Einen Platz in der Unsterblichkeit ist David Wolkowsky und seiner Insel bereits zu Lebzeiten gewiss: Im James-Bond-Roman „Lizenz zum Töten" rettet sich Geheimagent 007 auf Wolkowskys Eiland und ruft den Eigentümer in Key West an: „David, ich bin auf Deine Insel eingedrungen. Ich hoffe, das macht Dir nichts aus." Das Eiland heißt Ballast Key - und ist die einzige Insel des Naturschutzgebiets Florida Key West National Wildlife in Privatbesitz. Jetzt steht die 110.000 Quadratmeter große Insel zum Verkauf.

Rund 15 Kilometer von Key West entfernt, ist Ballast Key die südlichste bewohnte Insel der USA. Der heute 94-jährige Wolkowsky erwarb sie Mitte der 1970er Jahre für 160.000 Dollar von der amerikanischen Navy, die diese während des Zweiten Weltkriegs als Übungsziel für Bombenabwürfe benutzt hatte.

Ballast Key: Vom Army-Übungsplatz zur Trauminsel

„Wenn ich Dinge betrachte", sagte Wolkowsky einmal, „dann suche ich immer nach ihrer Schönheit". Das Potenzial der mit Mangroven und Sträuchern überwucherten Koralleninsel entdeckte der Architekt und Stadtplaner sofort. Schon bald nach dem Kauf ließ er Palmen pflanzen und baute ein Haus an die Südspitze der Insel, das von einem alten Leuchtturm am Golf von Mexiko inspiriert und im Stil der sogenannten Conch Houses von Key West gehalten ist.

Die Orientierung an den auf Pfeiler gebauten, meist zweistöckigen Holzhäusern der Kleinstadt im Süden Floridas kommt nicht von ungefähr. Wolkowsky ist auch bekannt als „Mr. Key West" – dank des umtriebigen Investors können sich auch heute noch Touristen und Einheimische an den von Einwanderern aus den Bahamas erbauten Conch Houses erfreuen.

Vom Slum-Sanierer zum Insel-Besitzer

Als der gebürtige Key Westler 1962 nach seinem Architekturstudium in Philadelphia und der erfolgreichen Umwandlung der dortigen Slums von Society Hill und Rittenhouse Square in attraktive Wohngegenden in seine Heimatstadt zurückkehrte, nahm er die Stadtentwicklung von Key West in die Hand.

Nach und nach kaufte Wolkowsky viele der vom Verfall oder Abriss bedrohten Häuschen und renovierte sie. 1968 eröffnete er das legendäre Hotel „Pierhouse", in dessen „Chart Room Bar" Jimmy Buffett und Bob Marley ihre Karriere starteten. Bald entdeckten Künstler und Schriftsteller wie Truman Capote, Tennessee Williams und Isamu Noguchi den entspannten Lebensstil der kleinen Stadt, den Wolkowsky etabliert hatte.

David Wolkowsky auf seiner Privatinsel. Seelen

Nach dem Erwerb von Ballast Key fanden die Einwohner der Gegend schnell einen neuen Namen für das Eiland: „Wolkow's Key". Und auch hierher lockte er die prominenten Besucher, schließlich dauert die Fahrt von Key West mit dem Boot lediglich knapp 25 Minuten, der Flug mit dem Helikopter sogar nur zehn Minuten. Der Inselbesitzer hieß sie gerne willkommen und ließ ein Gästehaus mit drei Schlafzimmern erbauen. Später kam noch ein langer Anlegesteg dazu, damit die Gäste trockenen Fußes auf die von flachem Wasser umgegebenen Insel gelangen konnten.

Rockefellers und Nancy Sinatra zu Gast

Und das waren einige: Die Gästeliste reicht vom britischen Premier Edward Heath, einigen Rockefellers, Nancy Sinatra, Leonard Bernstein, Prinz Michael von Griechenland über Gloria Estefan und die Bee Gees bis hin zu Tennesse Williams, der hier gerne zeichnete. Die Künstler dankten es ihm mit zahlreichen Gemälden, die sich überall in den Häusern finden. Ein Schüler von Matisse zum Beispiel bemalte einen großen Paravent auf der Terrasse. Sowieso stapeln sich überall Bücher, Figuren, Bilder, die Wände sind voll mit persönlichen Erinnerungsfotos zahlreicher Prominenter.

Damit er und seine Gäste Sonne, Meer und Wind zu jeder Tageszeit genießen können, baute „Mr. Key West" in verschiedenen Ecken der Insel überdachte Holzdecks. Später ließ er noch eine Entsalzungsanlage installieren, damit genügend Trinkwasser verfügbar ist.

Wolkowsky formte sich seinen tropischen Traum. Sich auf die Insel einschleichen wie James Bond im Roman muss sich zumindest eine Person künftig nicht mehr. Wolkowsky verkauft „Wolkow's Key" für 15,8 Millionen US-Dollar, rund 12,2 Millionen Euro – der potenzielle Käufer kann sich dann ebenfalls so oft er will auf das Eiland zurückziehen. Obwohl Mr. Key West wahrscheinlich auch bei unangemeldeten Besuchern entspannt bleiben würde. In „Lizenz zum Töten" antwortet er dem Agenten: „Oh, wie raffiniert von Dir."

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