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Bayer bringt Plastiksparte an die Börse

Der Bayer-Konzern konzentriert sich künftig auf wachstumsstarke Segmente und trennt sich vom Kunststoffgeschäft. ENLARGE
Der Bayer-Konzern konzentriert sich künftig auf wachstumsstarke Segmente und trennt sich vom Kunststoffgeschäft. Agence France-Presse/Getty Images

Bayer BAYRY -0.93 % wird die Kunststoffsparte MaterialScience in die Eigenständigkeit entlassen und dadurch ein reines LifeScience-Unternehmen werden. Als klaren Weg in die Unabhängigkeit hat der Dax-Konzern für MaterialScience dabei einen Börsengang bis spätestens 2016 vor Augen. Das Ziel: Die Kunststoffsparte soll selbst Zugang zum Kapitalmarkt bekommen und künftig nicht mehr mit den LifeScience-Bereichen Pharma und Agrar um Kapital konkurrieren müssen.

Damit verspricht sich Bayer deutlich bessere Zukunftschancen für MaterialScience. Die LifeScience-Bereiche sind nach den Worten von Bayer-Chef Marijn Dekkers in den vergangenen Jahren innerhalb des Konzerns so groß und dominant geworden - mittlerweile steuern sie fast 90 Prozent zum Konzernergebnis bei -, dass MaterialScience in Sachen Investitionsbedarf nicht immer an erster Stelle steht.

Das soll sich mit dem Börsengang ändern: Künftig soll sich MaterialScience selbst Geld besorgen und dadurch eines Tages womöglich sogar bei Akquisitionen mitmischen können. Die waren beim Bayer-Konzern in letzter Zeit den wachstums- und margenstarken LifeScience-Bereichen vorbehalten: Zuletzt hatte Bayer die Übernahme das Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten vom US-Pharmakonzern Merck & Co MRK 2.51 % für rund 14 Milliarden US-Dollar angekündigt.

Als eigenständige Gesellschaft würde mit MaterialScience laut Bayer das viertgrößte Chemieunternehmen in Europa nach BASF, BASFY 2.37 % LyondellBasell LYB 2.42 % und Evonik EVK 3.84 % entstehen. Das neue Unternehmen würde weltweit rund 16.800 Mitarbeiter beschäftigen, davon etwa 6.500 in Deutschland. Die Gesellschaft, die 2013 auf pro-forma-Basis weltweit über 11 Milliarden Euro umsetzte, soll einen neuen Unternehmensnamen bekommen und ihren Hauptsitz in Leverkusen haben.

Für den Bayer-Vorstand hat MaterialScience das Potenzial, als eigenständiges Unternehmen erfolgreich zu sein. Daher steht ein Verkauf des Kunststoffgeschäfts oder der Zusammenschluss von MaterialScience mit einem Wettbewerber für Bayer auch nicht zur Debatte. Zwar bekannte sich Dekkers zu seiner Verantwortung, ein eingehendes Angebot für die Kunststoffsparte grundsätzlich zu prüfen, Ziel für Bayer ist und bleibt aber, aus MaterialScience ein unabhängiges Unternehmen zu machen.

Ob dies über ein IPO oder einen Spin-off geschehen wird, wird das Marktumfeld zeigen müssen, wie der Vorstand während einer Telefonkonferenz sagte. Grundsätzlich würde Bayer jedoch ein IPO bevorzugen. Die Erlöse aus dem Börsengang will Bayer vor allem in die LifeScience-Geschäfte investieren und zum Abbau der durch die jüngsten Zukäufe gestiegenen Nettoverschuldung nutzen.

Aufstieg in den Dax?

MaterialScience - das Unternehmen produziert etwa den Hochleistungskunststoff Polycarbonat sowie Vorprodukte für Farben, Lacke, Klebstoffe und vor allem Rohstoffe für Schaumstoffe - könnte sogar ein Aufstiegskandidat für den Dax werden. Gemessen an der Marktkapitalisierung von voraussichtlich etwa 8 Milliarden Euro würde das Unternehmen zum zweitgrößten Nicht-Dax-Unternehmen an den deutschen Börsen nach EADS werden und könnte nach der Abspaltung von Bayer als Fast-Entry-Kandidat schnell in den Dax kommen, sofern Bayer sich für Frankfurt als Hauptbörse entscheidet.

Bei den Vorbereitungen drückt Bayer auf's Tempo. Bis Ende nächsten Jahres soll die rechtliche Trennung vollzogen sein. Im ersten Halbjahr 2016 sollen die Aktien von MaterialScience als eigenständiges Unternehmen dann zum ersten Mal an der Börse gehandelt werden. Danach kann Bayer seine Ressourcen ausschließlich auf das verbleibende Pharma- und Agrargeschäft konzentrieren.

Um die Arbeitnehmer für die anstehenden Veränderungen auf ihrer Seite zu haben, haben sich die Leverkusener mit den Arbeitnehmervertretern bereits auf eine vorzeitige Verlängerung der bestehenden Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung sowohl für Bayer als auch für MaterialScience verständigt. Damit sind betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Ende 2020 ausgeschlossen.

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