Mittwoch, 27. Februar 2013, 15:56 Uhr

Die Baustellen von Air Berlin

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1. Zu geringe Gewinne
Deutschlands zweitgrößte Airline verdient noch zu wenig Geld. 2012 blieben nur dank des Verkaufs von Tafelsilber und eines harten Sparkurses ein paar Euro in der Kasse. In den Jahren 2008 bis 2011 verloren die Berliner viel Geld. Die Kosten waren zu hoch, die Ticketpreise zu niedrig. Analysten sind noch nicht überzeugt davon, dass Air Berlin nun über den Berg ist. dapd

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2. Schulden bleiben
Air Berlin steht das Wasser bis zum Hals. Der Schuldenberg sank zwar Ende 2012 auf 770 Millionen Euro. Die Fluggesellschaft muss aber weiter hohe Zinsen für ihre Anleihen zahlen. Das Eigenkapital betrug zum Jahresende nur noch 130 Millionen Euro. Mit der Wandelanleihe steigen Schulden und Zinskosten nun wieder. dapd

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3. Geld ist teuer
Investoren trauen Air Berlin immer weniger über den Weg. Geld bekommt das Unternehmen nur noch, wenn es hohe Zinszahlungen verspricht. Zuletzt 6 Prozent für eine Wandelanleihe - das ist mehr, als solide Unternehmen ihren Geldgebern bieten müssen.
dapd

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4. Sparprogramm hilft nicht
Sparen reicht noch nicht. Das Programm „Shape & SWize" hat 250 Millionen Euro Einsparungen gebracht. Mit „Turbine 2013" tritt Air Berlin aber noch stärker auf die Kostenbremse. Bis Ende 2014 soll es weitere 450 Millionen Euro Ersparnis bringen. Außerdem wurden Teile des Tafelsilbers an Großaktionär Etihad verkauft: 184 Millionen Euro brachte die Mehrheit am Vielfliegerprogramm.
dapd

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5. Keine klare Strategie
Die Airline taumelt irgendwo zwischen Billigflieger, Charteranbieter und Netzwerkcarrier. Sie umwirbt alle Kunden gleich, egal ob Reiseveranstalter, Privat- oder Geschäftsreisende. Die Kosten liegen auf dem Niveau von Vollserviceanbietern, wie beispielsweise Lufthansa, die Einnahmen aber nur auf Low-Cost-Niveau.
dapd

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6. Pilotenwechsel
Hartmut Mehdorn, der ohnehin nur kommissarisch im Cockpit saß, musste im Januar gehen. Ob Nachfolger Wolfgang Prock-Schauer die ersehnte Langfrist-Lösung ist, bleibt abzuwarten. dapd

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7. Überkapazitäten belasten
Die Flugzeugflotte ist zu groß. Wegen geringer Nachfrage starten Maschinen mit leeren Sitzplätzen. Die Airline will die Zahl der eingesetzten Flieger reduzieren, bekommt aber noch weitere Maschinen von Herstellern aus früheren Bestellungen ausgeliefert.
dapd

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8. Uneinheitliche Flugzeugflotte
Aus jedem Dorf einen Hund: Viele verschiedene Flugzeuge verursachen sehr hohe Wartungs- und Reparaturkosten. Skaleneffekte stellen sich nicht ein. Air Berlin plant eine Harmonisierung.
dapd

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9. Scharfe Konkurrenz
Lufthansa ist aufgewacht und macht Air Berlin beispielsweise in der Bundeshauptstadt mit Kampfpreisen das Leben schwer. In Hamburg hat die Fluggesellschaft bereits gewonnen. Air Berlin musste die Rennstrecke nach Frankfurt einstellen.
dapd

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10. Rahmbedingungen bleiben mies
Hohe Treibstoffpreise, Luftverkehrsteuern und die Kosten für den Emissionshandel werden wohl auch künftig schwer auf den Flügeln der Fluggesellschaft lasten. Die Schuldenkrise in einigen europäischen Staaten verschärft die Situation, denn die Reiselust sinkt. Und Air Berlin kann die Kosten kaum über höhere Ticketpreise weiterreichen – der Preiswettbewerb ist einfach zu groß.
dapd

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11. Verspätete Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg
Air Berlin wollte den neuen Hauptstadtflughafen zum internationalen Drehkreuz ausbauen. Viele Umsteigemöglichkeiten sollten das Geschäft bereits ab Sommer 2012 brummen lassen, doch Baumängel ließen die Eröffnung in weite Ferne rücken. Den Schaden in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe hat die Airline zwar beim Flughafenbetreiber eingeklagt. Der will aber unter keinen Umständen zahlen.
dapd