Die Federal Reserve hat es sich zur Gewohnheit gemacht, immer dann einzuspringen, wenn die US-Wirtschaft Zeichen der Schwäche zeigt. Aber irgendwann muss das Bemuttern der Federal Reserve aufhören und die Wirtschaft auf eigenen Füßen stehen.

Der amerikanische Arbeitsmarkt zeigt Besserung und auch der Häusermarkt gewinnt wieder an Fahrt – insgesamt wirken Amerikas Finanzen gesund genug, um die Lohnsteuererhöhung wegzustecken, die in diesem Monat ansteht. Auch in Europa gibt es Hoffnung, dass der Kontinent der Rezession entkommt, und in China hat das Wachstum wieder angezogen. Sollten sich die Politiker in den kommenden Monaten auf ein längerfristiges Konzept für die Schuldenobergrenze und die Ausgaben des Staates einigen, könnte der Boden für eine sich selbst tragende Erholung bereitet sein.

Fed-Chef Ben Bernanke: Wann soll er die Anleihekäufe stoppen - und wann die Zinsen wieder anheben? Associated Press

Die Fed überlegt deshalb, wann wohl der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um ihr Liquiditätsprogramm zu beenden. Darüber kauft sie jeden Monat für 85 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen und hypothekengedeckte Wertpapiere.

Im Protokoll der Notenbanksitzung von Dezember heißt es, dass „einige" Entscheidungsträger die Meinung vertraten, dass die Fed ihre Käufe schon deutlich vor Ende des Jahres verlangsamen oder sogar stoppen sollte. „Einige wenige" wiederum fanden, sie solle bis Ende des Jahres weiterkaufen. „Einige wenige andere" nannten keinen Termin. Einer aber, vermutlich Jeffrey Lacker, der Präsident der regionalen Notenbank von Richmond, wollte die Anleihekäufe umgehend stoppen.

Der Verzicht auf weitere Wertpapierkäufe wäre der erste Schritt der Fed hin zu einer Normalisierung der Geldpolitik. Für die nächsten Schritte hatte die Fed selbst schon 2011 einen Pfad aufgezeichnet – als es letztmals so aussah, dass die Wirtschaft Fluchtgeschwindigkeit erreichen könnte.

Zunächst wird die Fed demnach das Geld, das ihr aus auslaufenden Staatsanleihen und Hypothekenpapieren zufließt, nicht wieder neu am Markt investieren. Dann wird sie den Satz für ihren Tagesgeldzins anheben. Im letzten Schritt wird sie schließlich damit anfangen, die langfristigen Schuldpapiere zu verkaufen, die sie über die Jahre angehäuft hat.

Was ist das richtige Tempo für Straffungen?

Der Anleihemarkt neigt dazu, der Fed vorauszulaufen, wenn sie auf eine straffere Geldpolitik umschaltet. Als die Notenbank im März 2004 erstmals signalisierte, dass sie über eine baldige Erhöhung des Leitzinses nachdenke, lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 3,7 Prozent. Ende April war sie bis auf 4,5 Prozent gestiegen. Einen ähnlichen Sprung machten die Anleiherenditen schon zu Beginn des vorherigen Straffungszyklus' im Jahr 1999.

Diese Männer fluten die Welt mit Geld

Natürlich wird die Fed sehr genau darauf achten, dass sie die Erholung am Immobilienmarkt nicht abwürgt. Wenn sie also ihr Wertpapierkaufprogramm einstellt, wird sie dies – wenn auch unter Schmerzen – vermutlich mit der klaren Botschaft an Anleger verbinden, dass es lange dauern wird, bis sie den nächsten Schritt auf dem Weg zur geldpolitischen Normalisierung gehen wird. Wahrscheinlich würden die Vertreter der Fed noch einmal sehr lautstark bekräftigen, dass sie die Zinsen solange nicht erhöhen werden, wie die Arbeitslosenquote über der Zielmarke von 6,5 Prozent liegt.

Das weckt Erinnerungen an den Straffungszyklus, der 2004 begann. Aufgeschreckt von einem sprunghaften Anstieg der Renditen versuchte die Fed, die Anlegersorgen zu beschwichtigen. Sie versprach, den Leitzins nur allmählich anzuheben. An der Front hatte sie Erfolg – allerdings schuf sie damit auch eine Selbstgefälligkeit, die letztlich die desaströse Immobilien- und Kreditblase mitverursachte.

Wenn sie diesmal den Ausstieg aus dem geldpolitischen Zyklus plant, muss die Fed alles daran setzen, damit sich dieser Fehler nicht wiederholt.

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