Montag, 29. Juli 2013, 15:14 Uhr

Das sind die größten Baustellen bei Siemens

Auf den neuen Siemens-Chef wartet nicht nur ein Riesenberg an Aufgaben. Der Neue muss vor allem die Probleme lösen, an denen sich der Industrieriese unter Peter Löscher seit Jahren die Zähne ausbeißt. Und das sind nicht gerade wenige.

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Die schwache Marge - Löschers unerreichbares Ziel
Siemens liegt schon seit einiger Zeit bei der Rendite hinter den Rivalen Philips oder General Electric zurück. Löscher wollte das leidige Margenproblem vor vier Jahren mit einem Milliardensparprogramm endlich in den Griff bekommen. Doch der Erfolg lässt auf sich warten. Die Konkurrenz steigert die Marge, Siemens kassiert das Ziel für 2014.
Kann der neue Chef gegensteuern? Die Aussichten sind eher begrenzt: Angesichts des ohnehin schon heftigen Gegenwinds von Arbeitnehmerseite, dürfte es schwierig werden, das Sparprogramm noch einmal zu verschärfen. Und bessere Geschäfte dank konjunkturellen Rückenwinds sind derzeit auch nicht absehbar Agence France-Presse/Getty Images

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Abschreibungen, immer wieder neue Überraschungen
Siemens kann das Thema Sonderlasten einfach nicht abschütteln. Immer wieder gibt es neue, meist teure Überraschungen, die dem Konzern die ganze Bilanz verhageln. Zuletzt hatten die Probleme bei der Windanbindung und der Bahntechnik ihre Spuren hinterlassen. Und im dritten Quartal drohen schon wieder Abschreibungen wegen US-Onshore-Windparks. Die Münchener räumen immer wieder ein, die Komplexität der Aufträge unterschätzt zu haben. Reuters

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Wann fährt er endlich, der neue ICE?
Zum Dauerbrenner hat sich der neue ICE entwickelt. Bis heute gibt es keinen neuen Liefertermin - immer neue Sonderbelastungen drücken auf die Bilanz. Die Auslieferung von ICE-Zügen der Münchener hat sich wegen Zulassungsproblemen und technischer Mängel mehrfach verzögert. Eigentlich wollte Löscher die neuen Züge schon im vergangenen Dezember fertig haben.
Das Debakel um den Schnellzug wird auch den neuen Chef noch eine Weile beschäftigen. Wie in vielen Bereichen des Industriekonzerns müssen bei der Fertigung höchste Ansprüche eingehalten werden, damit die Züge auch zugelassen werden. Zu sehen: Drei fertig produzierte Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro D im Prüfcenter in Wegberg-Wildenrath. Siemens AG

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Windparks – die Großbaustelle bei Siemens
Das Wachstumsgeschäft mit Windparks macht Siemens unterdessen noch mehr Schwierigkeiten. Beim Pionierprojekt, weit draußen in der Nordsee Windparks zu installieren, griff der Konzern gierig gleich nach vier Aufträgen. Bis heute ist keiner der Parks am Netz. Während Siemens in Deutschland mit der Netzanbindung ringt, gibt es im Ausland nun auch Produktionsprobleme. In zwei Onshore-Windenergieanlagen in den USA hatte sich vor einigen Wochen bei laufendem Betrieb jeweils ein Rotorblatt gelöst und war zu Boden gestürzt.
Für die Probleme macht der Konzern zwar Zulieferer verantwortlich. Siemens drohen aber millionenschwere Abschreibungen. Hier zu sehen: Der Windpark Horns Reef 2, vor der Küste von Dänemark. ©MEDVIND/Bent Medvind Sørensen MEDVIND/Bent Medvind Sørensen

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Die Siemens-Strategie – gibt es diese?
Ein übergreifendes Thema bereitete Beobachter zuletzt immer wieder Kopfschmerzen: Wo will Siemens eigentlich hin, welche Strategie verfolgt das Management? Häufig reagierten die Münchener nur auf Markttrends und immer nur von Mal zu Mal. Es fehle die Perspektive, hatte die stellvertretende Vorsitzende des Vereins von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, Birgit Grube, bereits im April kritisiert.
Das Unternehmen sei oft ziemlich spät auf Trends aufgesprungen und habe Portfolioumschichtungen zu langsam vorangetrieben, kritisierte jüngst Fondsmanager Peter Ott von MainFirst Asset Management. Beispiele dafür seien die Solaraktivitäten oder die Sparte Infrastructure & Cities. Siemens AG