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„Start-ups sollten nie mit anderen Firmen in Konkurrenz treten“

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Peter Thiel Reuters

NEW YORK -- Peter Thiel, der milliardenschwere Mitgründer von Paypal und ein früher Investor bei Facebook, FB 0.33 % hat eine etwas unorthodoxe Art, seine Investmentziele auszuwählen.

Thiel mag Unternehmen, die andere Investoren nicht unbedingt auf dem Radarschirm haben. So kam es, dass er in ein Unternehmen namens Wish investierte. Die junge E-Commerce-Firma bietet Menschen mit mittlerem Einkommen Modeartikel und andere Produkte aus China an.

„Das ist eine E-Commerce-Strategie, die auf die Mittelschicht Amerikas abzielt, die Firma wächst sehr schnell, und sie ist eine deutlich bessere Alternative als das, was den Leuten bisher zur Verfügung steht“, sagt er.

„Facebook war dafür ein frühes Beispiel, weil es keine Investoren gab, die noch an der Uni waren und die verstehen würden, wie intensiv eine Uniseite wie Facebook sein könnte. In den ersten zwei oder drei Jahren war Facebook klar unterbewertet, bevor es sich einem breiteren Publikum öffnete“, sagt er.

Thiel sprach mit dem Wall Street Journal darüber, was ein revolutionäres Unternehmen ausmacht und dass es außerhalb des Technologiebereichs nicht genug Innovation gibt.

WSJ: Ihr Buch „Zero to One“ handelt davon, dass wirklich revolutionäre Unternehmen keine bereits existierenden Geschäftsmodelle nutzen. Was ist die wichtigste Erkenntnis aus ihrem Buch, die Sie Menschen mitgeben wollen?

Peter Thiel: Der wichtigste Gedanke des Buchs ist, dass man nicht versuchen sollte, mit Firmen in Konkurrenz zu treten, sondern sich so stark wie möglich abheben sollte. Man will Dinge tun, die einzigartig sind – man will praktisch ein Monopol schaffen. Man sollte sich von Bereichen fernhalten, wo bereits ein scharfer Wettbewerb existiert, wie in der Restaurantbranche.

Sie haben gesagt, dass Unternehmen überhaupt nicht in Konkurrenz stehen sollten. Aber ist der Wettbewerb nicht ein zentraler Antrieb für Innovation?

Wenn Menschen konkurrieren, konzentrieren sie sich darauf, andere auszustechen. Dann werden sie nur in dem engen Bereich besser, auf dem sie konkurrieren. Das geht oft auf Kosten der Dinge, die wichtiger oder wertvoller sind. Unser Bildungssystem bringt jungen Menschen bei, bei denselben Kriterien zu konkurrieren und sich bei denselben Top-Unis zu bewerben, wo sie um die gleichen Noten kämpfen und nach einigen wenigen Karrieren im juristischen Bereich, bei Banken und Consulting-Firmen streben.

Was halten sie von der Trennung von Ebay und Paypal, und was bedeutet sie für Zahlungssysteme?

Indem sie sich aufteilen, können sich diese Firmen besser auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Ich glaube, dass sich Paypal sehr genau auf sein Produkt konzentrieren muss. Im Zahlungsbereich hat es einige Innovationen gegeben, darunter Square, Stripe und Transfer Wise. Ich habe selbst in Stripe und Transfer Wise investiert. Ich glaube, dass die Zukunft des Bereichs gerade noch offen ist.

Glauben Sie, dass Apple Pay auf breiter Front erfolgreich sein wird?

Da versucht jemand, etwas zu tun, das sich von der nächstbesten Lösung dramatisch unterscheidet. Das ist meistens ziemlich schwierig, weil man ein Zahlungssystem braucht, das eine große Zahl von Menschen nützlich findet. Diese sind jedoch oft sehr schwer umzusetzen.

Ich glaube, es funktioniert am besten, Lösungen zu finden, die für eine kleine Zahl von Menschen dramatisch besser sind. Dort bekommt man seinen Einstieg.

Apple Pay fühlt sich wie etwas an, das für riesige Mengen Menschen ein kleines bisschen besser ist. Also glaube ich, dass es sich erst zeigen muss, ob Nutzer sich darauf einlassen. Ein kleines Start-up könnte das nicht schaffen, weil es zu schwer wäre, die ersten Kunden zu finden. Vielleicht kann Apple seine Marke dazu nutzen, aber historisch ist so etwas sehr schwer zu schaffen.

Sie gelten als Investor des Informationszeitalters, mit Paypal, Facebook und anderen Firmen dieser Art. Aber sie beschweren sich, dass dadurch nicht genug Jobs entstehen.

Das habe ich nicht gesagt. Sondern, dass es generell nicht genug Innovation gibt. Es gibt Innovationen im IT-Sektor, und das ist der eine Teil unserer Wirtschaft, wo viele Jobs entstehen. Aber können wir das auch in anderen Bereichen schaffen? Können wir im Energie-, Medizin-, Verkehrs- und anderen Bereichen Innovationen erzielen, die etwa in den 1950er und 1960er Jahren als Technologie galten?

Sie scheinen die Eliten nicht zu mögen, aber manche sagen, dass sie zu ebendieser gehören.

Wenn Sie von den Personen reden, die dieses Land politisch und kulturell führen, dann glaube ich, dass in den USA seit den 1970er Jahren etwas schiefgelaufen ist. Die Eliten gehen zu entspannt mit der Stagnation um, weil es ihnen persönlich gut geht.

Sie haben schon den letzten Tech-Boom erlebt. Wie unterscheidet sich der aktuelle davon?

Ich glaube nicht, dass es derzeit eine Blase gibt, weil ich glaube, dass eine Blase ein psychosoziales Phänomen ist, das die Öffentlichkeit verrückt macht. 1998, 1999 und 2000 gab es viel IPO-Spekulation, dieses Mal jedoch nicht. Es finden weit weniger Börsengänge statt.

Es gibt aber eine andere Blase, die noch größer ist als die in den 1990ern und 2000ern. Meine Blasenkandidaten sind Staatsanleihen, quantitative Lockerung, Gelddruckerei, und negative Realzinsen. Das berührt jeden Bereich. Doch schnell wachsende Technologieaktien sind davon so weit entfernt wie überhaupt möglich.

Drei Viertel meines Vermögens stecken in privaten Tech-Firmen im Silicon Valley, und das tue ich, weil ich nirgends sonst so weit von der Staatsblase entfernt bin. Ich investiere dort, weil ich mich da vor der wahren Blase verstecken kann.

Welches Start-up gefällt Ihnen gerade besonders gut? Welches fliegt derzeit noch unter dem Radar aber überzeugt Sie schon jetzt?

Wir glauben, dass es hervorragende Unternehmen gibt, die Investoren selbst nicht nutzen. Deshalb investieren wir in Wish. Das Unternehmen ermöglicht es, Haushalten mit mittelgroßem Einkommen verschiedene Moden und Güter aus China zu kaufen. Das ist eine E-Commerce-Strategie, die auf die Mittelschicht Amerikas abzielt, die Firma wächst sehr schnell, und sie ist eine deutlich bessere Alternative als das, was den Leuten bisher zur Verfügung steht

Eine reifere Version dieser Art Unternehmen ist Airbnb. Auf Airbnb finden Nutzer günstigere Unterkunftsmöglichkeiten. Investoren übernachten eher in Fünf-Sterne-Hotels, weshalb sie Airbnb tendenziell unterschätzen.

Facebook ist ein frühes Beispiel dafür, weil es keine Investoren gab, die noch an der Uni waren und die verstehen würden, wie intensiv eine Uniseite wie Facebook sein könnte. In den ersten zwei oder drei Jahren war Facebook klar unterbewertet, bevor es sich einem breiteren Publikum öffnete.

Das ist ein Thema, das ich immer interessant finde: in Unternehmen zu investieren, deren Produkte Investoren oft gar nicht erfahren.

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