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Commerzbank will Frankfurt zum Fintech-Valley machen

Skyline - und ein bisschen Silicon Valley? Die Commerzbank will Frankfurt zum Mekka für Finanz-Start-ups machen. ENLARGE
Skyline - und ein bisschen Silicon Valley? Die Commerzbank will Frankfurt zum Mekka für Finanz-Start-ups machen. AFP

Die Gäste sind ausgesucht und die Räumlichkeiten ungewöhnlich: Am Dienstagabend hat die Commerzbank zum Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe in das 25 Hours Hotel in Frankfurt geladen. Der Ort war keinesfalls zufällig gewählt. Von Frankfurt aus expandiert die Hotel-Kette mittlerweile in ganz Deutschland. Und etwas ganz Ähnliches hat auch die Commerzbank-Tochter Main Incubator mit der Initiative „Between the Towers“ vor: Frankfurt in das „kontinentaleuropäische Zentrum für die innovative Startup-Szene im Finanzdienstleistungsbereich“ verwandeln, das auf ganz Deutschland ausstrahlt.

„Between the Towers“ soll Gründern innovativer Unternehmen eine Möglichkeit geben, sich auszutauschen, zu kooperieren – und ihnen Zugang zu Finanzierungen aus der traditionellen Bankenindustrie verschaffen. Das Format: monatliche Veranstaltungen, bei denen sich Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft, Gründer und Finanziers vernetzen sollen.

Die Initiative ist ein Zeichen, dass einige Banken offenbar verstanden haben, dass Fintechs eine Bedrohung für sie darstellen. Im Zahlungsverkehr, der Kreditvergabe und in der Vermögensverwaltung treten immer mehr junge Wettbewerber auf, deren Banking-Angebote schneller, flexibler und kundenorientierter sind als die der großen Banken. „Wir müssen näher und früher an den Trends im Banking dran sein. Sonst überrollen uns die Fintechs, die unsere Margen angreifen“, sagt Christian Hoppe, Geschäftsführer von Main Incubator.

Allein: „Die Prozesse in einem großen Konzern dauern manchmal etwas länger“, sagt Hoppe. Innovation, das sagen Kritiker, ist aus Banken heraus kaum zu erwarten. Also will die Commerzbank zumindest dafür sorgen, dass sich Fintechs in Frankfurt ansiedeln und dort ein Umfeld finden, in dem sie mit innovativen Bank-Technologien Erfolg haben können. Und damit auch den Banken dienen können.

Während die Bank im Privatkundenbereich ein eigenes Innovationslabor betreibt, in dem Mitarbeiter neue Anwendungen für das Online- und Mobile-Angebot der Bank erfinden dürfen, ist der zweite Kernbereich der Bank, das Geschäft mit überwiegend mittelständischen Kunden, weniger innovativ. Main Incubator investiert daher nur in Fintechs, deren Entwicklungen für dieses Segment nützlich werden könnten.

Wie das in der Praxis aussieht, hat die Bank jüngst gezeigt: Mit Traxpay wurde ein erstes Investitionsziel gefunden, das perfekt in das Beuteschema der Bank passt. Traxpay hat eine Technologie entwickelt, die den Zahlungsverkehr und das Forderungsmanagement zwischen Unternehmen erleichtert, indem alle relevanten Daten in Echtzeit und synchron zwischen zwei Geschäftspartnern übertragen werden. Eine Technologie, die sobald sie marktreif ist, den Geschäftskunden der Bank zur Verfügung gestellt werden soll.

Für John Bruggeman, Vorstandschef von Traxpay und erfolgreicher Seriengründer aus dem Silicon Valley, macht der Weg der Bank durchaus Sinn – und er lobt den Standort Frankfurt mit mehr Verve, als es wohl je ein von der Stadt bezahlter Wirtschaftsförderer getan hat.

Traxpay habe sich aus unterschiedlichen Gründen in Frankfurt angesiedelt, sagt Bruggeman. Viele Banken, Deutschlands wirtschaftliche Stabilität, gut ausgebildeter Nachwuchs. Hauptgrund sei aber „die Tradition der Zusammenarbeit“ gewesen. „Ich glaube nicht, dass wir das, was wir in Frankfurt bisher geschafft haben, auch im Silicon Valley geschafft hätten. Denn dort haben wir keine Erfahrung mit innovativen Finanzunternehmen“. Denn anders als bei Startups aus anderen Industrien spiele im Finanzwesen die Regulierung eine gewichtige Rolle. „Und damit haben die in Frankfurt Erfahrung“, so Bruggeman.

Zwölf Anwälte der Commerzbank hätten sich alleine darum gekümmert, ob Traxpay eine Banklizenz braucht oder in irgendeiner Form unter das Regime der Bafin fallen müsse, erzählt der Gründer, der unter anderem bei Netscape und dem Halbleiterhersteller Wind River gearbeitet hat, bevor Wind River für gut 4,5 Milliarden Dollar an Intel verkauft wurde.

Das Publikum, überwiegend Gründer, bleibt skeptisch. Viele können es sich nicht vorstellen, so eng an eine Bank gebunden zu sein wie Traxpay. „Wir wollen nicht die Marke Commerzbank aufgedrückt bekommen“, sagt ein Gründer im Verlauf des Abends. Ihnen missfällt genau das, was John Bruggeman dazu verleitete, sich für Main Incubator als Investor zu entscheiden. Er nennt das Vorgehen der Commerzbank, Ideen finanziell zu fördern, statt sie selbst anzustoßen, „die institutionalisierte Innovation in einem Umfeld, das sich mit Innovation schwer tut“.

Die Idee, Gründern eine Plattform zu bieten, findet aber Gefallen. Bei den Gründern selbst und bei Frankfurter Forschungseinrichtungen wie der Goethe-Universität. Andreas Hackethal, der an der Uni den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften leitet und zudem im Board des von der Uni geförderten Fintechs Vaamo sitzt, hofft auf Synergien zwischen Uni und „Between the Towers“. „Wir wären immens daran interessiert, dass Frankfurt Talente anzieht. Studenten und Professoren“, sagt er. Frankfurt müsse ein inspirierender Standort werden. Und weiter: „Fintech-City Frankfurt, das ist ein toller Anspruch. Ich drücke die Daumen“.

Kontakt zum Autor: isabel.gomez@wsj.com

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