Chinas Militär steht seit Wochen wegen Hacking-Attacken auf internationale Ziele in den Schlagzeilen – vor allem amerikanische Unternehmen und Regierungsstellen waren von den mutmaßlichen Angriffen betroffen. Jetzt erhebt das Verteidigungsministerium in Peking Gegenvorwürfe: Zwei Webseiten des chinesischen Militärs seien im vergangenen Jahr das Ziel von mehr als 100.000 Hackerangriffen pro Monat gewesen. Mindestens zwei Drittel davon seien aus den USA gekommen.

Chinas Vorwürfe zeigen, wie Online-Attacken die Beziehung zwischen den beiden Ländern belasten. Das US-Militär und die Regierung in Washington sehen in Chinas Militär seit langem den Schuldigen für schwere Attacken auf US-Ziele – bisher haben sie aber eindeutige öffentliche Beschuldigungen ivermieden.

In einem Text auf der Internetseite des chinesischen Verteidigungsministeriums beschuldigte der Sprecher nicht speziell die US-Regierung, Schuld an den Attacken zu sein. Aber er zitierte „US-Medienberichte", die seiner Aussage nach zeigen, dass die USA eine Strategie erarbeitet hätten, um Cyber-Attacken zu verstärken, mit denen die USA Angriffen auf ihre eigenen Systeme zuvorkommen will. So soll das Personal für Hacker-Attacken ausgebaut und Regeln dafür erarbeitet werden. Welche Medienberichte der Sprecher zitiert, blieb unklar.

In der Erklärung kommentierte der chinesische Sprecher, diese Pläne seien „nicht hilfreich" für die Pläne der internationalen Gemeinschaft, die Sicherheit im Internet zu erhöhen. „Wir hoffen, dass die Vereinigten Staaten das erklären", hieß es. Die Cyber-Attacken auf die Seiten des Verteidigungsministeriums und des chinesischen Militärs haben der Erklärung zufolge zugenommen: Laut IP-Adressen seien es im Jahr 2012 pro Monat 144.000 gewesen. 62,9 Prozent davon seien aus den USA gekommen, heißt es in der Erklärung.

Der Sprecher ging nicht genauer darauf ein, ob sich die angeblichen Attacken nur gegen die Webseiten richteten, oder auch gegen die Datenbanken des Militärs. Gleichzeitig schmetterte er erneut den Mandiant-Bericht ab, der die Chinesen des Hackens bezichtigt hatte.

USA beschuldigen China

Das US-Unternehmen Akamai Technologies misst größere Datenströme im Internet. Nach Angaben der Firma war China im dritten Quartal des vergangenen Jahres die wichtigste Quelle von Datenströmen durch Cyberangriffe – aus China kam ein Drittel des Traffics, aus den USA 12 Prozent, aus Russland knapp 5 Prozent.

Die USA dagegen sind überzeugt davon, dass China Cyber-Attacken durchführt. Das betonte etwa Mike Rogers, republikanischer Vorsitzender des House Intelligence Committee, dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, am Sonntag in einem Fernsehinterview. Sie würden ihre „militärischen und geheimdienstlichen Strukturen benutzen, um intellektuelles Eigentum von amerikanischen, europäischen und asiatischen Firmen zu stehlen, es zu verwenden und dann mit den USA auf dem internationalen Markt zu konkurrieren". Es sei „beispiellos". Die USA müssten den Chinesen jetzt klar machen, „dass es dafür einen Preis zu zahlen gibt".

In den vergangenen Wochen rückte Chinas mögliche Rolle bei Cyberangriffen in die öffentliche Aufmerksamkeit. Auch das Wall Street Journal wurde von chinesischen Hackern attackiert – die wahrscheinlich Verbindungen zur dortigen Regierung und zum Militär hatten.

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