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BMWs neue Freude am Strom

Der BMW i8 - der Hybrid-Sportwagen von BMW. ENLARGE
Der BMW i8 - der Hybrid-Sportwagen von BMW. BMW

Es ist still geworden in Miramas.

Auf der BMW BMW -0.63 % -Teststrecke in dem Ort nahe der südfranzösischen Küste ist das Grinsen trotzdem nicht aus den Gesichtern der Autoingenieure gewichen. Die Entwickler treten die Gaspedale weiter bis zum Bodenblech, die Motoren bleiben in der Kleinstadt Miramas aber immer öfter stumm: Die BMW-Ingenieure fahren zunehmend elektrisch.

Der Konzern macht so Ernst mit der Revolution des Antriebs. Spätestens 2020 will BMW in praktisch jeder Modellreihe eine Fahrzeugvariante mit Elektromotor anbieten. Selbst einen Brennstoffzellen-Antrieb wollen die Münchener in Kürze vorstellen.

Die Entwicklung der neuen Technik kostet Milliarden. Sie muss sich nun auszahlen.

Wie ernst es BMW inzwischen meint, das zeigen die Testwagen in Miramas. Sie verstecken den Elektroantrieb hinter herkömmlichen Karosserien. Die Autos sollen den Elektroantrieb offenkundig salonfähig machen: BMW entwickelt E-Autos nicht mehr nur für Exzentriker. Noch allerdings weiß niemand, ob BMWs Hauptkundschaft in den künftigen Autos mit Stecker jene „Freude am Fahren“ vermutet, die der Konzernslogan in der Werbung ihnen verspricht.

Die BMW-Ingenieure entwickeln ihre Elektro-Limousinen denn weniger auf Nachfrage ihrer Kunden als für die Politik: Autohersteller müssen auf Geheiß der EU-Kommission den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der eigenen Fahrzeugflotte bis zum Jahr 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer zu senken. Für Hersteller schwerer, PS-starker Limousinen ist das eine besondere Herausforderung. BMWs Durchschnittsemission lag im Jahr 2013 bei 133 Gramm. Die EU-Zielwerte für den Klimaschutz dürften angesichts dessen ohne Elektroautos unerreichbar sein.

Dennoch, die Entwickler in Miramas haben mit ihren Flüsterantrieben Freude am Fahren gefunden. Auf der Teststrecke fahren sie beruflich Achterbahn: Die Beschleunigung eines Demonstrationsfahrzeugs mit zwei Elektromotoren etwa ist gewaltig. Der Wagen zeigt, was die übernächste Generation von Hybdridfahrzeugen bieten soll. In ihm sorgt das Drehmoment des Elektroantriebs für einen Raketenstart aus dem Stand. Bei höheren Geschwindigkeiten übernimmt ein Verbrennungsmotor praktisch unmerklich.

Als „hochelektrifiziert“ bezeichnet BMW den Wagen. Er wird nicht vor dem Jahr 2020 zu kaufen sein – vor allem, weil es noch an der dafür nötigen Batteriekapazität fehlt. Doch schon in spätestens zwei Jahren will BMW eine Plug-In-Hybrid-Version des 3er in die Autohäuser stellen. Auch er beeindruckt in Miramas mit einer erstaunlichen Beschleunigung. Mehr noch: Der Wagen komme mit 2,1 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometern aus, verspricht der zuständige BMW-Projektleiter Helmut Wiesler.

Trotzdem traut sich der Hersteller nicht recht zu, das Interesse der Kundschaft am Elektro-3er einzuschätzen. Ein Sprecher sagt, 5 bis 15 Prozent der Fahrzeuge wolle BMW künftig als Plug-In-Hybrid verkaufen – also mit einem Elektromotor, dessen Batterie sich auch über die Steckdose aufladen lässt. Die Ungenauigkeit der Schätzung macht eines deutlich: Wann sich die Investitionen von BMW in den Elektroantrieb rechnen, ist völlig unklar.

Gleichwohl könnte sich der Mut auszahlen. Das legt eine Studie der Unternehmensberatung Kienbaum nahe. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich Fuhrparkmanager von Unternehmen für Hybrid-Firmenwagen im „Conversion Design“ interessieren – für Modelle also, die sich äußerlich nicht von Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennungsmotor unterscheiden. Gerade im Firmenwagensegment haben die deutschen Hersteller bislang keine Plug-In-Hybridfahrzeuge anzubieten gehabt, sagt der Kienbaum-Autoexperte Harald Proff.

Daimler ändert das gerade in der S-Klasse. BMW zieht mit dem Plug-In-Hybrid-3er nach.

Und doch: Trotz aller Vorgaben aus Brüssel lässt sich die Revolution des Autoantriebs nicht terminieren. Für die Autohersteller ist der Übergang deshalb enorm teuer. BMW rechnet nach den Worten eines Sprechers zudem auf absehbare Zeit damit, dass verschiedene Antriebstechnologien parallel gefahren werden.

Neben Benzin, Diesel und Strom beschäftigen sich die Münchener Ingenieure denn auch wieder mit dem Wasserstoff als Energiequelle. Einen ersten Anlauf, Autos mit einem Wasserstofftank auf die Straße zu bringen, haben sie vor Jahren ohne viel Aufhebens abgebrochen. Damals verbrannten Testwagen den Wasserstoff direkt. Jetzt arbeitet BMW an Fahrzeugen, bei denen eine Brennstoffzelle das flüchtige Gas zunächst in elektrische Energie wandelt. Der Strom treibt dann einen Elektromotor an. Der Wasserstofftank wird so zu einer besseren Batterie: mit größerer Reichweite als ein Akku und mit der Möglichkeit, innerhalb von Minuten aufgetankt zu werden.

Den Antrieb mit Brennstoffzelle entwickelt BMW in einer Kooperation mit Toyota. Die Japaner allerdings sprechen schon viel offensiver als die Münchener über die Technik: Mit dem Modell Mirai bringt Toyota dieser Tage gar das weltweit erste Brennstoffzellen-Serienauto auf den Markt.

Auch andere scheinen bei der Technik weiter als BMW: Daimler hat längst Testwagen mit Brennstoffzelle auf die Straße gebracht. Auch der Volkswagen-Konzern stellte jüngst mehrere Modelle vor, die mit der Technik fahren.

Dennoch will BMW auch auf den nächsten Automessen in Detroit und Genf kein Brennstoffzellen-Konzept vorstellen. Das sagt ein Sprecher des Konzerns - und lässt damit staunen. BMW USA nämlich hat zuvor in einer Mitteilung angekündigt, BMW werde auf der Detroit Motor Show Mitte Januar zum ersten Mal das Konzept für einen Brennstoffzellen-Antrieb und dessen mögliche Integration in ein Fahrzeug präsentieren. Der Sprecher sagt, das sei ein Irrtum.

In der öffentlichen Wahrnehmung droht BMW damit in Sachen Brennstoffzelle weiter zurückzufallen. Die Münchener sprechen dennoch nur noch von einer Vorstellung “in Kürze”. Immerhin: Der Sprecher sagt, es werde dann ein Antriebskonzept mit einem “sehr innovativen Ansatz” zu sehen sein. Vor allem der Unterbau des Wagens dürfte sich erheblich von dem der herkömmlichen BMW-Modelle unterscheiden: Der Elektromotor lässt sich auch im Heck des Fahrzeugs unterbringen. Das macht eine Kardanwelle überflüssig.

BMWs erstes Brennstoffzellen-Auto wird aber offenbar anders als jüngst spekuliert kein i5. Ein solches Modell sei “nicht in Planung”, sagt der Sprecher. Auch das mag erstaunen: Beobachter hatten einen i5 mit Brennstoffzelle für eine wahrscheinliche Erweiterung der i-Modellreihe gehalten, die bislang aus dem rein elektrischen i3 und dem Hybrid-Sportwagen i8 besteht.

BMW aber lässt sich die Möglichkeit offen, auch den Brennstoffzellenantrieb hinter einer konventionellen Karosserie zu verbergen. Das Signal ist klar: Die Münchener machen Ernst in Sachen Elektroantrieb.

Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@wsj.com

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