Die algerische Regierung warnt vor noch mehr schlechten Nachrichten von der Erdgasanlage in der Sahara, die in den vergangenen Tagen von islamistischen Terroristen heimgesucht worden war. Bei dem viertägigen Geiseldrama, das am Samstag von algerischen Sicherheitskräften beendet wurde, kamen nach bisherigen Angaben 23 Entführte und 32 islamistische Terroristen ums Leben. Ein japanisches Unternehmen teilte jetzt aber mit, dass noch immer 17 ihrer Mitarbeiter nicht wieder aufgetaucht seien.

"Ich befürchte sehr stark, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen wird", sagte der algerische Informationsminister Mohamed Saïd im staatlichen Radio.

In diesem Bild aus einem Video knien an einem unbekannten Ort in Algerien vermutliche Geiseln im Sand. AP/dapd

Die algerische Armee hatte den Komplex In Amenas am Samstag erneut gestürmt und damit die oftmals chaotische und für viele tödliche Geiselnahme beendet. Die Nationalität der 23 getöteten Geiseln hat die algerische Regierung bisher nicht bekannt gegeben.

Während die algerische Armee noch immer die Anlage durchkämmt, um nach angeblich verlegten Sprengfallen und Minen zu suchen, versuchen ausländische Regierungen und Unternehmen Informationen über das Schicksal einiger ihrer Bürger und Angestellten zu bekommen.

Einige Geiseln noch nicht wieder aufgetaucht

Der japanische Ausrüster JGC Corp. teilte mit, dass er von 17 seiner Mitarbeiter – zehn Japanern, sieben aus anderen Ländern – noch immer keine Spur habe. In London sagte Premierminister David Cameron, dass bei dem Geiseldrama wohl sieben Menschen aus Großbritannien ums Leben gekommen seien. Bei dreien sei es bereits bestätigt. Die Mehrzahl der überlebenden Briten sei bereits wieder zu Hause oder auf dem Weg dahin.

Das Geiseldrama hatte am Mittwochmorgen begonnen, als islamistische Extremisten die Erdgasanlage in der Sahara-Wüste im Südosten Algerien einnahmen. Algerische Truppen griffen die Entführer am Donnerstag an, nachdem sie den Verdacht gehabt hatten, dass die Geiseln an eine anderen Ort gebracht werden sollten. Schon diese Aktion kostete einigen ausländischen Geiseln das Leben. Am Samstag stürmte die algerische Armee erneut die Anlage und brachten sie unter ihre Kontrolle – allerdings erneut mit einem hohen Blutzoll.

Unter Regierungsvertretern aus Großbritannien und den USA hatte es zuvor einige Verärgerung darüber gegeben, wie die algerische Regierung mit dem Geiseldrama umgegangen ist. Öffentlich wurden diese jedoch im Zuge der Bemühungen, die Überlebenden und die Toten zurück ins Land zu holen, zurückgestellt.

"Die Leute werden Fragen stellen"

"Natürlich werden die Leute Fragen stellen, wie Algerien auf die Ereignisse reagiert hat", sagte Cameron am Sonntag. Aber "die Verantwortung für die Toten liegt ganz klar bei den Terroristen, die diesen teuflischen und feigen Angriff gestartet haben." Wenn man es mit einer so großen Terroristengruppe zu tun habe, sei es "extrem schwer zu reagieren und alles richtig zu machen", fügte er hinzu.

Das Ain Amenas Gasfeld in Algerien auf einem Satellitenbild vom 8. Oktober 2012. Es wird von BP, der norwegischen Statoil und der algerischen Sonatrach betrieben. AP/dapd

Der britische Außenminister William Hague sagte, die algerischen Sicherheitskräfte seien "in ihrem Land sehr erfahren und leistungsfähig ". Er warnte vor zu schneller Kritik, weil bisher noch nicht klar sei, was genau passiert ist. Er zeigte sich aber weiterhin enttäuscht darüber, dass die algerische Regierung weder sie noch eine andere betroffene Regierung am Donnerstag über den bevorstehenden Angriff informiert habe.

Neben Großbritannien haben auch Algerien, Frankreich und die USA bestätigt, dass einige ihrer Bürger bei dem Geiseldrama ums Leben gekommen sind. Algerische Medien berichteten, dass es noch dauern werde, bis alle gefundenen Opfer identifiziert seien.

Auch US-Präsident Obama sieht die Verantwortung für das Blutbad allein bei den Terroristen und verurteilte deren Taten. Die Regierung in Algier könne mit jedweder amerikanischen Unterstützung rechnen, hieß es bereits am Samstag in einer Stellungnahme Obamas aus dem Weißen Haus. Die jüngste Attacke sei eine weitere Erinnerung an die Gefahr, die von Al-Kaida und anderen gewalttätigen Terrorgruppen in Nordafrika ausgehe. In den kommenden Tagen werde sich Washington daher eng mit Algier abstimmen, um ein klareres Bild von den Ereignissen zu bekommen und so derartige Tragödien künftig gemeinsam zu vermeiden.

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