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Deutsche Bank droht hohe Strafe wegen Libor-Manipulation

Amerikanische und britische Behörden wollen die Deutsche Bank im Libor-Skandal zur Zahlung von mehreren hundert Millionen Dollar bewegen. ENLARGE
Amerikanische und britische Behörden wollen die Deutsche Bank im Libor-Skandal zur Zahlung von mehreren hundert Millionen Dollar bewegen. Bloomberg News

FRANKFURT—Im Skandal um manipulierte Libor-Zinssätze drängen Ermittler aus den USA und Großbritannien die Deutsche Bank DB 2.50 % nun zu einem Vergleich von vermutlich mehreren hundert Millionen US-Dollar, sagen gut informierte Personen.

Laut den Insidern laufen bereits Verhandlungen, um die Sache in den nächsten Monaten beizulegen. Die amerikanische Finanzaufsicht Commodity Futures Trading Commission, das US-Finanzministerium sowie die britische Finanzaufsicht Financial Conduct Authority versuchten die Deutsche Bank zur Zahlung einer bedeutenden Strafe zu bewegen, sagen Personen aus dem Umfeld der Gespräche.

Sollte ein Vergleich zustandekommen, wäre die Deutsche Bank das achte Finanzinstitut, das sich im Libor-Skandal den Ermittlern aus den USA oder Großbritannien beugt.

Der London Interbank Offered Rate, kurz Libor, ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze der Welt. An ihm orientieren sich Transaktionen im Volumen von mehreren Billionen US-Dollar.

Mehr als ein Dutzend Personen in den USA und Großbritannien wurden im Zuge der seit 2008 laufenden Libor-Ermittlungen bereits strafrechtlich angeklagt. Keine dieser Personen stammt jedoch aus den Reihen der Deutschen Banke. Die Deutsche Bank kooperiert mit den Behörden und ermittelt auch hausintern.

Der genaue Zeitplan der Untersuchungen und die Höhe der Strafen sind aber noch unklar. Die Behörden hofften zwar, bis Jahresende einen Vergleich zustande zu bringen, sagt eine Person, die den Inhalt der Gespräche kennt. Doch vermutlich dürften sich beide Seiten erst Anfang 2015 einigen. Die Behörden wollen laut Sachkennern erreichen, dass die Deutsche Bank mehrere hundert Millionen US-Dollar Strafe zahlt.

Die Deutsche Bank wäre das jüngste Kreditinstitut, das von den US-Behörden bestraft wird. Anfang des Jahres zahlte die französische Bank BNP Paribas fast 9 Milliarden Dollar und bekannte sich schuldig, gegen US-Sanktionen verstoßen zu haben. Zuvor hatte die Credit Suisse Group ihre Schuld eingestanden, Amerikanern bei der Steuerflucht geholfen zu haben.

Die Serie harscher Strafen aus den USA hat viel Kritik aus der Bankenbranche und von Seiten europäischer Aufsichtsbehörden hervorgerufen. Sie fürchten, die hohen Zahlungen könnten die Finanzstabilität der wichtigsten Kreditinstitute gefährden.

Mit der EU hatte sich die Deutsche Bank wegen Zinsmanipulationen bereits im Dezember letzten Jahres geeinigt. Sie zahlte 725 Millionen Euro.

Im zweiten Quartal erhöhte das Frankfurter Geldinstitut seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten um rund 470 Millionen auf 2,2 Milliarden Euro. Auch die Rücklagen für weitere unvorhergesehene Rechtsfälle wurden von 2 auf 3,2 Milliarden Euro aufgestockt, was laut Finanzchef Stefan Krause vor allem mit Ansprüchen aus US-Hypothekenpapieren zu tun hat.

Gegen die Deutsche Bank laufen laut Krause zurzeit 180 regulatorische Ermittlungsverfahren und 1.000 Klagen mit einem Streitwert von jeweils mehr als 100.000 Euro. In den vergangenen zwei Jahren hat die Bank bereits mehr als 5 Milliarden Euro für Vergleiche und Strafen gezahlt. Die meisten davon bezogen sich auf die Zeit während der Finanzkrise.

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