Apple lockt Kunden in das eigene geschlossene System, die dann in regelmäßigen Abständen neue Geräte kaufen. dapd

Ob Apples Aktienabsturz gerechtfertigt ist, lässt sich an einer Frage festmachen: Ist der iPhone-Hersteller ein Hardware- oder Softwareanbieter? Derzeit ist das Unternehmen eher Letzteres. Und das ist der Grund, warum der Wertverlust von 22 Prozent bei den Aktien seit dem Hoch von September für Investoren eine großartige Chance ist.

Die Geschichte der Hardware ist für die Unternehmen unschön – vor allem durch den rapiden Fortschritt der Technik. Sonys einst populärer Walkman war bald veraltet, die Fernseher wurden gewöhnlich. Weder die Größe noch die Erfahrung bewahrten Dell oder Hewlett-Packard HPQ +0,13% Hewlett-Packard Co. U.S.: NYSE $38,05 +0,05 +0,13% 02 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 7,10 Mio. NACHBÖRSLICH $38,05 0,00 % 02 Sept. 2014 16:54 Volumen (​15 Min. verzögert) : 125.271 KGV 14,14 Marktkapitalisierung 71,11 Milliarden $ Dividendenrendite 1,68% Umsatz/Mitarbeiter 353.808 $ bei PCs vor dem Niedergang. Das iPhone führte zum Verfall des Werts der Nokia NOK1V.HE +1,43% Nokia Corp. Finland: Helsinki 6,40 +0,09 +1,43% 02 Sept. 2014 18:29 Volumen (​15 Min. verzögert) : 13,93 Mio. KGV 10,84 Marktkapitalisierung 23,61 Milliarden € Dividendenrendite 4,07% Umsatz/Mitarbeiter 266.889 € -Aktie und der Papiere von Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM). Der Börsenwert aller fünf Unternehmen zusammen beträgt heute laut dem Finanzdatenunternehmen Factset nur noch 75 Milliarden US-Dollar. Apple ist sieben Mal so viel wert.

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Das liegt vor allem am Geheimrezept des iPhones, das weniger ein Handy ist als ein Computer mit einer Software, welche die Anrufe übernimmt, Musik spielt sowie Spiele, Navigation, Fotos, Webzugriff und mehr ermöglicht. Eingepackt in eine elegante und dennoch stabile Hardware-Hülle und kombiniert mit Apples starker Marke erzielt das iPhone 5 einen Preis von im Durschnitt weit über 600 Dollar, wenn die Nachlässe einiger Mobilfunkprovider abgezogen werden, die diese ihren Kunden beim Kauf eines iPhones gewähren. Die Bruttomarge beim iPhone ist riesig: Nach Schätzung des Analysten Rob Cihra von Evercore liegt sie bei rund 50 Prozent für das Geschäftsjahr, das kommenden September endet.

Nokias Bruttomarge erreichte 40 Prozent im Jahr 2003, so Factset, liegt jetzt aber bei rund 26 Prozent. Für den Blackberry-Hersteller RIM wird eine Bruttomarge von weniger als 30 Prozent in diesem Jahr bis Februar erwartet. Den Höhepunkt erreichten die Kanadier 2006 mit einer Bruttomarge von 55 Prozent. So wie ihre eigenen hohen Margen durch Rivalen attackiert wurden, wollen Apples Konkurrenzen nun auch ein Stück von Apples Gewinn einstreichen.

Das Glück der Apple-Investoren: Die Software des Konzerns schützt einen beträchtlichen Teil der Profite. Die Software des iPhone ist eine Welt für sich, ein „walled garden", für den die Entwickler ihre Apps schreiben, die dann nur auf Apples System laufen.

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In Zukunft werden es neue Technologien möglicherweise erlauben, sämtliche Apps über das Web auszuliefern – und damit für jedes Gerät. Dann würden sich Smartphones zu Geräten mit geringer Marge wandeln, die vor allem das Trägermedium für fremde Software sind – so wie heute schon PCs. Doch bis dahin ist der Weg noch weit. So sagte zum Beispiel Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass es der größte Fehler des Unternehmens gewesen sei, die mobilen Apps auf Basis von Web-Technologie zu entwickeln statt speziell geschriebene Programme für die einzelnen Plattformen wie der von Apple zu nutzen. Er hat seine Entscheidung revidiert.

Eine unmittelbarere Gefahr für Apple besteht darin, dass ein anderes geschlossenes System aufholt und Apples Möglichkeiten untergräbt, weiter einen hohen Preis für seine Premium-Geräte zu verlangen. Smartphones mit Googles Android-System wurden dieses Jahr bis zum September drei Mal so häufig verkauft, so Analysten. Allerdings liegt das auch daran, dass auf Low-End-Geräten häufig Android läuft.

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Es ist schwer zu sagen, wie viel mehr Apple für das iPhone 5 verlangen kann als ein anderer Hersteller für ein vergleichbares Android-Gerät. Doch wenn wir mal annehmen, dass es beispielsweise 15 Prozent sind und dieser Aufschlag wegfallen würde, könnte Apples Bruttomarge im Geschäftsjahr 2014 fast 30 Prozent niedriger ausfallen als es Cihra vo Evercore heute vorhersagt – zumindest wenn Kostenreduktionen das nicht ausgleichen. Der Gewinn pro Aktie könnte bei rund 46 Dollar liegen statt bei 60 Dollar.

Dass die Profite geringer ausfallen, ist ein Risiko. Dass das Wachstum nach Stückzahlen geringer ausfallen wird, erscheint bereits sicher. Das iPhone wird nun von den meisten Mobilfunkprovidern rund um die Welt angeboten. Nachdem T-Mobile USA am Mittwoch die iPhone-Aufnahme verkündete und China Mobile es möglicherweise nächstes Jahr ins Programm nimmt, sind keine großen Provider von Wert mehr übrig, die Apple ins Visier nehmen könnte.

Die nächste Stufe des Wachstums könnte ein preisgünstigeres Gerät für Kunden mit günstigeren Verträgen werden. Apple entschied sich auch dazu, eine günstigere Version des ersten mobilen Verkaufsschlagers, dem iPod, zu präsentieren und hat kürzlich das günstigere iPad Mini vorgestellt. Derartige Schritte ergeben Sinn, weil die Macht von Apples Geschäftsmodell darin liegt, Kunden in ihr geschlossenes System zu locken.

Stärken und Schwächen der Tablets

Schon jetzt hat das Unternehmen vermutlich deutlich mehr iPhones allein durch die frühere Entscheidung verkauft, mehr Nutzer über die Einführung eines billigeren iPods anzusprechen. Nun verwaltet eine größere Zahl von Nutzern ihre Musik mit iTunes. Ein preiswerteres iPhone könnte Millionen zusätzlicher Kunden in Apples mobiles System locken.

Letztlich neigen solche Nutzer dazu, alle paar Jahre neue Apple-Geräte zu kaufen, um die neueste Hardware und Software nutzen zu können. Jeder kurzzeitige Rückschlag bei der Profitabilität durch Nutzer, die günstigere Geräte haben wollen, sollte durch neu gewonnene Kunden ausgeglichen werden, die dann alle paar Jahre neue Apple-Geräte kaufen. Das Risiko bleibt, dass andere Produkte Apples Premiumpreis und Margen untergraben. Sogar Microsoft MSFT -0,75% Microsoft Corp. U.S.: Nasdaq $45,09 -0,34 -0,75% 02 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 22,42 Mio. NACHBÖRSLICH $45,00 -0,09 -0,20% 02 Sept. 2014 17:23 Volumen (​15 Min. verzögert) : 531.684 KGV 16,95 Marktkapitalisierung 374,34 Milliarden $ Dividendenrendite 2,48% Umsatz/Mitarbeiter 677.570 $ hat letztlich ein respektables mobiles Betriebssystem geschaffen. Doch selbst wenn Apple stärkerem Wettbewerb ausgesetzt ist, ist die Aktie immer noch nicht besonders teuer.

Eine pessimistische Gewinnschätzung von 46 Dollar pro Aktie für das Geschäftsjahr 2014 würde immer noch ein gutes profitables Geschäft bedeuten. Das würde einen Aktienpreis implizieren, der nur beim neunfachen der Gewinne liegt – wenn man die riesigen Cash-Reserven von Apples Bilanz abzieht.

Das Handy-Geschäft war in der Vergangenheit durch einzelne Besteller getrieben. Die heißesten Geräten verschlangen den Markt, nur um kurz darauf doch noch populärere Geräte abgelöst zu werden. Das Geniale am iPhone war, dass es diesen Kreislauf durchbrochen hat. Seine herstellereigene Software und sein revolutionäres Design hat die Nutzer dazu ermutigt, beim dem Gerät mit jeder neuen Softwareversion zu bleiben.

So lange Apple seinen Vorsprung bei Software halten kann – und weitere Fehler wie beim Fiasko mit Apple Maps vermeidet, das Nutzer frustriert hat – sollte das periodisch wiederkehrende Geschäft weiterhin große Gewinne für die Anteilseigner generieren.

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