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Deutsche Telekom kehrt deutscher Start-up-Szene den Rücken

Die Deutsche Telekom baut ihre Wagniskapitalfinanzierung um – und will sich künftig stärker auf Wachstumsunternehmen vor allem im US-Markt konzentrieren. Der bereits seit 1998 aktive Start-up-Finanzierer T-Venture muss sich in die Struktur einer Nachfolgegesellschaft namens Deutsche Telekom Capital Partners einfügen, bestätigte der Konzern dem Wall Street Journal Deutschland.

Telekom-Zentrale in Bonn. Der Wagniskapitalfinanzierer T-Venture wird durch Deutsche Telekom Capital Partners abgelöst, die sich noch stärker auf die USA konzentrieren werden. ENLARGE
Telekom-Zentrale in Bonn. Der Wagniskapitalfinanzierer T-Venture wird durch Deutsche Telekom Capital Partners abgelöst, die sich noch stärker auf die USA konzentrieren werden. Reuters

„In der Deutschen Telekom wird aktuell ein Konzept erarbeitet und abgestimmt, das eine Neustrukturierung der Aktivitäten im Bereich Venture Capital und Start-up-Finanzierung vorsieht“, sagte Telekom-Sprecher Nico Göricke. „Hierfür gründen wir eine neue Gesellschaft mit dem Namen Deutsche Telekom Capital Partners.“ Weitere Details zum neuen Konzept wollte Göricke nicht nennen.

Das Manager Magazin hatte kürzlich berichtet, Telekom-Chef Timotheus Höttges sei mit der Innovationsabteilung des Konzerns und dem Beteiligungsarm T-Venture nicht zufrieden und wolle den Wagniskapital-Fonds daher abwickeln.

Nach Angaben von zwei Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind, wird Deutsche Telekom Capital Partners von einem Team von ehemaligen US-Investmentbankern geleitet werden. Zuständig für T-Venture und deren Integration in die neue Gesellschaft DT Capital Partners seien jetzt die beiden Telemkom-Manager Thorsten Langheim und Vincente Vento, sagte eine der Personen. Beide sind vor einigen Jahren von der US-Investmentgesellschaft Blackstone zur Telekom gewechselt.

Der Nachfolger von T-Venture werde sich zudem wohl weitgehend vom Start-up-Markt in Deutschland zurückziehen und sich in den USA stärker auf junge Unternehmen in einer späteren Phase konzentrieren, so der andere Informant. In diese Richtung wiesen bereits die jüngsten Investitionen von T-Venture. Sprecher Göricke wollte das nicht kommentieren.

Während T-Venture hauptsächlich einen strategischen Investitionsfokus verfolgte und vor allem in stark Technologie-getriebene Unternehmen investierte, soll die neue Gesellschaft wohl vor allem Geld verdienen und sowie in reifere Unternehmen investieren, die für die Telekom technologisch und strategisch interessant sind. Der selbstständige Start-up-Finanzierer der Telekom für Unternehmen in der Frühphase, Hubraum sowie der Innovationsbereich T-Labs, sollen von dem Umbau dagegen nicht betroffen sein. Beide sind weiter in Deutschland aktiv.

Schwerer Schlag für deutsche Start-up-Szene

Für die deutsche Start-up-Ökonomie wäre der weitgehende Rückzug der Telekom aus der Start-up-Finanzierung hierzulande ein schwerer Schlag. T-Venture war lange in einer Finanzierungsgröße in Deutschland aktiv, in der viele junge Wachstumsunternehmen Schwierigkeiten mit der Finanzierung haben, nämlich im Bereich zwischen 2 und 10 Millionen Euro.

Die T-Venture Holding GmbH war als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Telekom gegründet worden, um in technologieintensive Start-ups und Wachstumsunternehmen zu investieren und gehört bis heute zu den größten Konzern-Wagniskapitalgebern der Welt. Die Deutsche Telekom musste in der Vergangenheit in Deutschland mehrere Investitionen komplett abschreiben – darunter die iTunes-Konkurrenz Musicload und der digitale Kiosk Pageplace.

Dem Bericht des Manager Magazins zufolge war die Telekom-Führung mit den Erträgen aus den Beteiligungsverkäufen wie etwa an der Taxivermittlungs-App Mytaxi an Daimler nicht zufrieden.

Dass die Telekom mit der Leistung von T-Venture unzufrieden sei, wies der Telekom-Sprecher Göricke zurück. Es gehe vielmehr um eine „Weiterentwicklung“ von T-Venture. „T-Venture wird nicht abgewickelt. Es ist ein reibungsloser Übergang geplant, bei dem sich die T-Venture in der neuen Struktur auch bei den Folgeinvestitionen der aktuellen Beteiligungen engagieren wird“, sagte Göricke. Zur Frage, ob bei dem Umbau auch Personal abgebaut werden soll, will sich der Konzern nicht äußern. Laut Manager Magazin sollen mehrere Hundert Stellen wegfallen.

Kritik vom Bundesverbands Deutsche Startups

Aus der Start-up-Szene gibt es Kritik an dem Schritt. Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups, beklagt, dass es trotz Meilensteinen wie große Finanzierungsrunden und ersten Start-up-Börsengängen in Deutschland „unverändert ein großes Defizit bei der Wachstumsfinanzierung“ gebe. „Die Bereitstellung von Corporate-Venture-Capital ist dabei keine Wohlfahrt für die deutsche Start-up-Szene, sondern im Eigeninteresse der Konzerne. Die möglichen Pläne der Telekom sehen wir mit Sorge“, sagte Nöll.

Insgesamt folgt die Telekom mit der Neuausrichtung dem allgemeinen Trend bei konzernfinanziertem Wagniskapital: Investiert wird vor allem in unternehmensnahe reifere Firmen, die strategisch bedeutsame Technologien in den Konzern einbringen. Und diese Unternehmen sitzen im Bereich der Telekommunikation nun mal überwiegend in den USA.

Berichtigung
In einer früheren Version des Artikels hieß es, T-Venture müsse der Nachfolgegesellschaft Deutsche Telekom Capital Partners weichen. Ein Telekom-Sprecher stellte klar: T-Venture wird als Investitionsvehikel unter dem Dach von Deutsche Telekom Capital Partners erhalten bleiben.

Zudem waren Musicload, Pageplace und Joyn keine T-Venture-Investitionen, sondern direkte Aktivitäten der Deutschen Telekom.

Kontakt zum Autor: stephan.doerner@wsj.com

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