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Ölpreis-Absturz wird vor allem Kanada gefährlich

Ölsand wird im Bergwerk von Subcor im kanadischen Fort McMurray verladen. ENLARGE
Ölsand wird im Bergwerk von Subcor im kanadischen Fort McMurray verladen. Reuters

Oligarchen aus Russland, Geistliche aus dem Iran, Tycoons aus Texas: Die Liste der Gegenspieler von Saudi-Arabien liest sich wie das Personal aus einem James-Bond-Film. Die wahren Opfer sind allerdings prosaischer: Immobilienmakler aus dem kanadischen Calgary.

Der Wortführer der Opec-Staaten sorgt mit seiner nach außen getragenen Gleichgültigkeit gegenüber dem fallenden Ölpreis für Entsetzen an den Märkten. Den Saudis geht es offenbar nur um die Marktanteile, selbst wenn das Wachstum der Nachfrage zurückgeht.

Diese Strategie ergibt für Saudi-Arabien Sinn. Künstlich hohe Preise helfen zwar kurzfristig, stärken jedoch auch die Konkurrenz aus anderen Quellen und sorgen zudem für einen sparsameren Verbrauch. Wenn stattdessen zugelassen wird, dass die Preise fallen, setzt dass vor allem Rivalen unter Druck, die zu höheren Preisen fördern.

Dass könnte auf Russland und den Iran zielen, vor allem aber auf Nordamerika. Warum sonst sollte die saudische Regierung auf einen Ölpreis hoffen, der die Schiefergas-Produktion unrentabel macht. Laut der jüngsten Schätzung liegt diese Schwelle laut einem Bericht des Wall Street Journal bei 70 US-Dollar je Barrel. Das wären 16 Dollar unter dem aktuellen Brent-Preis und das niedrigste Niveau seit Mai 2010.

Trotzdem würde das den Fracking-Boom in den USA nicht sofort abwürgen. Anleger betrachten bei Ölprojekten üblicherweise die Rendite über die Gesamtzeit des Bestehens. Aber für einen Konzern, der Vorkommen erkundet und ausbeutet, ergibt das nicht notwendigerweise Sinn. Wenn man bereits Millionen in den Kauf von Land, in den Erwerb von Lizenzen und den Aufbau von Infrastruktur investiert hat, dann zählt bei der Förderung nur die Rendite ab diesem Zeitpunkt.

Paul Goydon, Partner bei der Beraterfirma Boston Consulting, schätzt, dass bei einer angenommenen Rendite von 10 Prozent die Förderung in den drei großen Schiefergas-Feldern in den Vereinigten Staaten – Bakken, Eagle Ford und Permian – schon bei 60 Dollar oder weniger profitabel ist.

Darin spiegeln sich auch zum Teil Hedging und Produktivitätsgewinne wider. Vor zwei Jahren betrug die Breakeven-Schwelle laut Goydon noch 75 Dollar. Und man sollte darauf hinweisen, dass der jahrzehntelange Rückgang der US-Ölförderung im September 2008 endete. Das war ein ziemlich turbulenter Monat, wie man sich erinnern mag. Die Ölbranche kann also kurzfristige Marktwirren gut wegstecken.

Fracking ist zudem ein bisschen wie der Bau einer Atombombe. Wenn irgendwer erst einmal herausgefunden hat, wie es geht, kann man das nicht wieder rückgängig machen. Sollte es keine lange Phase extrem niedriger Preise geben, dürfte sich die US-Ölindustrie behaupten.

Anders sieht es in Kanada aus, wo aus Ölsand gefördert wird. Dort sind die Kosten viel höher. Ähnlich wie in den USA dürften existierende Projekte weiter bestehen. Die Analysten der Société Générale SCGLY 2.25 % schätzen, dass die kurzfristigen Betriebskosten bei etwa 40 Dollar je Barrel oder weniger liegen.

Aber wenn sich andeuten sollte, dass der Ölpreis länger niedrig bleibt, dürfte das neue Projekte verhindern. Die hohen Kosten im Vorfeld bedeuten, dass sie erst bei mehr als 90 Dollar je Barrel profitabel sind. Ölriesen wie Statoil STO 0.44 % haben einige Projekte bereits auf Eis gelegt.

Kanada hat die drittgrößten bestätigten Ölreserven der Welt. Nach Schätzung der Internationalen Energieagentur wird das Land bis 2019 etwa 20 Prozent des zusätzlichen Ölangebots beisteuern, das nicht aus Opec-Ländern kommt.

Für Saudi-Arabien wäre es ein Sieg, diesen Zuwachs auszubremsen. Dafür würde das Land auch niedrige Preise in Kauf nehmen. Den aufgrund des Fracking-Booms florierenden Immobilienmarkt in Texas werden die Saudis wohl nicht gefährden. Für das kanadische Calgary könnte das schon ganz anders aussehen.

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