Es geht ums Timing. Eigentlich eine Binsenweisheit für Aktieninvestoren, doch bei Modeaktien noch entscheidender. Denn die Modezyklen sind kürzer, die Kunden wählerischer und sprunghafter, dazu ist Konkurrenz groß. Kultmarken können schnell in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, wenn jeder den einstigen Geheimtip kennt und trägt, Qualität und Preis nicht mehr stimmen oder sich ein Trend einfach abgenutzt hat.

Ein Paradebeispiel für den tiefen Fall ins Wellental nach einen grandiosen Aufstieg aus dem Nichts ist die australische Surfermarke Billabong. Über ihr sind die Börsenbrecher heftig zusammengeschlagen. Statt 15 australische Dollar zu Hochzeiten ist sie gerade noch knapp einen einzigen wert, halb so viel wie einst beim Börsengang im Jahr 2000. Die Erfolgsgeschichte von Gründer Gordon Merchant droht zu versanden.

Aus seiner selbstgeschneiderten Boxenshort für Surfer schuf er einen weltweit präsenten Life-Style-Konzern. Doch die Begeisterung der trendbewussten Jugend für die Marke schwindet, die Umsätze sinken, verschärft durch die starke Landeswährung. Rettung könnte wohl nur eine Übernahme bringen. Immerhin, an Interessenten mangelt es nicht. Alleine in diesem Jahr gab es fünf Offerten, die letzte in der Woche vor Weihnachten für 1,10 australische Dollar je Aktie. Das Management will weiter für die Unabhängigkeit kämpfen. Doch es scheint, als braucht die Surfmarke jetzt ein Rettungsboot. Ob dann der Turnaround gelingen wird?

Eine Filiale von Urban Outfitters in Philadelphia - Analysten raten zum Kauf der Aktie. dapd

Dass eine Wende klappen kann, zeigt Urban Outfitters. URBN +0,31% Urban Outfitters Inc. U.S.: Nasdaq $39,27 +0,12 +0,31% 21 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,52 Mio. NACHBÖRSLICH $39,26 -0,01 -0,02% 21 Aug. 2014 17:08 Volumen (​15 Min. verzögert) : 11.961 KGV 21,46 Marktkapitalisierung 5,25 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 138.754 $ Ihren Mix aus noch preiswerter Design- und Vintagekleidung plus Accessoires bietet die US-Modekette mittlerweile auch in fünf deutschen Läden an. Den Schritt nach Europa hatte Urban Outfitters im Vereinigten Königreich gestartet. Doch der Aktienkurs verläuft ähnlich volatil wie der Geschmack der Zielgruppe. Die Kaufblockade der US-Verbraucher als Folge der Lehman-Krise hatte den einstigen Highflyer abstürzen lassen. Seit Oktober geht der Kurs wieder Richtung Allzeithoch. Im Durchschnitt nennen Analysten 43 Dollar als Kursziel, was eine Verdoppelung seit Ende September wäre. Derzeit liegt die Aktie bei rund 38. Analysten mögen Urban Outfitters – die Buy-Empfehlungen überwiegen. So spricht UBS UBSN.VX -0,62% UBS AG Switzerland: SWX Europe CHF16,15 -0,10 -0,62% 22 Aug. 2014 11:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,51 Mio. KGV 18,35 Marktkapitalisierung 61,78 Milliarden CHF Dividendenrendite 1,55% Umsatz/Mitarbeiter 576.779 CHF langfristig von einer herausragenden Wachstumsstory. Über eine ausgefeilte Orderlogistik verstehe es die Kette immer besser, zu hohe Lagerbestände zu vermeiden und mehr Kleidung zum vollen Preis statt über Räumung per Sale loszuschlagen. Gut für die Margen - und die Anleger.

Voll auf die Eigenmarken setzt Abercrombie & Fitch ANF -1,05% Abercrombie & Fitch Co. U.S.: NYSE $43,50 -0,46 -1,05% 21 Aug. 2014 16:03 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,40 Mio. NACHBÖRSLICH $43,41 -0,09 -0,21% 21 Aug. 2014 16:47 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2.488 KGV 88,78 Marktkapitalisierung 3,20 Milliarden $ Dividendenrendite 1,84% Umsatz/Mitarbeiter 54.674 $ und nutzt die Käufer gleichzeitig als Werbefiguren. Ob mit dem Elch-Symbol, vollem Label oder kurz A&F, vor allem aber mit dem eigenständig auftretenden Ableger Hollister, die Marke ziert viele Pullover und Shirts auf Deutschlands Straßen. Der US-Textilkonzern hat Europa entdeckt und erobert, die Zahl der Läden hat sich binnen drei Jahren mehr als verfünffacht, in Deutschland sind es alleine 17. Der Marge tut dies mehr als gut. Vom Umsatz blieben in den USA im dritten Quartal 23 Prozent als Betriebsgewinn übrig, im Ausland dagegen 31 Prozent. Und während der Umsatz in den USA leicht sinkt, hat er international seit Jahresbeginn um über 30 Prozent zugelegt.

Das gibt dem Unternehmen eine neue Wachstumsstory, nachdem der Kurs seit Mitte 2011 von rund 75 Dollar vorübergehend um 60 Prozent abgestürzt war. Aktuell sieht es nach einer Rückkehr des Erfolgs aus: Analysten und Investoren gewinnen wieder Zutrauen. Seit dem Oktober-Tief bei 30 Dollar ging es rasant nach oben auf über 45 Dollar. Doch die volatile Kursentwicklung bei A&F zeigt auch, dass Erfolgsstories in der Modebranche nicht von Dauer sein müssen. Billabong, aber auch Abercrombie können ein Lied davon singen. Denn wenn eine Trendsettermarke für Insider zu sehr den Massenmarkt erobert, geht der Zauber und die Einzigartigkeit verloren und der Geschäftserfolg wackelt.

Diese Mode gibt es an der Börse

Eine bislang unerschütterliche Erfolgsstory kann dagegen Inditex ITX.MC -1,27% Industria de Diseno Textil S.A. Spain: Madrid 21,85 -0,28 -1,27% 22 Aug. 2014 11:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 570.565 KGV 29,06 Marktkapitalisierung 68,13 Milliarden € Dividendenrendite 1,30% Umsatz/Mitarbeiter 131.549 € aufweisen. Inditex oder in Langform Industrias de Diseño Textil, nie gehört, mag sich mancher denken. Doch dahinter verbergen sich die Modetempel von Zara oder Bershka, die auch die deutschen Einkaufsmeilen erobert haben. Die weltweite Nummer 1 im Modeeinzelhandel nach Umsatz ist seit gut einem Jahr auch Mitglied des EuroStoxx50-Index und damit unter den Top-50-Werten der Eurozone. Die Spanier stehen für überschaubare und schnell wechselnde Kollektionen. Ein Geschäftsmodell, das floriert und das die Aktie seit Jahren kontinuierlich nach oben treibt, alleine in diesem Jahr um mehr als 70 Prozent. Und die Expansion geht weiter, täglich wird mindestens ein Geschäft irgendwo auf der Welt eröffnet. Mittlerweile sind es mehr als 6.000. Asien und vorrangig China sind die Ziele, aber auch Nischenländer in Europa wie Armenien oder Mazedonien. Neuen Umsatz holen auch die Online-Shops rein.

Gleichzeitig steht das Management für rigide Kostenkontrolle, sagen Beobachter. Das Motto Buy gilt nicht nur für die Kunden bei Zara und Co, sondern auch für viele Analysten, die die Aktie auf ihren Empfehlungslisten haben. Doch die Luft wird zunehmend dünner, sagen skeptischere Stimmen, wie S&P Equity Research. Kann Inditex die hohen Wachstumsraten dauerhaft halten?

Deutlich abgehängt haben die Südeuropäer ihren großen Konkurrenten aus dem Norden, die Schweden von H&M. HM-B.SK -0,37% H&M Hennes & Mauritz AB Series B Sweden: Stockholm kr292,80 -1,10 -0,37% 22 Aug. 2014 11:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 321.337 KGV 26,19 Marktkapitalisierung 484,94 Milliarden kr Dividendenrendite 3,24% Umsatz/Mitarbeiter 1.707.850 kr Deren Aktienperformance zeigt sich deutlich volatiler. Das Unternehmen, das einst den Textilmarkt aufmischte, muss jetzt mit Stagnation beim flächenbereinigten Umsatz kämpfen, die Aktie liegt seit Jahresbeginn nur minimal im Plus. Viele Analysten bevorzugen Inditex gegenüber H&M, denn die Schweden stünden unter scharfen Preisdruck, ausgelöst durch Billiganbieter wie die seit einiger Zeit auch in Deutschland vertretende Primark aus Irland, schreibt zum Beispiel Bernstein Research. Dazu belasten die steigenden Kosten bei der Fertigung in Asien die Marge. Die Folge sind fallende Kursziele. Ob Deutsche Bank, DBK.XE +0,80% Deutsche Bank AG Germany: Xetra 25,24 +0,20 +0,80% 22 Aug. 2014 11:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,40 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 34,23 Milliarden € Dividendenrendite 2,97% Umsatz/Mitarbeiter 420.767 € Barclays, BARC.LN +0,34% Barclays PLC U.K.: London GBp221,55 +0,75 +0,34% 22 Aug. 2014 10:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 9,46 Mio. KGV 32,11 Marktkapitalisierung 36,24 Milliarden GBp Dividendenrendite 1,81% Umsatz/Mitarbeiter 212.636 GBp Credit Suisse CSGN.VX -0,62% Credit Suisse Group AG Switzerland: SWX Europe CHF25,70 -0,16 -0,62% 22 Aug. 2014 11:33 Volumen (​15 Min. verzögert) : 915.790 KGV N/A Marktkapitalisierung 40,92 Milliarden CHF Dividendenrendite 2,72% Umsatz/Mitarbeiter 740.848 CHF oder HSBC, HSBA.LN +0,69% HSBC Holdings PLC (UK Reg) U.K.: London GBp645,30 +4,40 +0,69% 22 Aug. 2014 10:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5,77 Mio. KGV 12,71 Marktkapitalisierung 122,39 Milliarden GBp Dividendenrendite 3,67% Umsatz/Mitarbeiter 182.626 GBp die Liste der skeptischen Banken ist lang und namhaft.

Models tragen Calvin Klein - Calvin Klein soll seine Mutter, die PVH-Gruppe, zu Gewinnen tragen. dapd

Ein kleinerer Konkurrent der beiden Handelsgrößen Inditex und H&M, ebenfalls in vielen Fußgängerzonen oder Einkaufszentren angesiedelt, kennt den Weg nach unten. Rot ist die Farbe von Esprit, doch rot sind auch die Zahlen des Modehändlers mit Sitz in Hongkong. Rund 80 Prozent des Umsatzes werden in Europa erzielt, doch die Eurokrise traf die Marke hart. Führungsquerelen und ein sich ändernder Geschmack der jungen Kunden haben an Image und Aktienkurs gekratzt. Seit dem Hoch im Herbst 2007 ist er um fast 90 Prozent gesunken. Wiederbelebung der Marke heißt das Zauberwort, das Analysten, aber auch das Unternehmen selbst ausgibt. Das kostet.

Bis 2015 sind dafür umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro eingeplant, um den einstigen Börsen- und Modeliebling wieder auf Trendspur zu bringen. Für Marktbeobachter ist Esprit jedoch noch kein überzeugender Turnaround-Kandidat, bestenfalls ein spekulativer Wert, so die Analysten von KGI Asia und CMIB aus Hongkong. Anleger sollten sich also besser warm anziehen. Denn ein Großteil der Spekulation resultiert aus Aktienkäufen von Michael Ying, der Esprit um die Jahrtausendwende groß und erfolgreich gemacht hat. Doch er hüllt den Mantel des Schweigens über die Frage, ob er aktiv als Retter ins Unternehmen zurückkehren will.

Mit VF VFC +0,16% VF Corp. U.S.: NYSE $63,52 +0,10 +0,16% 21 Aug. 2014 16:04 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,45 Mio. NACHBÖRSLICH $63,52 0,00 % 21 Aug. 2014 18:13 Volumen (​15 Min. verzögert) : 48.567 KGV 22,06 Marktkapitalisierung 27,34 Milliarden $ Dividendenrendite 1,65% Umsatz/Mitarbeiter 199.269 $ Corp oder PVH Group wird auf den ersten Blick kaum jemand Life-Style-Kleidung und –Schuhe in Verbindung bringen. Doch beide US-Unternehmen haben einen Korb an auch in Deutschland wohlbekannten Marken im Portfolio. Bei VF Corp sind dasTimberland, Lee, Wrangler, Eastpak, Vans oder North Face, während PVH für die Labels Tommy Hilfiger und Calvin Klein steht. Umgekehrt dürften nur Insider hinter Converse- und Chucks-Schuhen den Sportartikelhersteller (und Adidas-Konkurrenten) Nike NKE +0,04% Nike Inc. Cl B U.S.: NYSE $78,94 +0,03 +0,04% 21 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,99 Mio. NACHBÖRSLICH $78,94 0,00 % 21 Aug. 2014 16:54 Volumen (​15 Min. verzögert) : 12.008 KGV 25,80 Marktkapitalisierung 68,52 Milliarden $ Dividendenrendite 1,22% Umsatz/Mitarbeiter 491.770 $ vermuten.

Wer vor drei Jahren in PVH-Aktien investierte, kann sich seitdem über einen jährlichen Wertzuwachs von etwa 60 Prozent freuen. Tommy Hilfiger wurde 2010 übernommen und seitdem verstärkt außerhalb der USA gepusht. Denn dort sind die Margen höher, so das Unternehmen. Der nächste Expansionsschritt ist bereits eingeleitet. Anfang 2013 soll Warnaco für 2,9 Milliarden Dollar dazu stoßen. Auch dies ein unbekannter Name, doch die Gruppe fertigt mit PVH-Lizenz Kleidung mit dem Calvin-Klein-Label. Außerdem hat sie mit Speedo eigene Schwimmmode im Programm.

Gewinne mit sexy Unterwäsche

Ein süßes Geheimnis verbirgt sich hinter Limited Brands. Zum einen ein Kurs, der sich binnen vier Jahren mehr als verzehnfacht hat, zum anderen eine Marke im Aufwind: Victoria's Secret mit reizender Wäsche in bunt für junge Damen. Die müssen sich allerdings wohl noch bis 2014 gedulden, bis die Wäsche auch direkt in Deutschland angeboten wird. Europa? Fehlanzeige. Bislang ist nur Nordamerika mit einem dichten Netz von gut 1.000 Läden überzogen.

Freuen können sich Aktionäre von Limited Brands indes über ein Weihnachtspräsent: 3 Dollar Sonderdividende, gezahlt am 26. Dezember. Allerdings mit ernstem Hintergrund. Denn das Unternehmen will so der höheren Besteuerung vorbeugen, sollten die USA über die Fiskalklippe gehen. Die Margen stimmen also bei Victoria's Secret und den anderen Marken der Gruppe. Denn innerhalb der vergangenen zweieinhalb Jahre gab es fünf Sonderzahlungen über zusammen 8 Dollar je Aktie. Das sorgt auch für eine positive Stimmung bei Analysten. Von 25 empfiehlt die Hälfte den Kauf der Aktie, die anderen raten angesichts des schon hohen Kursniveaus zu hold.

Wer in Mode-Aktien investieren will, muss nicht in die Ferne schweifen oder auf Geheimnisse setzen. Und doch scheint ein Lokalmatador aus dem SDAX bei vielen Analysten als Geheimtip zu gelten. Für Tom Tailor lautet ihr Urteil durchgängig Buy oder Overweight mit Kurszielen jenseits der 20 Euro. Ein Grund ihres Optimismus ist, dass sich Tom Tailor – seit März 2010 börsennotiert - im Juni mit der als sehr profitabel geltenden Kette Bonita verstärkt hat. Bei der hängt zwar eher gehobene und weniger trendige Oberbekleidung für Kunden über 40 auf dem Ständer, doch strategisch ist die Übernahme aus Sicht der Experten sehr sinnvoll. Ab Ende 2013 sollen dann die Synergien voll spürbar werden, sagt z.B. Exane BNP Paribas. BNP.FR -0,34% BNP Paribas S.A. France: Paris 49,22 -0,17 -0,34% 22 Aug. 2014 11:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 806.520 KGV N/A Marktkapitalisierung 60,53 Milliarden € Dividendenrendite 3,05% Umsatz/Mitarbeiter 513.176 € Tom Tailor springt mit den knapp 1.000 Bonita-Läden zugleich unter die Top 10 der deutschen Modeunternehmen.

Der Markt für Trendmode bietet also viele Gelegenheiten für Gewinne - ob per Dividende oder per Kurssteigerung. Doch es bleibt eine gehörige Portion Unberechenbarkeit. Beim Geschmack der Jugend wie auch bei den Aktien der Unternehmen. So kann der Erfolg das Management das glückliche Händchen bei Kollektionen oder Investments verlieren lassen. Und Kultmarken können schnell zu Ladenhütern werden. Denn was auf einmal jeder trägt, ist nicht mehr hip. Weder auf der Straße noch auf dem Parkett.

Kontakt zum Autor: hans-joachim.koch@dowjones.com