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Amazon eröffnet Cloud-Rechenzentren in Frankfurt

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Reuters

Der weltweit führende Cloud-Anbieter Amazon.com AMZN -0.54 % eröffnet sein zweites EU-Rechenzentrum in Deutschland. Der insgesamt elfte Standort des Cloud-Dienstes Amazon Web Services (AWS) werde verschiedene Rechenzentren im Großraum Frankfurt sein, sagte Andy Jassy, Senior Vice President of Web Services von Amazon, dem Wall Street Journal Deutschland. “Es wird mehrere Rechenzentren in bedeutender Größe in Deutschland geben”, sagte Jassy.

Vor allem “kulturelle Gründe” seien für die Entscheidung ausschlaggebend, dass viele Kunden aus Deutschland den Wunsch geäußerten hätten, die Daten im eigenen Land speichern zu wollen. Bisher hätten Tausende Amazon-Cloud-Kunden in Deutschland vor allem die Cloud-Server des Standorts Irland genutzt. “Viele dieser Kunden wie auch potenzielle Kunden haben uns gesagt, dass sie Infrastruktur in Deutschland benötigen, um mehr Daten auf AWS-Server zu verschieben.” Zahlreiche Kunden hätten bereits vor den Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden im Sommer 2013 über die weitgehende Überwachung des Internets durch amerikanische und britische Geheimdienste nach Servern mit Standort in Deutschland gefragt.

Frankfurt durch starke Netzanbindung geeignet

Die weiteren Gründe seien einerseits der Wunsch europäischer Kunden, ihre Applikationen auf mehrere Regionen innerhalb der EU laufen zu verteilen, um eine höhere Ausfallsicherheit zu gewährleisten, und das starke Wachstum in der Europa-Region. “Wir brauchten eine weitere Region, um das Wachstum aufzuteilen”, sagte Jassy. Frankfurt sei dabei durch seine starke Netzanbindung als Standort besonders geeignet. In der Stadt am Main ist DE-CIX beheimatet, der nach Datenvolumen gemessen größten Internetknoten der Welt. Unter anderem Siemens, SIEGY 0.55 % SAP, SAP 0.76 % Talanx und Software AG STWRY 0.06 % hätten den Wunsch nach Amazon-Cloud-Servern in Deutschland geäußert, sagte Jassy.

Zu deutschen Kunden der Amazon-Cloud in Deutschland zählen neben den genannten Unternehmen auch der Verlag Hubert Burda und vor allem zahlreiche Start-ups – darunter Wooga, 6Wunderkinder und EyeEm. Cloud-Computing werden Rechen- und Speicherkapazitäten genannt, die nach Bedarf über das Internet bezogen werden – entweder als Ergänzung zum lokalen Rechenzentrum in Spitzenzeiten oder als kompletter Ersatz eigener IT-Infrastruktur.

Ein Schutz vor NSA-Ausspähung sind Server mit deutschem Standort allerdings nicht. Als in den USA operierendes Unternehmen ist Amazon gezwungen sich an amerikanische Gesetze zu halten – und bei entsprechender Anordnung von US-Gerichten die Daten zugänglich machen, räumte Jassy ein, auch wenn Amazon immer sicherstelle, die US-Behörden ihre Grenzen nicht überschritten. In einigen Fällen ist Amazon nicht einmal gestattet, die Kunden über einen solchen Vorfall zu informieren. Er empfiehlt Kunden mit sensiblen Daten, diese mit einem eigenen Schlüssel zu verschlüsseln – dann sei der Zugriff auch dann nicht möglich, wenn ein potenzieller Angreifer vollen Zugriff auf die Daten hat. “Kunden, die sich um ihre Daten sorgen, verschlüsseln sie”, sagte Jassy.

Deutsche Unternehmen nutzen die Cloud weniger

Im Vergleich zu den USA ist die Nutzung von Cloud-Diensten unter deutschen Unternehmen noch die Ausnahme – häufig auch aufgrund von Bedenken bei der Datensicherheit. Nutzen in den USA laut Studien deutlich mehr als die Hälfte der Unternehmen Cloud-Lösungen, waren es in Deutschland laut einer Bitkom-Erhebung im Jahr 2013 nur 15 Prozent, die eine Public-Cloud-Lösung – also eine echte Cloud über das Internet – nutzten. Immerhin 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland setzten demnach aber Cloud-Technologien ein – wenn auch mit Rechenzentren im eigenen Haus. Das Wachstum der Cloud habe durch die NSA-Affäre einen Dämpfer erhalten, stellte der Branchenverband damals fest. Vor allem mittelständische Unternehmen schrecken vor der Nutzung der Cloud zurück.

Helmut Krcmar, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität München, sieht deutsche Unternehmen aufgrund der geringen Nutzung der Cloud im Wettbewerbsnachteil. Unternehmen, die die Cloud nutzten, profitierten neben Kostenvorteilen vor allem davon, sich mehr auf Innovationen für ihre Kunden konzentrieren zu können, statt auf das Betreiben von IT-Infrastruktur.

Krcmar glaubt auch nicht, dass Daten, die beispielsweise vor Wirtschaftsspionage geschützt werden sollen, im eigenen Rechenzentrum prinzipiell sicherer sind als in der Public Cloud. Immerhin sei der mögliche Reputationsverlust eines professionellen Cloud-Anbieters im Falle eines Datendiebstahls oder Ausfalls immens, weshalb die Sicherheit solcher Rechenzentren in der Regel besser sei als beispielsweise die vieler Mittelständler.

Kontakt zum Autor: stephan.doerner@wsj.com

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