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Ist es Zeit, wieder in Bitcoin zu investieren?

Wer schwankende Notierungen nicht scheut und vor vorübergehender Illiquidität keine Angst hat, für den könnte sich ein Investment lohnen

Trotz jüngster Rückschläge halten Experten die Verbreitung des Bitcoin für nicht aufhaltbar: 8 Millionen Bitcoin-Konten erwarten Marktexperten bis zum Jahresende. Rund 100.000 Unternehmen dürften die Kunstwährung dann für Zahlungen akzeptieren. ENLARGE
Trotz jüngster Rückschläge halten Experten die Verbreitung des Bitcoin für nicht aufhaltbar: 8 Millionen Bitcoin-Konten erwarten Marktexperten bis zum Jahresende. Rund 100.000 Unternehmen dürften die Kunstwährung dann für Zahlungen akzeptieren. Bloomberg

Für risikofreudige Anleger könnte es sich wieder lohnen, Kryptowährungen eines genauen Blickes zu würdigen. Von der elektronischen Währung Bitcoin haben die allermeisten Anleger schon gehört, die im vergangenen Jahr eine zeitweilig phänomenale Wertentwicklung zeigte.

Bitcoin werden von Computern mit Hilfe komplizierter mathematischer Formeln errechnet, auf unregulierten Handelsplattformen gehandelt und von einer wachsenden Zahl von Einzelpersonen und Unternehmen inzwischen auch als Zahlungsmittel akzeptiert. Der Vorteil: Zahlungen mit Bitcoin können in rasendem Tempo abgewickelt werden, und die Transaktionskosten sind sehr niedrig.

In den Anfangstagen war ein Bitcoin nahezu wertlos, kostete zuletzt (am 18. September) aber rund 437 US-Dollar. Andere Kryptowährungen können das tendenziell nicht mithalten; aber generell erfreuen sich Kunstwährungen als Investment eines wachsenden Interesses bei Anlegern.

Die Online-Publikation CoinDesk, die die Entwicklung von digitalen Währungen beobachtet, schätzt das Volumen der Bitcoin-Handelskonten, der genannten „Wallets" bis zum Ende des Jahres auf rund 8 Millionen. Rund 100.000 Unternehmen dürften Bitcoin dann für Zahlungen akzeptieren.

Bis zu diesem Punkt haben jedoch notorisch Sicherheitspannen beim Bitcoin das Vertrauen untergraben, so die verlorenen 500 Millionen Dollar in Bitcoin, die bei der einst weltgrößten Bitcoin-Börse Mt. Gox spurlos verschwanden. Mt. Gox musste mittlerweile Gläubigerschutz beantragen. Es sei ein Missverständnis, solche Fälle als Schwäche digitaler Währungen zu betrachten, behaupten Befürworter des Bitcoin unverdrossen.

Das bei Mt. Gox verlorengegangene „Geld" habe einen Sicherheitsmangel bei der Börse selbst offenbart, glaubt Finanzprofessor Campbell R. Harvey von der Duke-Universität in North Carolina. „Bitcoin für den Bankrott von Mt. Gox verantwortlich zu machen, wäre ungefähr das gleiche, als wenn man den US-Dollar für den Zusammenbruch von Lehman Brothers in Haftung nähme", sagt er.

Bitcoins seien minderwertig im Vergleich zu traditionellen Währungen, hatte dagegen Anfang des Jahres Devisenexperte John Normand von J.P. Morgan JPM -0.75 % in London erklärt. „Bitcoin ist eine Währung mit starken potenziellen Renditen, aber auch hoher Volatilität und niedriger Liquidität", monierte der Fachmann in einem Interview. Einzelpersonen müssten sich selbst die Frage stellen, ob die hohen möglichen Gewinne das Risiko mangelnder Umtauschbarkeit und stark schwankender Bewertung lohnten.

Das sollten Interessenten über digitale Währungen wissen, bevor sie sich für ein Investment entscheiden.

Anders als der Euro oder andere konventionelle Währungen werden Bitcoin weder gedruckt noch von einer Zentralregierung gedeckt. Sie werden von Einzelpersonen und Unternehmen geschaffen, die dazu Hochleistungsrechner verwenden. Die Erzeuger von Bitcoins dürfen einen Teil des von ihnen geschaffenen Geldes als Leistung für ihren Service einbehalten. Der Rest wird über unregulierte Börsen verkauft.

Wer einen Bitcoin kauft, bekommt im Gegenzug zwei Zahlenstränge, der eine ist ein öffentlicher, der andere ein privater Schlüssel. Für die bessere Verschlüsselung und aus Gründen der Bequemlichkeit werden die Codes meist sowohl in Buchstaben als auch in Zahlen angegeben. Der öffentliche Schlüssel ist der Code, den eine Person wissen muss, um einen Bitcoin zu versenden. Dagegen ist der private Schlüssel der Code, den einzig und allein der Inhaber kennen sollte. Indem der Inhaber eine geschäftliche Transaktion in Bitcoin mit dem privaten Schlüssel „unterzeichnet", autorisiert er eine Kontenbewegung in dieser Währung – von seinem virtuellen Portemonnaie in ein anderes.

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Jede Bitcoin-Bewegung wird umgehend in einem „Kassenbuch" veröffentlicht, sodass jeder das verfügbare Geld verfolgen kann. Dieses Buch ist irgendwo in der Internet-Cloud verfügbar und hat den Charakter eines gemeinsamen Dokuments und nicht den eines zentral geführten Kontos. Nutzer nutzen diesen Mechanismus, um Einkäufe zu tätigen, Geld zu überweisen oder schlicht zu spekulieren.

Für Anwender veranschaulicht sich wahrgenommene Wert einer digitalen Währung wahrscheinlich am besten als Preis für ein Werkzeug, das nur eingeschränktem Maße verfügbar ist. Die Nachfrage erzeugen Parteien, die ohne Banken oder andere Intermediäre bei Zahlungen direkt miteinander in Kontakt treten wollen, was die Abwicklung billiger und schneller macht.

Für Anleger wird die Internetwährung demgegenüber umso attraktiver, je populärer sie unter den Nutzern wird. Mal angenommen, Bitcoins würden zur beliebtesten Form, in der in den USA arbeitende Phillippinos ihr Geld in die Heimat überweisen. Dann stiege die Nachfrage nach den relativ knappen Zahlenreihen und das triebe den Wert der Bitcoin in die Höhe, erläutern Experten.

Wenn aber eine Krypto-Währung eine andere verdrängt, oder wenn sich Finanztransaktionen in ihnen als reines Strohfeuer erweisen würden, dann würden Bitcoin zu einer weiteren bedeutungslosen Reihe von alphamumerischen Codes, die in den Weiten des Internet massenhaft anzutreffen sind.

Kritiker warnen, dass für Kleinanleger die Chancen in Bitcoin inzwischen Geschichte seien. Großrechner machten es Großinvestoren inzwischen viel einfacher, die Währung deutlich schneller und in großem Stil zu erzeugen und zu erwerben. „Es ist inzwischen nicht mehr so sehr ein Hobby, sondern ein ganz normales Geschäft, bei dem die Anleger genau auf Margen und Kosten achten müssen", meint Bitcoin-Experte Hansel Dunlop aus London, der selbst zu den Bitcoin-Käufern der ersten Stunde gehörte.

Andere Währungen seien aus der Bitcoin-Technologie entstanden und hätten zu Verbesserungen der Plattform beigetragen. Die Unterschiede zwischen den Kryptowährungen seien inzwischen minimal.

Beispiel: Litecoin, die gemessen an der Marktkapitalisierung zweitgrößte Internetwährung. Für zusätzliche Litecoin muss ein komplexeres Problem gelöst werden, sie lassen sich nicht so „einfach" erzeugen – oder „minen", wie es in der Fachsprache heißt – wie Bitcoin. Andere Kryptowährungen wie Ripple können überhaupt nicht generiert werden, sondern müssen auf Handelsplätzen erworben werden.

Investoren müssen aber nicht selbst Kryptowährungen erzeugen oder mit ihnen spekulieren, um mit ihnen Geld zu verdienen. Vielmehr können sie auch einfach in Firmen investieren, die Internetwährungen benutzen oder das System durch Dienstleistungen unterstützen, wie Beobachter sagen. Dazu zählen Firmen, die Zahlungen abwickeln, wie etwa Colored Coins oder Ripple Labs. Mit ihren Open-Source-Protokollen erlauben sie es Nutzern, sofort und nahezu ohne Kosten online zu handeln. Diese Firmen stehen jedoch alle noch am Anfang und sind deshalb zumeist nicht börsennotiert.

Jeffrey Robinson, Autor eines kritischen Buchs über Bitcoin empfiehlt Anlegern genau dies – das Investment in Firmen, die mit Kryptowährungen zu tun haben anstatt in das virtuelle Geld selbst: „Es geht nicht um den Kauf eines Rohstoffs, sondern den Kauf von Technologie", bringt er es auf den Punkt.

Bei aller Euphorie sollten die Risiken nicht aus den Augen verloren werden. Internetwährungen können hochgradig schwankend werden und lassen sich im Zweifel nicht mehr tauschen, warnt Finanzprofessor Harvey von der Duke-Universität.

Das relativ niedrige Gesamtvolumen an Bitcoin bedeute, dass sie sich kaum in großen Mengen veräußern ließen, ohne dass dies einen negativen Effekt auf ihren Preis hätte. Die umlaufenden Bitcoin kamen jüngst auf einen Marktwert von 6 Milliarden Dollar. „Bitcoin waren niemals als spekulatives Investmentvehikel gedacht", mahnt der Wissenschaftler. „Der Hauptzweck von Bitcoin ist es, den effizienten Austausch von Eigentumsrechten bei minimalen Transaktionskosten und einem hohen Grad von Sicherheit zu gewährleisten."

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