Im Tauziehen um die Aktionärsstruktur von EADS haben sich Frankreich und Deutschland endlich geeinigt. Der Rüstungsriese kann sich etwas aus der festen Umklammerung der Staaten befreien. Die staatlichen Aktionäre senken ihre Beteiligung deutlich - von mehr als 50 Prozent auf unter 30 Prozent. Daimler und die französische Lagardere wollen ihre Anteile verkaufen.

Deutsche und Franzosen halten künftig jeweils 12 Prozent an dem europäischen Konzern. Weitere 4 Prozent gehören Spanien. Im Zuge des neuen Aktionärspaktes soll es eine Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent geben. Diese dürfe nicht von einem Einzelaktionär überschritten werden. Vor möglichen Übernahmeversuchen wäre EADS dadurch geschützt.

Im Zuge des neuen Aktionärspaktes, der im ersten Halbjahr 2013 von einer außerordentlichen Hauptversammlung absegnet werden soll, wird EADS auch eigene Anteile von bis zu 15 Prozent zurückkaufen. So sollen auch Anteile vom deutschen Autobauer Daimler und Lagardere gekauft werden.

EADS-Chef Tom Enders zeigte sich zwar erfreut über die Einigung. "Dies ist ein großer Schritt hin zu einer neuen Führungsstruktur", sagte der Manager. Im Endeffekt dürfte er mit dem Ergebnis aber nicht zufrieden sein. Er wäre die Staaten am liebsten komplett losgeworden. Enders will ein Unternehmen nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten leiten und nicht nach politischen Befindlichkeiten. Der Einfluss der Staaten dürfte nach wie vor eine wichtige Rolle spielen.

Der EADS-Standort im bayerischen Ottobrunn - offenbar haben sich die Aktionäre auf einen Deal geeinigt. dapd

Das wird auch am Aktienmarkt so gesehen. "EADS wird weiterhin dem politischen Einfluss der beteiligen Staaten unterliegen, weil es immer noch ein Rüstungsgeschäft hat", sagte Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe in einer ersten Reaktion.

Bisher hielten Frankreich und Deutschland direkt und indirekt jeweils 22,5 Prozent der Aktien. Weitere 5,5 Prozent waren im spanischen Besitz. Der den Franzosen zuzurechnende Anteil ergab sich aus einer 15-prozentigen direkten Beteiligung des Staates und eines 7,5 prozentigen Anteils der heimischen Mediengruppe Lagardere. Deutschlands Stimmrechte nahm bisher Daimler wahr. Ihr gehören 15 Prozent der Aktien, die restlichen 7,5 Prozent liegen beim Bankenkonsortium Dedalus.

Daimler will nun sofort mit dem Verkauf von 7,5 Prozent der Aktien in einem beschleunigten Platzierungsverfahren beginnen. Die KfW soll dabei 2,76 Prozent der EADS-Aktien kaufen, die privaten Dedalus Investoren 1,9 Prozent. Daimler hält nach der Platzierung noch etwa weitere 7,5 Prozent der EADS-Aktien. "Grundsätzlich beabsichtigen wir, unseren Anteil noch weiter zu verringern", sagte Daimler-Vorstand Bodo Uebber. "Über den genauen Zeitpunkt und Vorgehensweise werden wir noch entscheiden."

Die Bundesregierung begrüßte den Deal. "Durch die nun erreichte Einigung kann die deutsch-französische Partnerschaft bei EADS in Balance weitergeführt werden," hieß es von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Partner seien sich über die Bedeutung der EADS-Standorte insbesondere für Forschung, Entwicklung und Produktion einig, betonte Merkel. EADS beschäftige schon heute rund 50.000 Menschen in Deutschland und ist eine wesentliche Säule des Hochtechnologiestandortes Deutschland.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte, EADS werde mit der Entscheidung "im globalen Wettbewerb gestärkt". Davon profitiere dauerhaft nicht nur das Unternehmen, sondern auch der Luft- und Raumfahrtstandort Europa und der Hochtechnologiestandort Deutschland. Zudem zeige die Verständigung, "dass große europäische Projekte auch in diesen für Europa schwierigen Zeiten partnerschaftlich auf den Weg gebracht werden können".

Ähnliches ist aus Frankreich zu hören. Der Präsident Francois Hollande erklärte, der neue Aktionärspakt gebe dem Konzern mehr Freiheit für die eigene Entwicklung und schütze zudem die nationalen Interessen von Frankreich, Deutschland und Spanien. EADS werde den Hauptsitz in der französischen Stadt Toulouse beibehalten und auch die Standorte der Töchter Astrium, Airbus und Eurocopter in Frankreich und den von Cassidian in Deutschland belassen.

Aktionäre reagieren erfreut

Auch am Aktienmarkt wurde der Deal in einer ersten Reaktion begrüßt. "Die geplanten Veränderungen sind ein großer Schritt nach vorne, um eine operative Unabhängigkeit zu erlangen, ohne dass die beteiligten Staaten ihren Einfluss auf das sensible militärische Geschäft verlieren", sagte Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe. "Durch diese Veränderungen gewinnen alle Beteiligten. Das Unternehmen wegen der neu gewonnenen Freiheit, die Staaten Frankreich und Deutschland wegen des Gleichgewichts und die Minderheitsaktionäre, da der Freefloat steigt".

Ob es künftig aber keine Reibereien zwischen den staatlichen Aktionären gibt, bleibt abzuwarten. Seit der Gründung von EADS im Jahr 2000 gab es immer wieder teils heftige Diskussionen um das Geschäft des Unternehmens. In der jüngsten Vergangenheit war die Brisanz aber gestiegen. So scheiterte der Konzern vor allem wegen des Widerstands Deutschlands mit seinem Plan, mit der britischen BAE Systems zu fusionieren. Hauptstreitpunkt waren Bedenken über den hohen staatlichen Einfluss. Seither wird an einer Neuaufstellung des Aktionärsbündnisses gearbeitet.

—Mitarbeit: Andreas Kißler und Barbara Millner

Kontakt zur Autorin: kirsten.bienk@dowjones.com