Wie hat sich die Wall Street im Wirbelsturm geschlagen? Dieser Frage versuchen die Börsenregulierer der USA gut einen Monat nach Sandys verheerendem Feldzug durch die Vereinigten Staaten auf den Grund zu gehen.

Als Sandy Ende Oktober wütete, war die New Yorker Börse zwei Tage lang geschlossen. Jetzt hat die von der Industrie finanzierte Finanzaufsicht Financial Industry Regulatory Authority, kurz Finra, ein ausführliches Gutachten über die Geschehnisse in Gang gesetzt. Darin wird untersucht, ob die Firmen trotzdem effektiv gehandelt haben. Es soll um die Notlösungen der Finanzunternehmen gehen, um mögliche Fehler und um Abstimmungsschwierigkeiten mit Börsen und Verrechnungsstellen. Das erklärte die Finra auf ihrer Website. Mit an Bord der Untersuchungen sind die Börsenaufsicht SEC und der Rohstoffregulierer CFTC, die die Antworten der unter ihrer Aufsicht stehenden Börsen auswerten wollen.

Die zweitägige Auszeit in New York war die erste wetterbedingte seit mehr als 120 Jahren. Die Großhändler und Banken hatten sich mit der NYSE ausgiebig über das Ob und Wie einer Schließung gestritten, bevor sie beschlossen wurde.

Ein Händler an der New York Stock Exchange, Ende Oktober, wenige Tage bevor Sandy an der Ostküste der USA eintraf. dapd

Mit dem Sturm kam die Frage auf, wie gut die Finanzindustrie auf derartige Katastrophen vorbereitet ist. Bisher hat sich in der Branche nichts geändert. Vertreter mancher Börsen, Banken und Händlern haben in den vergangenen Wochen über eine bessere Koordination im Fall der Fälle gesprochen – jedoch ohne Ergebnis. Eine Diskussion der gesamten Branche muss erst noch angestoßen werden. Und die NYSE will keine Umwälzungen: Ein Sprecher sagte, nachdem der Börsenbetreiber die Händler zu ihrer Position befragt habe, seien nur „kleine Veränderungen" geplant.

Die Börsen sind allerdings beschränkt in ihrem Spielraum. Die NYSE etwa kann Broker und Händler nicht dazu zwingen, ihren Notfallplan zu testen, sagen Eingeweihte.

Der Branchenverband Finra überwacht Broker und Händler an den US-Aktienmärkten sowie den Optionshandel. Für die Untersuchung fragte die Finra bei den Finanzunternehmen unter anderem nach, ob die Broker auf den NYSE-eigenen Notfallplan vorbereitet waren. Dieser Plan sieht vor, die Handelsräume der New Yorker Börse geschlossen zu lassen und stattdessen über das elektronische System des Betreibers zu handeln.

Der Notfallplan der New Yorker Börse wurde bereits 2009 entworfen. Als Sandy im Oktober Kurs auf New York nahm, warnten etliche Finanzunternehmen jedoch, dass Mitarbeiter der Börse nötig sein würden, um die ungewöhnliche Situation in den Griff zu bekommen. Die Schließung der Börse war ein Kompromiss zwischen Firmen und der Börse – die Händler hatten nichts dafür übrig, den Online-Handel offen zu halten, zu riskant schien ihnen der Plan.

Die Finra will in ihrer Überprüfung auch herausfinden, ob die Notfallpläne der Finanzdienstleister selbst überholt werden müssen. Deshalb fragte der Verband auch danach, wie die Notfallsysteme anderer, elektronischer Börsen funktionierten, wie etwa die Nasdaq und BATS.

Manche New Yorker Finanzdienstleister haben Back-Up-Büros in Jersey City im Bundesstaat New Jersey. Die Stadt wurde auch von Sandy heimgesucht. Also überlegen die Behörden, ob die Institute zwingen sollten, Vertretungen weiter weg aufzubauen, wie das Wall Street Journal von Insidern erfuhr.

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