Facebook präsentiert am Mittwoch zum sechsten Mal Quartalszahlen. Und zeigt damit allen anderen Social-Media-Börsenaspiranten wie es geht.

Facebook verdient nicht nur bares Geld und verfügt über einen Marktwert von 120 Milliarden US-Dollar. Dem Sozialen Netzwerk schlechthin ist es gelungen, den technischen Fehlstart an der Börse vergessen zu machen. Anlegern der ersten Stunde bietet Facebook eine ansehnliche Rendite. Trotzdem ist schwer nachvollziehbar, wie 23 Cents Gewinn pro Aktie über einen Zeitraum von vier Quartalen eine Notierung der Aktie bei 50 Dollar rechtfertigen könnte.

Die Aktionäre von Facebook sollten sich von guten Zahlen nicht blenden lassen. Associated Press

Sicher, es gibt beim Wachstum viel Luft nach oben. Von FactSet befragte Analysten rechnen damit, dass Facebook im dritten Quartal 12 Cent Gewinn pro Aktie eingefahren hat. Vor einem Jahr stand noch ein Verlust von 2 Cents zu buche.

Der Umsatz wird gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum voraussichtlich um 52 Prozent höher ausfallen und damit nur knapp unter dem blendenden Wachstumstempo des zweiten Quartals liegen. Angesichts dieser Aussichten und Anzeichen, dass die mobile Werbung Geld abwirft, hat die Aktie allein am 25. Juli fast 30 Prozent zugelegt.

Doch stützt die neue Strategie im mobilen Geschäft den Aktienkurs wirklich? Eher nicht, sagt der Mann, der das Buch der Bücher zum Thema Marktbewertungen geschrieben hat, Finanzprofessor Aswath Damodaran von der New York University Stern School of Business.

Ausgehend vom Emissionspreis von 38 Dollar, hat er eine Order platziert, Facebook-Aktien zu einem in seinen Augen attraktiven Preis von 18 Dollar zu kaufen. Im September 2012 war es soweit. Er hielt die Aktie aus Steuergründen noch für ein Jahr, um sie dann zu verkaufen – seinen Einsatz hat er dabei mehr als verdoppelt.

Laut Damodaran ist Facebook zwischen 25 und 30 Dollar pro Aktie wert. Der Übergang zu mobiler Werbung versetzt ihn nicht in Hochstimmung, da dies bereits in den rund 40 Prozent Umsatzwachstum berücksichtigt sei, die Analysten für die kommenden Jahre vorhersagen.

„Man bräuchte stichhaltige Hinweise, dass Facebook in ein neues Geschäftsfeld vorstößt", um die Prognosen zu erhöhen, sagt Damodaran. „Doch nichts von dem, was Facebook in den Quartalsberichten vorlegt, zeigt mir, dass sich etwas hier getan hat".

Zwar soll es bei der Vorlage der Drittquartalszahlen auch um Videowerbung, Apps und andere Initiativen gehen. Doch diese drehen sich doch rein um das soziale Netzwerk an sich. Jüngste Konsensschätzungen von Analysten lassen unterdessen befürchten, dass das Umsatzwachstum bald unter das von Damodaran anvisierte Niveau fallen könnte.

Dass er mit seiner Bewertung der Facebook-Aktie richtig lag, schreibt der Finanzprofessor mehr seinem glücklichen Händchen als seiner Expertise zu. Das sollte allen Facebook-Aktionären zu denken geben, egal wie gut die Zahlen für das dritte Quartal letztlich ausfallen werden.

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