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Lauwarmer Börsenstart für Zalando

Am Mittwoch ging Zalando an die Frankfurter Börse. ENLARGE
Am Mittwoch ging Zalando an die Frankfurter Börse. Reuters

Anleger, die sich vom Zalando ZAL -0.29 % -Börsengang kräftige Kursgewinne nach dem spektakulären Vorbild Alibaba versprochen hatten, waren enttäuscht: Sah es im Vorfeld der Erstnotiz am Mittwoch bei Höchstkursen am grauen Markt von bis zu 34 Euro noch nach einem fulminanten Börsendebüt des Online-Modehändlers aus, müssen sich Zeichner der Aktie womöglich wider Erwarten auf ein Geduldsspiel einstellen, wenn sie mit dem Papier deutliche Gewinne einfahren wollen.

Zwar lag der erste - im Vergleich zu den Graumarktkursen schon enttäuschende - Kurs von 24,10 Euro gut 12 Prozent über dem Ausgabepreis von 21,50 Euro. Danach ging es aber steil abwärts. Erst bei 21,55 Euro machte der Kurs Halt, ehe er sich wieder etwas berappelte auf zuletzt gut 23 Euro.

Was bei der Bekanntgabe des Ausgabepreises am Montag noch für Verwunderung gesorgt hatte - Zalando hatte die bis 22,50 Euro reichende Angebotsspanne trotz der sehr starken Nachfrage nicht voll ausgereizt -, erweist sich im Nachhinein als weise Entscheidung. Zeichner der Aktie werden die im Handel als nett gedachte Geste bezeichnete Maßnahme dagegen eher als Trostpflaster empfinden.

Bei der Zalando-Führung ist die Stimmung am Mittwoch denn auch gut, wie vom Parkett zu hören ist. Für die Altgesellschafter und die Mitarbeiter sei ein zukünftig steigender Kurs wichtiger als ein hoher Emissionspreis und ein Kurssprung direkt zum Börsendebüt, heißt es. "Mehr als 4.000 Mitarbeiter haben Aktien gezeichnet. Denen gegenüber haben wir eine Verantwortung. Die sehen wir bei diesem Preis als gegeben", so ein Zalando-Sprecher.

Börsianer sehen das etwas anders. Der Gang auf das Parkett ist geglückt - mehr allerdings nicht, heißt es am Markt. Die Kursentwicklung von Zalando in der ersten Handelsstunde wird als "enttäuschend" bezeichnet. "Es ist zu erkennen, dass niemand dagegen hält", so ein Teilnehmer. Analyst Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel spricht gar von einem "verpatzten Start". Nachdem die Emission 10-fach überzeichnet gewesen sei, habe man mehr erwartet können. Momentan sehe es danach aus, dass der Kurs etwas gestützt werde. Verheerend wäre es, wenn der Kurs am ersten Tag unter den Emissionspreis fallen würde, so der Experte.

Der bislang durchwachsene Börsengang von Zalando lässt auch das zweite Großereignis in dieser Woche in einem neuen Licht erscheinen. Am Donnerstag kommt das Beteiligungsunternehmen Rocket Internet an die Börse, vom Volumen her noch deutlich größer als Zalando. Auch hier ist von der Graumarkteuphorie der Vortage vieles verflogen. Der Ausgabepreis für die Aktie wird im Tagesverlauf erwartet, die Spanne reicht von 35,50 bis 42,50 Euro.

Ein Blick auf die außerbörsliche Plattform Tradegate zeigt, dass die Kurse von ihren Hochs massiv zurückkommen. Wurden in der Spitze bis zu 66 Euro bezahlt, greift momentan selbst bei 50 Euro niemand mehr zu. Der letzte Umsatz fand bei 46,50 Euro statt.

Zalando und Rocket zählen zu den prominentesten Start-ups der Netzbranche. Nicht wenige Anleger verfolgen deshalb die Börsengänge als Lackmustest für die Frage, ob Deutschland neben seiner Expertise im Fahrzeug- und Maschinenbau auch wettbewerbsfähige Internetunternehmen hervorbringen kann.

Zalando brachte bei seinem IPO 11,3 Prozent des Eigenkapitals an den Markt, unter dem Strich fließen dem Unternehmen durch die Ausgabe von 28,2 Millionen Aktien (inkl. Mehrzuteilungsoption) 606 Millionen Euro in die Kasse. Auf Basis des aktuellen Kurses von 22,77 Euro wird das Unternehmen insgesamt mit rund 5,6 Milliarden Euro bewertet.

Was die Zugehörigkeit zu einem der Auswahlindizes am deutschen Aktienmarkt betrifft, macht die Marktkapitalisierung Zalando zunächst nur zu einem Kandidaten für den Kleinwerteindex SDax - allerdings einen klaren. Zum regulären Aufnahmetermin im Dezember dürfte es soweit sein, sagt Petra Kerssenbrock, Index-Expertin bei der Commerzbank. CRZBY -1.15 % Im SDax dürfte die Aktie dann sofort zu den Schwergewichten gehören. Für einen Aufstieg in den MDax fehle es ihr momentan aber noch an Gewicht. Sollte es in Zukunft zu Platzierungen durch die Altaktionäre kommen oder die Streubesitz-Marktkapitalisierung anderweitig, beispielsweise über Kursgewinne, steigen, wäre ein Aufstieg in den MDax wahrscheinlich.

Kontakt zum Autor: steffen.gosenheimer@wsj.com

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