CARACAS--Venezuela hat seine Landeswährung kräftig gegenüber dem Dollar abgewertet. Damit will die Regierung von Präsident Hugo Chavez den zunehmenden Versorgungsengpässen wegen der knappen Dollar-Bestände entgegenwirken. Die grundsätzlichen Schwächen der venezolanischen Wirtschaft werden damit nach Einschätzung von Beobachtern nicht beseitigt.

Die Landeswährung, die offiziell Starker Bolivar heißt, verliert rund ein Drittel ihres Wertes. Finanzminister Jorge Giordani nannte als neuen Kurs 6,30 Bolivar je Dollar gegenüber 4,30 zuvor.

Venezuela hat seine Landeswährung kräftig gegenüber dem Dollar abgewertet. REUTERS

Damit dürfte die Regierung die Lücken im Haushalt eingrenzen können. Gleichzeitig dürfte sie aber die Inflation anheizen, die bereits jetzt zu den weltweit höchsten zählt.

Die Abwertung war erwartet worden, da die Regierung die Ausgaben vor den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2012 massiv erhöht hatte. Überraschend war jedoch der Zeitpunkt. Aus der Abstimmung war Chavez erneut als Sieger hervor gegangen, er ist jedoch an Krebs erkrankt. Seit 11. Dezember liegt er im Krankenhaus in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Seitdem war er nicht mehr öffentlich zu sehen gewesen. Beobachter waren unschlüssig, ob die Regierung einen politisch so riskanten Schritt wie eine Abwertung in Abwesenheit von Chavez durchziehen werde. Dass sie es tat, könnte ein Signal sein, dass sich die Chavista-Bewegung hinter Vizepräsident Nicolas Maduro, Chavez' designiertem Nachfolger, vereint hat.

Die staatliche Ausgabenfreude im Wahljahr hatte zwar zu einem mehr als fünfprozentigen Wirtschaftswachstum geführt. Parallel verschärfte sich aber das Haushaltsdefizit auf - je nach Schätzung - 8 bis 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Mangel an Dollar

Gleichzeitig gab es einen Mangel an Dollar, da viele Venezolaner in Erwartung eines Wertverlusts des Bolivar Greenbacks auf dem Schwarzmarkt kauften. Dort war der Wert auf 18 Bolivar je Dollar eingebrochen.

Da dadurch auch Devisen für Importe fehlten, haben sich verstärkt Versorgungslücken aufgetan und politischer Unmut machte sich breit.

Mit der Abwertung bekommt die Regierung für ihren Haushalt mehr Geld in venezolanischer Währung für jeden Dollar, den der staatlichen Ölgigant Petroleos de Venezuela durch seine Rohölimporte einnimmt. Damit könnte das Etatdefizit auf 5,3 Prozent des BIP von 8,5 Prozent im vergangenen Jahr gedrückt werden, rechnet Francisco Rodriguez vor, Volkswirt bei Bank of America Merrill Lynch. Dennoch bleibe die Finanzierungslücke hoch, so dass Venezuela Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres erneut abwerten dürfte.

Die Inflation, ohnehin bereits bei 20 Prozent pro Jahr, werde durch die wachsende Importabhängigkeit weiter angekurbelt. So erwartet Alberto Ramos von Goldman Sachs einen Anstieg auf 30 Prozent in diesem Jahr.

Bereits 2010 hatte sich Venezuela zu einem ähnlichen Schritt entschlossen. Die neue Abwertung sei seit längerem fällig gewesen, denn die Preise hätten sich in dieser Zeit fast verdoppelt.

Zu den großen Verlierern der Abwertung gehören ausländische Unternehmen, die gehofft hatten, Dollar in ihre Heimatländer zu überweisen, sagt Moises Naim vom Washingtoner Carnegie Endowment for International Peace. Ohnehin war die Regierung in Caracas bei der Bereitstellung von Dollar für den Umtausch sehr zurückhaltend, jetzt gibt es zudem weniger Dollar pro Bolivar.

Anders als viele andere Länder hält Venezuela an festen Wechselkursen fest. Das Land hatte 2003 Währungskontrollen eingeführt, nachdem die spendable Ausgabenpolitik eine beschleunigte Inflation nach sich gezogen hatte, und später Preiskontrollen. Seitdem war die Landeswährung wiederholt abgewertet worden.

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