Die Wähler Italiens haben die Refinanzierung des Landes kostspieliger gemacht. Mit der Abwahl der Technokratenregierung des früheren Ministerpräsidenten Mario Monti und der damit einhergehenden Absage an den Reformkurs des Landes sind die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen am Mittwoch bei einer Neuemission auf den höchsten Stand seit Oktober 2012 gestiegen. Gleichwohl halten Anleger dem schuldengebeutelten Staat die Stange. Denn besonderes Augenmerk legen die Akteure an den Finanzmärkten auf die Nachfrage nach den Schuldtiteln, die sich in der Zeichnungsquote widerspiegelt. Und die ist etwas besser ausgefallen als zuletzt.

Damit scheint der Wahlausgang zumindest nicht grundsätzlich die Refinanzierungsfähigkeit des Landes in Frage zu stellen. Untermauert wird diese Sicht dadurch, dass Italien mit dem Platzierungsvolumen von 6,5 Milliarden Euro das angepeilte Maximum am Markt unter bringen konnte.

Der vermeintlichen Reformkräfte, der frühere Ministerpräsident Mario Monti und Pier Luigi Bersani vom Mitte-Links-Bündnis, haben bei den Wahlen nicht die von den Finanzmärkten erhoffte Mehrheit errungen. Reuters

Die Zeichnungsquote für die Titel mit Fälligkeit 2017 stieg auf 1,61 von zuletzt 1,30 Ende Januar. Die Rendite legte auf 3,59 von 2,94 Prozent deutlich zu. Bei der zehnjährigen Laufzeit stellte sich eine Zeichnungsquote von 1,65 ein, nachdem sie Ende Januar bei der Aufstockung der Vorgängerserie noch 1,32 betragen hatte. Die Rendite zog hier auf 4,83 von 4,17 Prozent an. Immerhin blieb die Rendite damit unter der Schallmauer von 5 Prozent.

Der Euro und damit ein Leidtragender der italienischen Verhältnisse erholte sich nach der Auktion leicht und eroberte die Marke von 1,31 Dollar zurück. Die Gemeinschaftswährung war zuvor im Zuge der Italienwahl von 1,33 bis unter 1,31 Dollar gefallen. Die Aktienmärkte reagierten kaum auf die Auktion. Auch der Leitindex Mib in Mailand zeigte sich relativ unbeeindruckt. Am Sekundärmarkt gab die zehnjährige Rendite für italienische Anleihen etwas nach.

Vor allem italienische Banken dürften gekauft haben

Annalisa Piazza, Volkswirtin bei Newedge, sieht das Ergebnis der Auktion dennoch eher skeptisch, denn hinter den Käufern dürften vor allem italienische Banken stehen. Sie glaubt nicht, dass ausländische Investoren eine große Rolle gespielt haben. „Investoren werden ihre Positionen nicht gänzlich überdenken, aber die Verkäufer dürften in den kommenden Wochen den Ton angeben", sagt Natixis-Stratege Cyril Regnat und erwartet daher einen eher negativen Grundton für italienische Anleihen.

Die wegen des Wahlausgangs befürchtete erneute Verschärfung der Eurokrise bleibt also trotz der soliden Auktionsergebnisses weiter im Bereich des Möglichen. Die unmittelbaren Marktreaktionen nach dem Wahlausgang lieferten einen ersten Vorgeschmack, was folgen könnte: Während die Aktienbörsen weltweit auf Talfahrt gingen, zogen die Renditen der Eurokrisenländer an. Italien hat das zweitgrößte Schuldenproblem in der Eurozone. Dass die Eurokrise ihr früheres Eskalationsniveau erreicht, scheint jedoch unwahrscheinlich. Das dürfte die Europäische Zentralbank mit ihrem Versprechen verhindern, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen.

Das italienische Wahlergebnis ist nach Ansicht des Wirtschaftsweisen Lars Feld dennoch ein Rückschlag für die Stabilisierung der Eurozone. „Investoren werden ihr Kapital aus Italien abziehen", sagte der Freiburger Finanzwissenschaftler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dies werde sich in steigenden Risikozuschlägen für die italienischen Zinsen niederschlagen. Die italienische Wirtschaft werde nicht aus der Rezession herausfinden.

„Damit ist die Tragfähigkeit der italienischen Staatsfinanzen erneut infrage gestellt. Die Eurokrise wird daher in Kürze mit aller Macht zurückgekehrt sein", sagte Feld. „Offenbar sind die Italiener nicht bereit, den Weg der Reformen weiterzugehen, der unter Mario Monti eingeschlagen wurde. Sie können jedoch nicht erwarten, dass die europäischen Partner oder die EZB ohne diese Reformbereitschaft zur Stabilisierung der italienischen Wirtschaft bereit sind."

Anleiherenditen in Euro-Krisenländern steigen

Die Frage nach einer Rückkehr der Eurokrise lässt sich am ehesten an den Renditen italienischer Staatsanleihen und der in Geiselhaft befindlichen Zinsen der übrigen Europeripherie ablesen. Am Vortag stieg die Rendite zehnjähriger Italienanleihen am Sekundärmarkt auf das höchste Niveau seit Ende November. Insofern überraschen die gestiegenen Renditen bei der Auktion am Mittwoch kaum.

Welchen Einfluss die Italienwahl auf die Stabilität der Eurozone hat, wird sich noch erweisen. dapd

Mittelfristig dürften Anleger vor allem auf die Entwicklung der Renditen für Anleihen mit Laufzeiten bis zu drei Jahren achten. Denn an diesen werden sie ablesen können, ob die Märkte fürchten, dass ein politischer Stillstand die Unterstützung der Europäischen Zentralbank und ihres Anleihekaufprogramms wieder zunichte macht. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, glaubt zwar nicht, dass Italien selbst ein Kandidat für das Anleihekaufprogramm OMT ist, doch wird die EZB nach seiner Einschätzung notfalls unschuldigen Zeugen der italienischen Vorgänge zur Hilfe eilen - zum Beispiel Spanien. „Gleichwohl glauben wir, dass die EZB, Brüssel und Berlin betonen werden, dass dieses Sicherheitsnetz auch einem Italien zur Verfügung steht, das die Kurve kriegt", meint er.

„Gegen die tiefen Taschen der EZB werden Anleger nicht wetten wollen, zumal die Finanzministerien der Peripherieländer Druck auf die von ihnen beaufsichtigten Banken, Versicherungen und Pensionsfonds ausüben, eigene Staatsanleihen zu kaufen", argumentieren die Commerzbank-Volkswirte Jörg Krämer und Ulrike Rondorf.

Politischer Stillstand schlecht für Anleihekurse

Die Anleihen anderer Peripheriestaaten wie Spanien sind im Fahrwasser Italiens ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. Im Gegenzug fliehen viele Anleger in den sicheren Hafen deutscher Bundesanleihen. Dort sinken die ohnehin bereits niedrigen Renditen wieder. Auch Schuldtitel anderer Staaten mit vergleichsweise guter Bonität profitieren.

Schlimmer noch als die Abstrafung der Reformwilligen wiegt an den Finanzmärkten allerdings das politische Patt. Italien droht ein elend langer Verhandlungspoker um die Regierungsbildung mit ungewissem Ende. Möglicherweise werden die Italiener in einigen Monaten erneut an die Wahlurnen gerufen - wieder mit ungewissem Ausgang. „Keine Nachrichten über eine Regierungsbildung in Italien sind schlechte Nachrichten für den Anleihemarkt", betont Marktstratege Orlando Green von Credit Agricole.

Die Commerzbank-Ökonomen Krämer und Rondorf sehen sogar einen Vorteil darin, dass Italien vorerst keine handlungsfähige Regierung hat. „Die im Wahlkampf von vielen geforderten Steuersenkungen dürften zunächst nicht beschlossen werden", argumentieren sie. Weniger schön ist ihrer Ansicht nach, dass weitere Reformen nun noch unwahrscheinlicher geworden sind. „Anders als Spanien, Portugal und Irland hat Italien gemessen an den Lohnstückkosten bisher nichts von dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit wettgemacht, den das Land vor dem Eintritt in die Währungsunion bis zum Ausbruch der Staatsschuldenkrise erlitten hatte. Wegen des fehlenden Reformdurchbruchs dürfte es dabei leider bleiben."

Kontakt zum Autor: florian.faust@dowjones.com