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Amazon testet Lieferungen per Taxi

Amazon hat in Los Angeles und San Francisco Pakete mit dem Taxi ausliefern lassen. ENLARGE
Amazon hat in Los Angeles und San Francisco Pakete mit dem Taxi ausliefern lassen. Agence France-Presse/Getty Images

Das nächste Paket von Amazon.com AMZN 0.13 % könnte per Taxi kommen. Der Onlinehändler hat dieses Jahr Paketlieferungen per Taxi in San Francisco und Los Angeles über die Taxi-App Flywheel getestet, wie mit den Vorgängen vertraute Personen berichteten. Amazon prüfe die Nutzung von Taxis als Lieferfahrzeuge.

Es ist das jüngste Experiment von Amazon mit dem Ziel, schneller liefern zu können, um noch besser mit den stationären Einzelhändlern konkurrieren zu können. Außerdem sucht Amazon nach den Lieferverzögerungen im letztjährigen Weihnachtsgeschäft nach Alternativen zu UPS, FedEx FDX 0.42 % und dem U.S. Postal Service.

Seitdem hat Amazon seinen eigenen Lieferdienst getestet, die Nutzung regionaler Kuriere ausgeweitet und sich mit der Post bei der Lieferung frischer Nahrungsmittel zusammengetan. Obendrein wird erwartet, dass Amazon einen eigenen Laden in Manhattan eröffnet, wo Kunden ihre Waren am selben Tag der Bestellung abholen oder auch wieder zurückgeben können. Amazon entwickelt außerdem Drohnen, die die Pakete direkt beim Kunden absetzen.

Amazon könnte an einem Algorithmus für eine Lieferung am selben Tag arbeiten, vermutet Analystin Sucharita Mulpuru von Forrester Research. FORR -0.12 % Damit meint sie eine Software, die darauf ausgelegt ist, jederzeit aus einer Reihe von Liefermöglichkeiten auszuwählen, je nachdem, welches die schnellste und günstigste ist.

Die stationären Einzelhändler schlagen zurück, indem sie ihre Läden in Mini-Lagerhäuser umwandeln und Lieferungen am selben Tag oder gar innerhalb einer Stunde anbieten. Außerdem können die Kunden ihre online bestellten Waren dort abholen. Unter anderem Macy’s M 0.99 % und Kenneth Cole setzen dabei auf Startups, die Waren von ihren Läden mit Hilfe von Kurierflotten und sogenannten Crowdsource-Fahrern auszuliefern.

„Amazon hat diesen Markt für die schnellere und immer schnellere Lieferung geschaffen, und wenn Sie Einzelhändler sind, müssen Sie etwas unternehmen, um mit Amazon zu konkurrieren“, sagte Greg Bettinelli von Upfront Ventures, einem Investor beim Liefer-Startup Deliv. „Aber das bedeutet auch, dass Amazon nicht die Füße stillhalten kann, sie müssen weitere Innovationen bringen.“

Beim jüngsten Test hat Amazon den Informanten zufolge mit Flywheel Software zusammengearbeitet, deren App zum Herbeirufen von Taxis im Wettbewerb steht mit Uber Technologies und Lyft. Amazon hat Taxis über die App zu kleinen Warenverteilzentren gerufen und sie mit bis zu zehn Paketen beladen, die alle für dasselbe Postleitzahlengebiet bestimmt waren. Amazon habe rund 5 Dollar (4 Euro) für ein Paket gezahlt für die Lieferung innerhalb einer Stunde, so die informierten Personen.

Konkurrenz um Lieferung am selben Tag

Mit Taxis könnte Amazon außerdem versuchen, die Lieferkosten im Zaum zu halten, die in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Machten sie 2009 noch 7,2 Prozent des Umsatzes aus, waren es letztes Jahr schon 8,9 Prozent. Amazon hatte im Oktober seinen höchsten Quartalsverlust seit 14 Jahren vermeldet, da die Lieferkosten um 32 Prozent in die Höhe geschnellt sind.

Die Flywheel-Lieferungen wurden üblicherweise in den frühen Morgenstunden getätigt, wenn die Taxis weniger Fuhren hatten und die Wahrscheinlichkeit geringer war, dass sie von Kunden und Konkurrenten beachtet wurden, sagten die Informanten.

Flywheel mit Sitz in Kalifornien wird im November eine neue Investorenrunde und eine Expansion in zehn weitere Großstädte ankündigen. Bisher gibt es die App in Seattle, San Francisco und Los Angeles. Hinzu kommen eingeschränkte Dienstleistungen in Oklahoma City, Daytona Beach in Florida und einigen weiteren kleineren Städten.

Die traditionellen Taxiunternehmen leiden unter der Konkurrenz von Uber und Lyft, über deren Apps Fahrer und Fahrgäste zusammenfinden. Taxis als Lieferfahrzeuge zu nutzen, ist indes nicht neu. Über die Mytaxi-App, die Daimler gehört, werden bereits Waren für europäische Händler ausgeliefert, zudem war ein Start des Dienstes in den USA geplant.

Amazon konkurriert mit Google, GOOGL -0.12 % Ebay und einer Reihe Startups im Bereich der Lieferungen am selben Tag. Google bietet seinen Dienst Google Express mittlerweile in sechs Metropolregionen an. Damit können sich die Kunden Waren von Händlern wie Target oder Costco COST -0.40 % am selben Tag liefern lassen. Ebay hat letztes Jahr den Expresslieferanten Shutl aus London gekauft und testet seinen Dienst „Ebay Now“ seit mehr als zwei Jahren. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte aber, es sei nicht geplant, diesen Service über fünf US-Städte hinaus auszuweiten.

Startups wie Deliv, Zipments und Postmates schicken Kuriere zu stationären Einzelhändlern, um Online oder im Laden getätigte Bestellungen aufzusammeln und sie den Kunden an die Tür zu bringen, oftmals innerhalb einer Stunde. Zipments nutzt Kuriere, um Waren von 250 Händlern in Chicago, New York, San Francisco und Washington abzuholen. Uber testet ebenfalls solche Lieferungen am selben Tag in mehreren Städten und bindet dabei auch Fahrradkuriere in New York ein.

Forrester Analystin Mulpuru sagte, die Lieferung am selben Tag bleibe für die meisten Amerikaner eine Nischendienstleistung. „Die Realität ist, dass die Leute generell nicht gewillt sind, genug für diesen Service zu bezahlen, dass es sich für die Unternehmen lohnt.“

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