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Aktualisiert Donnerstag, 4. April 2013, 10:47 Uhr

Diese Männer fluten die Welt mit Geld

Sie heißen QE3, Outright Monetary Transactions und Open-Ended Asset Purchasing Method – die geldpolitischen Programme der wichtigsten Zentralbanker der Welt. Mit ihnen und dem Einsatz der Notenpresse wollen Ben Bernanke, Mario Draghi und Haruhiko Kuroda die Konjunktur ankurbeln - in den USA, der Eurozone und in Japan.

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Ben Bernanke
„Helikopter-Ben" wird die Chance oder das Schicksal zuteil, eigene frühere Ideen in die Tat umzusetzen: Sollte der kurzfristige Nominalzins einmal bei Null liegen und die Fed weiteren Lockerungsbedarf sehen, hatte er 2002 vorgeschlagen, könnte sie die langfristigen Zinsen über die elektronische Druckerpresse senken. Die Rede ist viel zitiert worden, und seit 2008 tut er genau das. Wertpapierkäufe mit Zentralbankgeld haben die Bilanzsumme der Notenbank seither von rund 900 auf 2.965 Milliarden Dollar wachsen lassen. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Die Fed will die Zinsen so lange sehr niedrig halten, bis die US-Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gesunken ist. Bernanke versichert, dass die Fed das zusätzliche Geld - derzeit 2.000 Milliarden Dollar - den Banken rechtzeitig wieder wegnehmen wird, wenn Inflation drohen sollte. Alle hoffen, dass ihm das gelingt, ohne die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zu ziehen. Associated Press

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Mario Draghi
Was in den USA völlig selbstverständlich ist, galt in der Eurozone bis vor kurzem als Tabu: Der Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank, deren Chef Mario Draghi seit Herbst 2011 ist. Gebrochen hat dieses Tabu zugegebenermaßen schon Amtsvorgänger Jean-Claude Trichet. Aber Draghi hat diesem Instrument mit seiner Drohung notfalls unbegrenzter Käufe erst jene Wucht verliehen, die die jüngste finanzielle und konjunkturelle Abwärtsspirale im Euroraum zum Halten brachte. Wenn wir Glück haben, muss Draghi sein Staatsanleihekaufprogramm nie in die Tat umsetzen. An den Finanzmärkten wird „Magic Mario" geliebt - von Bundesbankpräsident Jens Weidmann aber eher nicht. Reuters

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Haruhiko Kuroda
Nach dem Führungswechsel in Japans Regierung und bei der Bank of Japan steuert die Geldpolitik auf einen neuen Höhepunkt zu. Ministerpräsident Shinzo Abe hat die Notenbank und ihren neuen Chef Haruhiko Kuroda dazu gebracht, ihre bisherigen Beschränkungen über Bord zu werfen. Die BoJ will jetzt so lange Staatsanleihen mit „frisch gedrucktem" Geld kaufen, bis die Inflationsrate bei 2 Prozent liegt. Hintergrund: Japan leidet schon so lange unter sinkenden Preisen, dass die Erwartung rückläufiger Preise für die Japaner schon völlig selbstverständlich ist. Das Phänomen der Deflation wollen die Japaner nun um jeden Preis beenden. Dass die Rosskur dem hoch verschuldeten und demographisch alternden Volk überhaupt etwas nutzen wird, bezweifeln viele Ökonomen. Reuters

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Zhou Xiaochuan
Der gelernte Chemieingenieur ist seit 2002 Chef der Chinesischen Volksbank, wie die Zentralbank der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt heißt. Dass er dabei selbst auch die Geldpolitik bestimmt hat, ist weniger sicher. Die Leitlinien der Wirtschaftspolitik setzt in China immer noch die Kommunistische Partei, deren Mitglied Zhou natürlich ist. China ist seit Jahren die Wachstumslokomotive Asiens und zieht Exporte und Investitionen aus aller Welt auf sich. Das bevölkerungsreichste Land der Erde hat auch schon die Schattenseiten des stürmischen Wachstums kennengelernt - die Immobilienpreise steigen schnell und die Banken vergeben zu viele Kredite. Zhou und seine Zentralbank müssen eine ausreichend wachstumsfreundliche Geldpolitik ständig mit dem Kampf gegen die Inflation verbinden. Zhou wurde in diesem Jahr trotz seines Alters von 65 Jahren für eine weitere Amtszeit gewählt. Associated Press

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Mervyn King
Der Gouverneur der zweitältesten Zentralbank der Welt geht Ende Juni in Rente. Und mit ihm geht der nach Alan Greenspan vielleicht wichtigste Verfechter des so genannten „Mopping-up-Approach", was zu Deutsch mit Ansatz zum Aufwischen zu übersetzen wäre. King ist wie der ehemalige Fed-Chairman der Ansicht, dass es unmöglich ist, Preisblasen im Markt zu erkennen - zum Beispiel bei Immobilien. Aktionen der Zentralbanken gegen mutmaßliche Preisblasen hielt er also für sinnlos. In Kings zehnjährige Amtszeit fällt die Bildung der schlimmsten Immobilienblase Großbritanniens seit Menschengedenken. Sie platzte in der Finanzkrise und löste die schwerste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise aus. Mit dem „Aufwischen" nach der geplatzten Blase ist King bis heute beschäftigt. Seine BoE kauft Wertpapiere wie der Teufel, das Zielvolumen beträgt 375 Milliarden Pfund. Kings Nachfolger wird der aktuelle Gouverneur der Bank of Canada, Mark Carney. Reuters

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Mark Carney
Der 48 Jahre alte Kanadier hat den Ruf, mit seiner Politik Kanada vor schlimmeren Auswirkungen der Finanzkrise bewahrt zu haben. Das Land, so heißt es, habe die Krise besser als andere überstanden. Carney, der der Bank of Canada seit 2008 vorsteht, wurde dafür jedenfalls von Financial Times und Time Magazin zum weltweiten „Topmann der Finanzwirtschaft" gekürt. Kritiker verweisen darauf, dass es zumindest in Teilen Kanadas Zeichen einer Immobilienpreisblase gibt. Als Carney zum Nachfolger Mervyn Kings bei der Bank of England nominiert wurde, machte er mit der Idee von sich reden, Zentralbanken ein Wachstumsziel vorzugeben und kein Inflationsziel. Recht bald nach seinem Amtsantritt wird der ehemalige Goldman-Sachs-Manager einen Brief an Schatzkanzler George Osborne schreiben müssen, in dem er diesem erklärt, warum die Inflationsrate um einen Prozentpunkt über dem Zielwert von 2 Prozent liegt. Sein Vorgänger King bringt es bisher auf solcher 14 Briefe. Reuters

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Thomas Jordan
Die Schweizerische Nationalbank, deren Präsident Thomas Jordan seit 2012 ist, kämpft seit der Verschärfung der Euro-Staatsschuldenkrise 2010 gegen die Aufwertung der Landeswährung Franken. Die Angst vor einem Auseinanderbrechen des Euro und die weltweit sehr lockere Geldpolitik trieb Investoren in Scharen in den Franken. Ein starker Franken verteuert Exporte aus der Schweiz und verbilligt die Einfuhren. Folge sind deflationäre Tendenzen, denen sich die SNB mit großer Entschlossenheit entgegenstellt: Sie hat einen Franken-Mindestkurs zum Euro von 1,20 Franken festgelegt und kauft Euro-Wertpapiere mit „frisch gedruckten" Franken. Der Leitzins liegt bei Null. Jordan kam etwas überraschend ins Amt, nachdem sein Vorgänger Philipp Hildebrand zurückgetreten war, weil er seine Glaubwürdigkeit durch dubiose Devisengeschäfte seiner Frau beschädigt sah. Reuters

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Glenn Stevens
Auch die Amtszeit des Gouverneurs der Reserve Bank of Australia (RBA) wurde kürzlich verlängert. Stevens hat sechs gute Jahre als Gouverneur hinter sich, was insgesamt auch für Australien gilt. Das Land ist seit 21 Jahren ohne Rezession. Seine Rolle als Rohstofflieferant Ostasiens, vor allem Chinas, ließ Australien gut durch Finanzkrise und Große Rezession kommen. Eine negative Presse hatte Australien zuletzt Ende 2012, als sich das Wachstum in China abschwächte und der Eisenpreis verfiel. Die Inflation konnte Gouverneur Stevens in den vergangenen sechs Jahren bei durchschnittlich 2,8 Prozent halten. Der Zielkorridor liegt zwischen 2 und 3 Prozent. Reuters

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Stefan Ingves
Eigentlich müsste der Chef der schwedischen Riksbank ja im EZB-Rat sitzen. Denn Schweden hatte sich bei der Grundsteinlegung für den Euro anders als Dänemark und Großbritannien nicht offiziell gegen eine Euro-Einführung entschieden. Das tat aber die Bevölkerung bei einer Volksabstimmung, hinter der sich Schweden seither verschanzt. Die Lust der Schweden auf den Euro hat in der Finanzkrise nicht zugenommen. Denn da zeigten Stefan Ingves und seine Riksbank, wie nützlich eine Geldpolitik sein kann, die auf andere Länder keine Rücksicht zu nehmen braucht. Ingves senkte die Zinsen entschlossener als die EZB-Kollegen und er hob sie auch schneller wieder an. 2012 allerdings bekamen die Schweden die Schattenseiten einer als sicher geltenden „kleinen" Währung zu spüren. Im Zuge der Euro-Krise wertete die Krone stark auf, was die Exportunternehmen verunsichert. Getty Images

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Alexandre Tombini
Brasiliens Zentralbankchef hat die Zinsen seit 2011 gesenkt. Er reagierte damit nicht nur auf die sich eintrübenden Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft, sondern auch auf ausländische Mittelzuflüsse über Wertpapier- und Direktinvestitionen. Tombini kritisiert die sehr lockere Geldpolitik von Fed-Chairman Ben Bernanke, weil sie Kapitalströme nach Brasilien lenkt, die sich im Falle einer Krise in Brasilien umkehren und zu Finanzierungsschwierigkeiten führen könnten. Inflation und Zinsniveau in Brasiliens sinken seit Jahren. Der Leitzins beträgt derzeit 7,25 Prozent, 1999 lag er noch bei 45 Prozent. Reuters

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Sergej Ignatjew
Der Absolvent einer Leningrader Hochschule ist seit zehn Jahren Chef der russischen Notenbank, und er ist der einzige europäische Zentralbanker, der eine Hyperinflation aus eigenem Erleben kennt. Als Ignatjew 1992 und 1993 noch stellvertretender Zentralbankchef war, stiegen die Verbraucherpreise um 1.526 Prozent und noch einmal um 875 Prozent. 1998 kam es im Gefolge der Rubel-Krise zu einem Abzug ausländischen Kapitals. Von derartigen Problemen ist Russland heute weit entfernt. Das Land verfügt dank seines Ölreichtums über die weltweit viertgrößten Devisenreserven. Die Geldpolitik der russischen Zentralbank wird immer noch stark vom Wechselkurs des Rubel bestimmt, der an einen Korb aus Dollar und Euro gebunden ist. Die Zentralbank hat aber mehrfach betont, dass sie ihre Geldpolitik künftig stärker direkt an den Inflationsaussichten ausrichten will. Reuters