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Deutsche horten immer mehr Gold

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Associated Press

Die schwache Entwicklung des Goldpreises kann der Attraktivität des Goldes als Geldanlage der Deutschen offenbar kaum etwas anhaben. Im Vergleich zu 2012 ist der Goldbestand deutscher Privatpersonen um fast 200 Tonnen gestiegen auf fast 8.200 Tonnen. Das geht aus einer fortlaufenden Studie des Edelmetall- und Technologiekonzerns Heraeus mit dem Research Center for Financial Services hervor. Demnach besitzen 67 Prozent der Privatpersonen Gold - in unterschiedlicher Form. Im Durchschnitt verfügt jeder Deutsche über 18 Jahren über 121 Gramm physisches Gold - das sind 4 Gramm mehr als noch vor zwei Jahren.

Was angesichts der Goldpreisentwicklung überrascht: Fast 90 Prozent der deutschen Goldanleger sind mit ihren Goldkäufen zufrieden, und 70 Prozent wollen ihr Gold auch weiterhin behalten. Verdienen ließ sich mit dem Edelmetall im Betrachtungszeitraum nämlich nichts - ganz im Gegenteil: Im September 2012 bewegte sich der Preis für eine Feinunze noch bei 1.700 Dollar, im Oktober 2014 kostet die gleiche Menge nur noch 1.210 Dollar - das entspricht einem Wertverlust von 29 Prozent. Auf Euro-Basis sieht die Rechnung kaum besser aus. Von 1.307 Euro gab der Goldpreis in diesem Zeitraum um über 26 Prozent nach auf 961 Euro.

In absoluten Euro-Beträgen gerechnet sank das Goldvermögen im Privatbesitz von 393 Milliarden auf 288 Milliarden Euro. Damit macht Gold in etwa 2,5 Prozent des Gesamtvermögens der privaten Haushalte in Deutschland aus.

Ein Motiv der Deutschen trotz der enttäuschenden Entwicklung dem Gold die Treue zu halten findet sich in der offenbar immer noch weit verbreiteten Euro-Skepsis, denn der Studie zufolge können sich fast 50 Prozent der Befragten vorstellen, dass der Euro zerbricht. Waren es 2012 noch 15 Prozent, die in der Vergangenheit Gold zu Anlagezwecken erwarben, stieg der Anteil nun auf 23 Prozent. 65 Prozent der Goldinvestoren wollen zudem weiter in Gold investieren.

Die hohe Zufriedenheit der Anleger mit ihrem Goldbesitz signalisiert nach Ansicht der Heraeus-Experten, dass ein Großteil Gold als langfristige Investition ansieht und sich durch die Preisrückgänge der vergangenen Monate nicht verunsichern lässt. Ganz ohne Spuren blieb die enttäuschende Preisentwicklung aber nicht. Während fast drei Viertel planen, ihr Gold zu behalten, ist fast jeder fünfte Befragte diesbezüglich unentschlossen. Das sind doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren.

“Bei vielen Anlegern, welche Gold als Substitut zu anderen Kapitalanlageformen sehen, herrscht derzeit Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Goldpreisentwicklung”, sagt Hans-Günter Ritter, Geschäftsführer des Heraeus Edelmetallhandels. “Vor allem die starken Preisrückgänge innerhalb kurzer Zeit im Jahr 2013 kamen für viele überraschend”, ergänzt er.

Vertrauen in den Euro ist nicht gewachsen

Zwar sei die Anzahl der Personen, die eine steigende Inflation erwarteten oder eine Währungsreform fürchteten in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen; dennoch bedeute dies nicht, dass das Vertrauen in den Euro gewachsen sei. Die Zahl der Teilnehmer, die ein Zerbrechen des Euro für möglich halte, befinde sich in etwa auf dem Niveau des Jahres 2010. Damit hat sich das generelle Umfeld für physische Goldanlagen aus Sicht der Studienteilnehmer in nicht sonderlich negativ verändert.

“Physisches Gold dient für den Großteil der Anleger immer noch dem Primärziel, einen Wert in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu bewahren”, sagt Ritter. Für über 90 Prozent der Befragten seien Hauptargumente der Werterhaltcharakter sowie ein eventueller zukünftig notwendiger Inflationsschutz.

Wie schon in der Untersuchung 2012 sind Goldbarren die beliebteste Anlageform in Gold. Goldmünzen sowie goldbezogene Wertpapiere spielen eine geringere Rolle. Mehr als jeder Dritte volljährige Bundesbürger besitzt Goldbarren oder -münzen. Insgesamt besitzen 67 Prozent der volljährigen Bundesbürger Gold in Form von Schmuck, Barren, Münzen oder goldbezogene Wertpapiere.

Der Anteil, den deutsche Privatpersonen an der weltweit geförderten Goldmenge halten, entspricht weiterhin 4,7 Prozent, wie die Studie weiter zeigt. Werden dazu die fast 3.400 Tonnen Gold der Deutschen Zentralbank berücksichtigt, beträgt der Anteil 6,6 Prozent.

Die Studie “Goldinvestments 2014” basiert auf einer Online-Umfrage unter 2.000 Bundesbürgern über 18 Jahren im zweiten Quartal 2014 bei einer national repräsentativen Zusammensetzung.

Kontakt zum Autor: steffen.gosenheimer@wsj.com

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