sie keine Entwarnung – Risiken bleiben, vor allem politische. Ein Hauptgrund für die Fehleinschätzung der Ökonomen 2012 lag in den Ausgabenkürzungen des Staates. „Die größte Überraschung war der Beginn von Ausgabenkürzungen unter der Obama-Regierung. Obwohl sie keinen großen Teil des realen BIP ausgemacht haben, kam das trotzdem überraschend", sagt Allen Sinai von Decision Economics. „Dieses Thema wird sich weiter durchziehen." Im Schnitt gehen die Volkswirte davon aus, dass die Kürzungen, die im März in Kraft treten, 0,6 Prozentpunkte Wachstum kosten werden.

"Die Wahrscheinlichkeit für einen Ausgabenstopp ist groß. Aber ich glaube nicht, dass das eine so große Sache ist, dass es der Konjunkturerholung den Boden unter den Füßen wegzieht", sagt Tim Gill, Wirtschaftsanalyst bei der NEMA. "Für das langfristige Wachstum ist es gut, dass wir mit diesen Dingen zu Potte kommen."

Während die Volkswirte beim Wachstum 2012 zu optimistisch waren, haben sie beim Arbeitsmarkt zu schwarz gesehen. Im Schnitt haben sie die heutige Arbeitslosenquote vor einem Jahr bei 8,3 Prozent erwartet. Tatsächlich sind es nur 7,8 Prozent. "Es ist gut, hier falsch gelegen zu haben", kommentiert Gill.

Arbeitslosigkeit in den USA sinkt weiter

Raha von Eaton gehörte zu den besten Vorhersagern, weil er als einer von wenigen diesen Rückgang der Arbeitslosigkeit erwartet hatte. "Ich hatte diese Prognose gemacht, weil ich bemerkt hatte, dass die Produktivitätszuwächse deutlich zurückgingen", sagt er. "Denn wenn man den letzten Tropfen aus den eigenen Angestellten herausgequetscht hat, muss man neue Leute einstellen, sobald die Nachfrage auch nur ein bisschen ansteigt."

Die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft fiel von Oktober bis Dezember 2012 im Jahresvergleich um zwei Prozent, teilte das Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Im Jahresverlauf 2012 stieg sie dagegen um ein Prozent, nachdem es im Vorjahr lediglich 0,7 Prozent waren.

Für das kommende Jahresende prognostizieren die Ökonomen im Schnitt eine auf 7,4 Prozent sinkende Arbeitslosenquote. Als jüngstes Zeichen für den Aufschwung am Arbeitsmarkt gilt der am Donnerstag für die Vorwoche gemeldete Rückgang bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenversicherung um 5.000 auf saisonal bereinigte 366.000. Der Vier-Wochen-Durchschnitt, der nicht so schwankungsanfällig ist, sank um 2.250 auf 350.500, den tiefsten Stand seit März 2008.

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