Der größte außenstehende Aktionär des Computerkonzerns Dell steht mit seiner Opposition gegen das geplante Delisting vor einer Kraftprobe. Die Investmentgesellschaft Southeastern Asset Management will für die Anteilseigener bei dem Abfindungsangebot ein paar Milliarden Dollar mehr herausholen - und spielt damit auf Risiko.

Southeastern fordert mindestens 24 US-Dollar je Aktie, gut 10 Dollar mehr als Michael Dell und seine Partner geboten haben. Im Erfolgsfall könnten der Dell-Gründer und die anderen Käufer zwar nachschießen, ein besseres Angebot vorlegen oder die Struktur des Buyouts ändern müssen. Allerdings könnte die Transaktion auch komplett scheitern und dann würde sich auch der aktuell gebotene Aufschlag auf den Aktienkurs pulverisieren. Der insgesamt 24,4 Milliarden US-Dollar schwere Deal, mit dem Dell von der Börse genommen werden soll, wäre der größte Buyout seit der Finanzkrise.

Die Investmentgesellschaft aus Memphis hält 8,5 Prozent der noch ausstehenden Aktien von Dell und hat damit durchaus Gewicht. Michael Dell und die Strippenzieher hinter dem Buyout nehmen laut informierten Personen die Opposition von Southeastern nicht auf die leichte Schulter. Ein Problem dabei dürfte jedoch der Aktienkurs sein: Die Dell-Aktie notierte zuletzt in der Mitte des Jahres 2008 bei 24 Dollar.

Die Investmentgesellschaft Southeastern Asset Management will mehr für ihre Dell-Aktien herausholen. dapd

Michael Dell und die Investmentfirma Silver Lake Partners bieten 13,65 Dollar je Aktie, die Offerte liegt 25 Prozent über dem Schlußkurs am Tag vor Bekanntwerden der Buyout-Gespräche. Doch mit dem kräftigen Aufschlag geben sich eine Reihe von Aktionären nicht zufrieden. Vor einem Jahr notierte das Papier noch bei mehr als 18 Dollar. Zum Ausklang der vergangenen Woche zahlten Anleger 13,63 Dollar je Titel.

Für Southeastern dürfte sich das Dell-Engagement zu diesem Preis als schlechtes Geschäft erweisen. Im Schnitt hätte die Finanzfirma etwa 16,90 Dollar je Papier gezahlt, schätzt eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

In einer langen Studie an die US-Börsenaufsicht (SEC) argumentiert Southeastern, Dell sei wesentlich mehr wert als das Angebot. Bereits ein Verkauf der Einzelteile dürfte einen höheren Ertrag erlösen. Als Alternativen bringt die Investmentgesellschaft außerdem eine Sonderdividende aus den Barmitteln der Gesellschaft ins Rennen, aber auch einen Rückzug von der Börse mit einem Verkauf unter Beteiligung der bisherigen Dell-Aktionäre.

Der Verwaltungsrat habe eine ganze Reihe strategischer Alternativen erwogen, aber den Buyout als beste Option eingekreist, erklärte der Computerkonzern. Ein Dell-Sprecher wollte sich zur Kritik und den Alternativen nicht weiter äußern.

Es ist bei solchen Deals eine verbreitete Taktik, sich zunächst gegen einen Buyout zu den gebotenen Konditionen mit Händen und Füßen zu wehren, um den Käufern ein höheres Gebot zu entlocken. Doch Altaktionäre hatten in der Vergangenheit oft auch keinen Erfolg beim Versuch damit, das Anfangsgebot nachhaltig in die Höhe zu treiben. Die Dell-Anleger könnten zudem Sorgen umtreiben, dass der Deal vollständig scheitert. Das Unternehmen erlebt schon seit mehreren Jahren einen stetigen Niedergang.

Die Bemühungen von Southeastern könnten allerdings Auftrieb durch andere Investmentmanager erhalten. Viele von ihnen kauften die Aktien zu deutlich höheren Einstiegspreisen als das derzeitige Angebot. Einige kleine Anteilseigner schließen sich bereits der Opposition an. "Ich glaube, das wird ein sehr enges Rennen. Für Michael Dell ist das keineswegs ein Selbstläufer", sagt beispielsweise der Manager Richard Pzena von Pzena Investment, PZN +4,01% Pzena Investment Management Inc. U.S.: NYSE $10,11 +0,39 +4,01% 29 Aug. 2014 16:04 Volumen (​15 Min. verzögert) : 30.783 NACHBÖRSLICH $10,11 0,00 % 29 Aug. 2014 16:23 Volumen (​15 Min. verzögert) : 7 KGV 15,80 Marktkapitalisierung 671,03 Millionen $ Dividendenrendite 1,19% Umsatz/Mitarbeiter 1.432.090 $ einer Gesellschaft, die laut der Datenfirma Ipreo weniger als 1 Prozent am Computerkonzern hält.

Pzena hat bereits angekündigt, mit "Nein" zu stimmen. Die anderen Aktionäre triebe Angst vor einem Scheitern des Deals Sorgenfalten auf die Stirn. Für diesen Fall rechneten sie mit einem Absturz der Aktie, fügt Pzena an. "Ich glaube aber nicht an einen Kurseinbruch, höchstens leichte Einbußen. Andere Tech-Aktien haben sich seit Beginn des Buyout-Verfahrens auch gut entwickelt."

Mehr als die Hälfte der Aktien verkauft

Inwieweit Southeastern den Deal in ihrem Sinne beeinflussen kann, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn beide Seiten sich nach Verbündeten umschauen. 45 Tage verbleiben, in denen noch ein besseres Gebot für den PC-Hersteller abgegeben werden kann. Mit der Klausel soll sichergestellt werden, dass die Aktionäre den bestmöglichen Schnitt machen.

Für das geplante Delisting müsste eine Mehrheit der Aktionäre stimmen. Dabei werden die rund 16 Prozent der stimmberechtigten Aktien nicht mitgezählt, die Gründer Dell, seine Familie und andere Insider halten. Southeastern ist der größte unabhängige Aktionär des Computerherstellers. Von seinem 8,5 Prozent großen Aktienpaket ist nur ein kleiner Anteil nicht stimmberechtigt.

20 Prozent der Aktien sind laut einer Schätzung in Händen von Anlegern, die von einem Ausverkauf profitieren würden. Seit die ersten Gerüchte über einen Buyout drei Wochen vor der offiziellen Ankündigung kursierten, haben mehr als die Hälfte der Dell-Aktien ihren Besitzer gewechselt, sagt der Analyst Toni Sacconaghi von Sanford C. Bernstein. Mehr als 20 Prozent der Aktien gehörten inzwischen speziellen Arbitrageuren, die sich selbst mit geringfügig höheren Kursen kurz vor Ende des Buyout zufriedengeben, schätzt Sacconaghi. Für Southeastern werde es schwer, genügend Widerstand zu organisieren, damit der Deal doch noch durchfällt.

Rund 58 Prozent der Aktien werden laut S&P Capital IQ von Investmentmanagern gehalten. Zu den Fonds gehören T. Rowe Price Group TROW +0,24% T. Rowe Price Group Inc. U.S.: Nasdaq $81,00 +0,20 +0,24% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,02 Mio. NACHBÖRSLICH $81,00 +0,01 +0,01% 29 Aug. 2014 16:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 86.338 KGV 18,20 Marktkapitalisierung 21,31 Milliarden $ Dividendenrendite 2,17% Umsatz/Mitarbeiter 670.483 $ und BlackRock. Diese und andere Großinvestoren haben bei dem Deal noch nicht öffentlich Position bezogen. Weitere 6,6 Prozent besitzen Investmentbanken, 5,1 Prozent Hedge-Fonds.

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