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Green Crowdfunding verlässt das Experimentierstadium

Mit rund 445.000 Euro hat eine Crowdfunding-Kampagne über die Online-Plattform Econeers in nur vier Monaten eine Rekordsumme eingesammelt. Mit diesem bei der Crowd eingeworbenen Geld will die Sonneninvest AG einen Solarpark in Langenbogen bei Halle finanzieren.

Noch recht unerfahren in Sachen Finanzierung mittels Crowd ging der Projektbetreiber denn zunächst auch recht verhalten ambitioniert vor: Ursprünglich wollte er nämlich nur 100.000 Euro einsammeln, statt der nun eingeworbenen 445.000 Euro. Die Crowdfunding-Campagne verlief damit derart erfolgreich, dass Sonneninvest sein eingesetztes Eigenkapital fast vollständig einspielen konnte. Ein Erfolg, den so weder Sonneninvest noch Econeers erwartet hatten.

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The Wall Street Journal

Allerdings muss man sich über diesen Erfolg nicht unbedingt wundern. Der Solarpark Langenbogen bei Halle befindet sich schon seit 2010 am Stromnetz und produzierte im vergangenen Jahr mehr als eine Million Kilowattstunden klimafreundlichen Strom. Die Investoren, die über Econeers in den Solarpark investiert haben, bekommen eine Rendite von 4,5 bis 5 Prozent pro Jahr und werden darüber hinaus – abhängig von der Sonneneinstrahlung – an den Gewinnen der Anlage beteiligt. Zudem profitiert die Photovoltaikanlage noch von den höheren Fördersätzen des alten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Wenn alles gut geht, profitieren die Investoren nicht nur wirtschaftlich, sondern unterstützen auch ein nachhaltiges Projekt. Und wie am Erfolg der Kampagne abzulesen ist, trifft es offenbar auch den Nerv der Bevölkerung.

Mehr denn je wollen die Menschen selbst bestimmen, was mit ihrem Geld passiert, es selbst steuern und in sinnvolle Projekte investieren. Nach wie vor ist das Vertrauen in die Banken schwer beschädigt, so dass es nahe liegt, Verantwortung zu übernehmen und sich um seine Geldanlagen selbst zu kümmern. Der Trend ist in vollem Gange: Die Direktfinanzierung von Ökoprojekten fasst weiter Fuß.

Vorsicht bei Nachrangdarlehen

Und mit Bettervest , Econeers, Greenrocket, Crowdenergy und leihdeinerumweltgeld – um nur einige der Crowdfunding-Plattformen zu nennen – bieten sich dem potenziellen Investor neben der klassischen Bürgerbeteiligung vor Ort auch immer wieder viel versprechende Gelegenheiten, in grüne Projekte zu investieren, damit an der Energiewende teilzuhaben, und so im Idealfall gesellschaftliche Verantwortung und Kapitalanlage miteinander zu verbinden.

Vorsicht ist aber geboten: Bei aller Euphorie über die neuen internetbasierten Möglichkeiten, sein Geld in grüne, auf den ersten Blick zumeist sinnvoll und „gut“ erscheinende Projekte anlegen zu können, dürfen die alten Investitionsgrundsätze keinesfalls vergessen werden. Auch bei diesen neuen Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung und Geldanlage bleibt es dem potenziellen Investor nicht erspart, das Projekt, in das er sein Geld womöglich investieren will, sorgfältig zu prüfen.

Häufig handelt es sich bei Crowdfunding-Projekten nämlich um so genannte „partiarische Nachrangdarlehen“, die im Fall der Insolvenz die Ansprüche des Crowdfinanciers zuallerletzt bedienen. Unter Umständen kann es also sein, dass er sein investiertes Geld komplett verliert - ein Umstand, über den es sich unbedingt lohnt, Klarheit zu verschaffen.

Ist sich der Investor dessen aber bewusst, wägt die Chancen und Risiken seines potenziellen Investments sorgfältig ab, dann hat die Zukunft dieser internetbasierten Form der Unternehmensfinanzierung und Geldanlage sicherlich gerade erst begonnen und der Erfolg von Econeers war nicht der letzte seiner Art.

*Zum Autor: Lothar Lochmaier arbeitet als freier Journalist in Berlin. Er beschäftigt sich mit den Themen Energie, Banken und Informationstechnologie. Der Autor betreibt außerdem das Weblog „Social Banking 2.0 – der Kunde übernimmt die Regie“.

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