DOW JONES, A NEWS CORP COMPANY
Sections
  • Today's Paper
  • SHOW ALL SECTIONS HIDE ALL SECTIONS
    HIDE ALL SECTIONS
Aim higher, reach further.
Get the Wall Street Journal $12 for 12 weeks. Subscribe Now

Superreiche kaufen den Griechen ihre Inseln ab

Derzeit stehen in Griechenland rund 20 Inseln in Privatbesitz zum Verkauf.

Sonnenüberflutet und von türkisblauem Wasser umspielt erhebt sich Insel aus dem Meer. Sanfte Wellen brechen sich am Strand und glitzern und glänzen im flirrenden Mittagslicht. Verführerisch ist die Idylle, von der selbst die Reichsten der Reichen bisher meist nur träumen konnten: In den Besitz einer griechischen Insel zu gelangen, glückte bis vor kurzem nur den Allerwenigsten.

Griechische Inseln sind ein Familienschatz, sie werden eifersüchtig von Dynastien gehütet und innerhalb des Clans von Generation zu Generation weitergegeben. Zum Verkauf frei gegeben wurden, wenn überhaupt, nur sehr wenige der traumhaften Inselreiche.

Das ändert sich jetzt. In den Markt für griechische Privatinseln ist mächtig Bewegung gekommen. Dafür sorgt die wachsende Nachfrage seitens ausländischer Investoren, ein Absacken der Preise und Änderungen bei den griechischen Steuergesetzen. Derzeit stehen in Griechenland rund 20 Inseln in Privatbesitz zum Verkauf.

Bereits erfüllt hat sich der Traum von der eigenen griechischen Insel für Ekaterina Rybolowlewa. Die 25-jährige Tochter des russischen Milliardärs und Sportsponsors Dimitri Rybolowlew nennt seit Anfang des vergangenen Jahres die berühmte Insel Skorpios ihr Eigen. Eine Firma, die zu einer mit Rybolowlewa verbandelten Stiftung gehört, hatte das Eiland Athina Onassis Roussel, der Enkeltochter des legendären griechischen Reeders Aristoteles Onassis, abgekauft. Auf Eiland mitten im Ionischen Meer hatte der Schifffahrtsmagnat vor 45 Jahren die ehemalige First Lady Jacqueline Kennedy geheiratet. Berichten zufolge wechselte die Insel für geschätzte 126 Millionen Euro die Besitzerin. Eine Sprecherin von Rybolowlewa bestätigte den Verkauf, wollte sich aber nicht zum Preis äußern.

“Nachdem Skorpios verkauft worden war, und besonders im vergangenen Jahr, ist es zu einem intensiven Interesse am Inselmarkt gekommen”, berichtet Alexandros Moulas, ein Vertreter der Immobilienagentur Savills. “In der Regel kontaktiert uns ein Vermittler, und der Name des tatsächlichen Investors bleibt ein streng gehütetes Geheimnis.”

Die griechische Insel Oxia wurde angeblich an den ehemaligen Emir von Katar verkauft. ENLARGE
Die griechische Insel Oxia wurde angeblich an den ehemaligen Emir von Katar verkauft. AFP/Getty Images

Auch Oxia, ein paar Inseln weiter südlich von Skorpios, hat einen neuen Besitzer. Bei Rybolowlewas Nachbarn soll es sich um den ehemaligen Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al-Thani, handeln. Im vergangenen Jahr hatte die in Athen ansässige Investmentgruppe Pima das unbewohnte, etwa vier Quadratkilometer große Inselchen vor der Westküste Griechenlands für rund 5,5 Millionen Euro erworben. Pima habe in Eigenregie gehandelt, lässt ein Vertreter der Gruppe wissen. Zwei Vertreter der Kommunalverwaltung teilen dagegen mit, die Firma habe die Insel im Auftrag des ehemaligen Emirs gekauft. Versuche, den früheren Emir zu erreichen, verliefen ergebnislos.

Wer sich den Traum von der eigenen griechischen Insel erfüllen will, muss mit ganz unterschiedlichen Preisen rechnen. Die Spanne reicht von ein paar Millionen Euro bis hin zu mehr als 100 Millionen Euro, je nachdem, ob Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser, Strom und, in einigen Fällen, auch Anlegeplätze für die obligatorische Yacht vorhanden sind. Allerdings seien die Preise insgesamt niedriger, berichten Immobilienexperten. Sie lägen derzeit um bis zu 30 Prozent unter dem Niveau, das vor der Krise herrschte.

Die Mehrzahl der 20 Inseln, die momentan angeboten werden, ist vollkommen unerschlossen. Einige sind zum Teil bewaldet, während andere vor allem felsiges Terrain zu bieten haben. Auf der Insel Nissos im Ionischen Meer, die fünf Seemeilen vom griechischen Festland entfernt liegt, könnten sechs Häuser von bis zu jeweils 130 Quadratmetern gebaut werden, teilt der Makler Savills mit. Ihr Preis liege bei etwa 5,4 Millionen Euro. Für rund 50 Millionen Euro soll die nahe gelegene Insel Omfori unter den Hammer kommen. Dort steht bereits ein kleines Gebäude. Außerdem lägen bereits die notwendigen Genehmigungen vor, um 20 Prozent der rund 450 Hektar fassenden Fläche zu bebauen, wie der Immobilienwebsite Private Islands Online zu entnehmen ist.

Der Weg zum Inselparadies ist steinig

Mit rund 6.000 Inseln und Inselchen herrscht in Griechenland kein Angebotsmangel für all diejenigen, die fern vom Festland über ein eigenes Reich regieren wollen. Doch das Leben als Inselherrscher bringt seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Die meisten Inseln sind nur äußerst schwer zu erschließen. In vielen Fällen stellt allein schon das Anlanden eine große Hürde dar, besonders wenn man bedenkt, dass die Nutzung privater Wasserflugzeuge in Griechenland restriktiv gehandhabt wird. Vor dem Erwerb müssen Kaufwillige außerdem bereit sein, sich furchtlos in den Papierkrieg zu stürzen. Denn auf dem steinigen Weg zum Inselparadies sind bis zu 32 bürokratische Schwellen zu überwinden. Dazu gehört auch die Prüfung des Leumunds und des Strafregisters des Interessenten, um festzustellen, ob er möglicherweise die Sicherheit des Landes gefährdet.

Aristote und Jacky Onassis. waren einst auch stolze Inselherren. ENLARGE
Aristote und Jacky Onassis. waren einst auch stolze Inselherren. AFP/Getty Images

Und eines sollte der potenzielle Inselkäufer unbedingt wissen: In Griechenland sind alle Strände öffentlich. Jeder, der über ein schwimmendes Gefährt verfügt, kann demnach die Privatgestade einer Insel erobern und sich dort badend tummeln. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wie abgelegen die Insel ist oder wie teuer es war, sie zu kaufen. Der Gedanke an solch ungebetene Gäste, die aus dem Blauen auftauchen und sich am eigenen Strand breit machen, hat schon manchen Käufer abgeschreckt.

In einigen Fällen sind auch langwierige Konflikte mit den Einheimischen auszufechten, die Stehvermögen verlangen. Vor fast 10 Jahren hatte der griechische Geschäftsmann Yannis Perrotis, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft Atria Property Services, die kleine Privatinsel Arkoudi im Ionischen Meer entdeckt und sich von dem Inselchen zu Großem inspirieren lassen. Hier sollte für 250 bis 300 Millionen Euro eine exklusive Ferienlage der Superluxusklasse entstehen. Die Gäste sollten in Villas mit allem Komfort wohnen, sich in einer Bäderwelt erholen, vom Yachthafen aus in See stechen oder auf den unterschiedlichsten Anlagen ihrem Lieblingssport nachgehen.

Doch dann erkannte Perrotis zu seinem Entsetzen, dass auf seiner angeblich unbewohnten Insel tatsächlich jemand lebte: ein Hirte mit seiner Herde Ziegen. Er brauchte mehr als zwei Jahre, bis er die Alteingesessenen dazu überreden konnte, die Insel zu verlassen.

“Ich habe ein paar Jahre der Sorgen und Probleme durchlebt, gefolgt von ein paar Jahren des Zorns”, erzählt Perrotis. “Aber jetzt halte ich etwas in meinen Händen, dass einen Mehrwert und greifbare Aussichten hat.”

Unfreiwillige Inselbesitzer

Viele Griechen waren unversehens zu Inselbesitzern geworden. Ihr Reich im Meer war ihnen einst von entfernten Vorfahren vermacht worden. Da sich im Markt in den vergangenen 10 Jahren nicht viel bewegte, hatten sie keine Veranlassung, über den Wert ihres Besitzes nachzugrübeln.

Doch dann kam die Finanzkrise, und Griechenland drohte die Staatspleite. Das Land wurde gerettet, doch die internationalen Gläubiger der Eurozone und des Internationalen Währungsfonds forderten von Athen, die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Die griechische Regierung sah sich daher gezwungen, in diesem Jahr zum ersten Mal Grund- und Immobilienbesitz dauerhaft zu besteuern.

Damit änderte sich die Lage schlagartig. Einige griechische Inselbesitzer mussten im Zuge der Krise und der neuen Steuern den Wert ihrer Inseln neu überschlagen. Und viele von ihnen gelangten plötzlich zu der Erkenntnis, dass sie sich den Luxus einer privaten Insel schlichtweg nicht mehr leisten konnten, berichten Immobilienspezialisten.

“Ich habe Kunden, die mir sagen, dass sie so schnell wie möglich verkaufen müssen. Sie sagen, sie können die Steuerlast nicht stemmen”, sagt Yannis Kriaras, ein auf Kreta ansässiger Immobilienmakler. “Die meisten ärgern sich darüber, dass sie überhaupt erst eine Insel geerbt haben.”

Advertisement

Popular on WSJ