BEIRUT/KAIRO-- In der Hauptstadt Damaskus bereitet die syrische Regierung offenbar einen Großangriff vor. Bewohner im strategischen Stadtteil Jobar im Osten der Stadt berichteten am Sonntag, Regierungstruppen hätten sie aufgefordert, die Gegend wegen einer geplanter Bombardierung am Montag zu verlassen. Rebellen und Staatsarmee kämpfen um die Vorherrschaft in Damaskus.

Nach Angaben von Aktivisten kamen am Samstag und Sonntag mindestens 220 Menschen bei Kämpfen ums Leben, darunter mehr als 100 unbewaffnete Zivilisten. Die meisten von ihnen starben in Aleppo, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mitteilte.

Ein syrischer Rebellenkämpfer malt einen Kampfruf auf eine Wand: "Gott ist groß, Märtyrertum." Reuters

Beide Seiten scheinen zu weiteren, erbitterten Gefechten bereit. Die syrische Regierung hatte zwar am Freitag Bereitschaft zu Gesprächen signalisiert – allerdings ohne Vorbedingungen. „Wir glauben an die Möglichkeit eines ernsthaften nationalen Dialogs über Syrien, ohne Vorbedingungen und ohne jemanden auszuschließen", hatte Informationsminister Omran al-Subi nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Sana vom Wochenende gesagt. „Die Tür ist offen, der Verhandlungstisch steht bereit, und jeder Syrer, der mit uns in Dialog treten will, ist willkommen."

Die oppositionelle Syrische Nationalkoalition dagegen hatte zuvor gefordert, dass vor jeder Art von Gesprächen über die Zukunft des Landes das Regime von Präsident Baschar al-Assad abtreten müsse. Oppositionsführer Moaz al-Khatib forderte zudem die Freilassung von 160.000 Gefangenen.

Inmitten des Bürgerkriegs hat Assad zudem seine Regierung umgebildet. Sieben neue Minister seien bestellt worden, berichtete Sana, darunter die Minister für Finanzen, Öl und Soziales. Beobachter werteten die Regierungsumbildung als Versuch, die Wirtschaft des Landes wieder auf Vordermann zu bringen, die zwei Jahre nach Beginn des Aufstands gegen Assad am Rande des Abgrunds steht.

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