Montag, 20. Mai 2013, 16:20 Uhr

Die SPD und ihre Gesichter

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Willy Brandt (1913 bis 1992)
In der großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU, 1966-1969) kam die SPD zum ersten Mal an der Bundesregierung. Brandt wurde Außenminister. Danach war er von 1969 bis 1974 Bundeskanzler einer sozialliberalen Koalition. Er setzte sich vor allem für eine neue Ostpolitik und Entspannung in Europa ein. Bei seiner Wiederwahl 1972 erreichten die Sozialdemokraten mit 45,8 Prozent das beste Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte. 1974 stürzte Brandt über die Guillaume-Affäre. AFP

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Herbert Wehner (1906 bis 1990)
Wehner ist vor allem als scharfzüngiger Bundestagsabgeordneter und SPD-Fraktionschef bekannt. Von 1969 bis 1983 führte er die Fraktion mit straffer Hand. Er sicherte die Mehrheiten für das Regierungshandeln unter Kanzler Brandt, auch wenn er selbst dessen Regierungsstil oftmals kritisierte. Sein kategorischer Führungsstil war für die SPD zwar effizient, beliebt war der "Zuchtmeister der Fraktion" aber nicht. Bis heute hält Wehner einen weiteren Rekord: Er ist der Bundestagsabgeordnete mit den meisten Ordnungsrufen.
Bundesarchiv (CC-BY-SA)

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Georg Leber (1920 bis 2012)
Leber gilt bis heute als einer der beliebtesten Verteidigungsminister. Das Amt hatte er im Kabinett Brandt inne. Leber hat vor allem die Modernisierung der Bundeswehr vorangetrieben. In seiner Amtszeit wurden erstmals Frauen als Sanitätsoffiziere in die Bundeswehr aufgenommen. Leber war von 1957 bis 1983 Bundestagsabgeordneter und damit einer der langjährigsten Parlamentarier. AFP

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Helmut Schmidt (geb. 1918)
Nach dem Rücktritt von Brandt wurde Schmidt 1974 zum Bundeskanzler gewählt. In seine Regierungszeit fiel der so genannte Deutsche Herbst. 1982 scheiterte die sozialliberale Koalition. Sämtliche FDP-Minister traten zurück, die Regierung Schmidt wurde durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgelöst und Helmut Kohl (CDU) zum Bundeskanzler gewählt. Am 23. Dezember wird Schmidt 95 Jahre. AFP

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Johannes Rau (1931-2006)
Johannes Rau gilt als SPD-Urgestein. 20 Jahre war er Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, er war Kanzlerkandidat und führte kommissarisch die SPD. 1999 folgte die Krönung seiner politischen Laufbahn: Rau wurde zum Bundespräsidenten gewählt. So oft wie kein anderer deutscher Politiker besuchte er Israel. Als große Anerkennung gilt, dass er im Jahr 2000 als erster deutscher Politiker von der Knesset eingeladen wurde. Doch Rau war auch ein unbequemes Staatsoberhaupt, der die ihm verliehene Macht des Wortes gebrauchte: In ungewöhnlicher Schärfe kritisierte er 2002 das Parteienspektakel um das Zuwanderungsgesetz. Er fertigte das Gesetz aber dennoch aus und ließ es durch das Bundesverfassungsgericht überprüfen, das es für nichtig erklärte. AFP

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Oskar Lafontaine (geb. 1943)
Lafontaine war saarländischer Ministerpräsident, Kanzlerkandidat und SPD-Parteichef. Als Schröder im September 1998 an die Macht kam, machte er seinen innerparteilichen Widersacher zum Finanzminister. Doch bereits am 11. März 1999 erklärte Lafontaine nach einem Zerwürfnis mit Schröder über die Richtung der Finanzpolitik seinen Rücktritt und legte auch den SPD-Vorsitz nieder. Danach verstärkte Lafontaine seine Kritik am sozialpolitischen Kurs der rot-grünen Regierung. Nach Veröffentlichung der Agenda 2010 beteiligte er sich an den Montagsdemonstrationen gegen die Arbeitsmarktreformen. 2005 wechselte Lafontaine zur neu gegründeten WASG, die später in der Linkspartei aufging, deren Vorsitzender er wurde. AFP

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Gerhard Schröder (geb. 1944)
Gerhard Schröder gelang als SPD-Spitzenkandidat 1998 ein historischer Wahlsieg. Erstmals nach 1972 wurde die SPD wieder stärkste Kraft und Schröder bildetet die erste rot-grüne Koalition auf Bundesebene. Die Reformagenda 2010 war das wichtigste und umstrittenste Projekt seiner Kanzlerschaft, das Schröder nach seiner Wiederwahl 2002 präsentierte. Als Konsequenz der Arbeitsmarktreformen erfolgte der Bruch mit den Gewerkschaften und auch Teile der Parteilinken verweigerten ihm die Gefolgschaft. Als die SPD die Wahl im Stammland Nordrhein-Westfalen verlor, stellte Schröder am 1. Juli 2005 die Vertrauensfrage, bei der er beabsichtigt unterlag. Es folgten Neuwahlen. AFP