MOSKAU – Die Lage im syrischen Bürgerkrieg wird nach Einschätzung Russlands und der Arabischen Liga immer schwieriger. Die Regierung in Moskau will nun erstmals russische Staatsbürger aus Syrien ausfliegen. Zwei Flugzeuge sollen am Dienstag in die libanesische Hauptstadt Beirut fliegen, um von dort aus mehr als hundert Russen wieder in die Heimat zu bringen, teilte das Moskauer Katastrophenschutzministerium am Montagabend mit. Die Arabische Liga dringt derweil auf eine UN-Resolution.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Lakhdar Brahimi. Associated Press

Laut Angaben aus dem russischen Außenministerium liegen bereits Notfallpläne für die Evakuierung von Tausenden Russen aus Syrien bereit. Für den Einsatz seien sowohl Flugzeuge als auch Schiffe vorgesehen. Derzeit befindet sich eine Schwadron russischer Kriegsschiffe im Mittelmeer für ein geplantes Manöver. In der Übung sollen sowohl die Landung von Soldaten als auch die Aufnahme von Zivilisten auf die Schiffe geprobt werden.

Offenbar zweifelt Russland immer mehr daran, dass sich Syriens Präsident Baschar al-Assad angesichts des seit fast zwei Jahren tobenden Aufstands gegen ihn weiter an der Macht halten kann. Russland gilt als Assads wichtigster Verbündeter und hat mehrfach Resolutionen im UN-Sicherheitsrat gegen die syrische Regierung verhindert. Zuletzt hatte sich Moskau aber immer mehr von Assad distanziert.

Stromnetz in Damaskus bricht vollständig zusammen

Nach Einschätzung des Syrien-Sondergesandten Lakhdar Brahimi gibt es derzeit „keinen Funken Hoffnung" auf eine Lösung der Syrien-Krise. Der Chef der Arabischen Liga, Nabil Elarabi, forderte daher die Mitgliedstaaten seiner Organisation bei einem Gipfeltreffen in Saudi Arabien auf, eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zu beantragen, um eine Resolution zu beschließen.

Die syrische Regierung machte unterdessen Rebellen für einen großräumigen Stromausfall verantwortlich, von dem erstmals ganz Damaskus und weite Teile Südsyriens in vollständige Dunkelheit und Kälte versetzt wurden. Bewaffnete Terroristen hätten bei einem Angriff die Hauptversorgungsleitung beschädigt, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana den zuständigen Minister, Imad Chamis. Seinen Angaben zufolge war die Stromversorgung in der Hälfte der Stadt am Nachmittag wieder hergestellt.

Dutzende Rebellengruppen sind im Großraum Damaskus aktiv, doch niemand übernahm die Verantwortung für den Stromausfall. Anwohner sagten, sie hätten ihre Zweifel, dass die Aufständischen den Stromausfall ausgelöst hätten. In den vergangenen Wochen hatte es in Damaskus mehrfach Probleme mit der Elektrizität gegeben, jedoch nie in diesem Ausmaß. Der Wegfall der Stromversorgung traf die Bewohner angesichts grassierender Ölknappheit und der nächtlichen Temperaturen unter Null Grad besonders hart.