DOW JONES, A NEWS CORP COMPANY
Sections
  • Today's Paper
  • SHOW ALL SECTIONS HIDE ALL SECTIONS
    HIDE ALL SECTIONS
Aim higher, reach further.
Get the Wall Street Journal $12 for 12 weeks. Subscribe Now

Der Ukraine droht der Blackout

Ein Kurzschluss in einem Generator hat am 28. November einen Block des Atomkraftwerks Saporoschje in der Ukraine lahmgelegt. ENLARGE
Ein Kurzschluss in einem Generator hat am 28. November einen Block des Atomkraftwerks Saporoschje in der Ukraine lahmgelegt. Reuters

Neben dem Absturz der eigenen Währung und den andauernden Kämpfen mit pro-russischen Milizen müssen die Menschen in der Ukraine seit dieser Woche mit einem neuen Problem kämpfen: Stromausfälle plagen das Land, weil ein technischer Defekt den Reaktor eines Atomkraftwerks außer Gefecht gesetzt hat und anderen Kraftwerken die Kohle ausgeht.

Energieminister Wolodimir Demtschischin erklärte am Mittwoch, er wolle mit Vertretern der Regionen über freiwillige Einschränkungen beim Stromverbrauch beraten. Einige Unternehmen sollen nur noch nachts produzieren.

Die Behörden machen für die Stromausfälle Reparaturarbeiten an einem Generator im Atomkraftwerk Saporoschje verantwortlich, der am 28. November beschädigt wurde. Zudem hätten die Kämpfe in den Bergbauregionen im Osten des Landes den Kohle-Nachschub gestört. Der Minister kündigte an, dass das Atomkraftwerk am Freitag wieder arbeiten soll.

Unterdessen verschärfte sich der Strommangel, der am Montag mit mehreren zweistündigen rollierenden Abschaltungen begonnen hatte, am Mittwoch weiter. Das erklärte der staatliche Energiekonzern Ukrenergo. Der Stromversorger Kiewenergo aus der Hauptstadt Kiew sagte, man werde zunächst Fabriken den Strom abstellen und nicht den Privathaushalten. Die Verbraucher sollten aber weniger Energie verbrauchen.

Demtschischin sagte, ein Kurzschluss in dem Generator sei der Grund für die Panne in Saporoschje im Südosten des Landes. Die Reaktoren seien nicht beschädigt. Der Betreiber Energoatom erklärte, es habe weder einen „Atomunfall noch irgendeinen anderen Unfall“ gegeben. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hatte am Mittwochmorgen von einem Unglück in dem Kraftwerk gesprochen, was kurzzeitig Ängste und die Erinnerung an die Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 geweckt hatte.

Doch die vorübergehende Stillegung verschärft die Lage bei konventionellen Kraftwerken, denen die Kohle ausgeht. Das ukrainische Gebiet, das sich in den Händen der von Russland unterstützen Milizen befindet, umfasst einige der wichtigsten Bergbaugebiete. Wegen der Kämpfe wurden Bergwerke geschlossen, einige Bahnverbindungen sind zerstört.

Ukrenergo erklärte am Dienstag, fünf Kraftwerken im Osten bleibe nur noch Kohle für vier Tage. Demtschischin sagte, die Regierung habe 2 Millionen Tonnen Kohle in dem Konfliktgebiet gelagert, aber die Separatisten würden Kiew den Zugriff darauf verweigern. Auch Russland blockiert Kohlelieferungen in die Ukraine. Der Minister forderte Moskau zu Gesprächen auf. Er fügte aber hinzu, die Ukraine könne sich gleichwohl an andere Lieferanten wenden, etwa Australien.

„Der tiefste Winter ist angebrochen, der Energieverbrauch steigt. Das einzige, was einen Zusammenbruch verhindern kann, sind diese rollierenden Abschaltungen“, sagt Juri Koroltschuk, Analyst beim Institut für Energiestrategien in Kiew. Die Lage werde sich verschlimmern, wenn die Regierung nicht Importe von Kohle und Strom sicherstellen könne, besonders aus Russland.

Demtschischin sagte, die Ukraine werde Russland am Mittwoch oder Donnerstag eine Vorauszahlung für eine Milliarde Kubikmeter Erdgas schicken. Das Land hat einen Teil seiner Gasschulden in Moskau bezahlt, was für Entspannung in dem Streit sorgte.

Währenddessen laufen die Bemühungen zur Verfestigung eines Waffenstillstandes im Osten des Landes weiter. Rebellen und ein Regierungsvertreter deuteten an, dass in der kommenden Woche in der weißrussischen Hauptstadt Minsk wieder verhandelt werden soll. Obwohl sich die Ukraine und die Separatisten Anfang September auf einen Waffenstillstand geeinigt hatten, flackerten an einigen Brennpunkten der Front immer wieder Gefechte auf. Am Mittwoch erklärte Armeesprecher Andrij Lisenko aber, die Zahl der abgefeuerten Geschosse gehe zurück.

Advertisement

Popular on WSJ